„So wirst du leben.“ (Lk 10,28)

Europa in Solidarität – Evangelische Impulse

Zwischenruf: Blick aus Griechenland

Seit der „Grexit-Diskussion“ im letzten Jahr haben wir eine große Auseinandersetzung zum Thema Europa gehabt. Der erklärte Wille, in der Eurozone zu bleiben, hat Griechenland vor einer weiteren Krise bewahrt. Im Alltag habe ich immer wieder Stimmen gehört, die in einer guten Weise von Deutschland und von Europa gesprochen haben; allerdings im Sinne von Solidarität in Not und Unterstützung.

Zum anderen gehört Griechenland zu den Ländern, die im Augenblick deutlich spüren, dass der europäische Gedanke sich auf Wirtschaft und Finanzsysteme gründet und weniger auf Solidargemeinschaft, Humanität und Werte. Die Aufnahme von Flüchtlingen ist ein eindeutiges Zeichen dafür. Griechenland ist mit den im Land verbliebenen Menschen, die auf der Suche nach einem sicheren Leben in Europa sind, alleingelassen und überfordert. Wer ein Flüchtlings-Camp in Nord-Griechenland betritt, kann kaum glauben, in Europa zu sein. Hier sind die Hoffnungen groß, dass Europa weiterhin unterstützt, die Hilfe koordiniert und effektiv gestaltet.

Als Evangelische Kirche deutscher Sprache in Thessaloniki hatten wir die Möglichkeit, mit anderen europäischen Nationen Projekte durchzuführen. Der Wille, sich miteinander für ein Ziel über Grenzen hinweg einzusetzen und für den anderen einzubringen, war für uns ein deutliches Signal für eine beispielhafte europäische Solidarität, die es in jeder Hinsicht zu fördern gilt. Daraus sind tragende Partnerschaften geworden.

Als Evangelische Kirche deutscher Sprache in Thessaloniki sind wir ein Verein nach griechischem Vereinsrecht; die Griechisch-Orthodoxe Kirche ist Staatskirche. Seit dem Herbst 2014 ist es möglich, auch als Kirche anerkannt zu werden, was wir anstreben. Dadurch erfahren wir eine Wahrnehmung und Würdigung in Griechenland, die vorher nicht denkbar war. Diese Möglichkeit haben wir der Europäischen Union zu verdanken.