„So wirst du leben.“ (Lk 10,28)

Europa in Solidarität – Evangelische Impulse

Zwischenruf: Blick aus England

Das Referendum in Großbritannien hat gezeigt, dass das Land in seiner Haltung zu Europa gespalten ist. Die einen fühlen sich als Europäerinnen und Europäer, schätzen die Möglichkeit, in verschiedenen Ländern zu leben und zu arbeiten, und sehen die Vorteile, die der gemeinsame Markt bietet. Den anderen ist die nationale Identität wichtiger; sie fürchten die völlige Überfremdung des weithin schon multikulturellen Landes und glauben, dass ein unabhängiger Staat Kosten spart und wirtschaftlich erfolgreicher ist.

Angesichts dieser Kontroverse tritt der Frieden zwischen den Völkern, zu dem die EU beiträgt, in den Hintergrund. Er braucht nach einem Austritt Großbritanniens künftig wieder eine verstärkte Pflege.

Seit dem Zweiten Weltkrieg haben deutsch-britische Clubs und Städtepartnerschaften für persönliche Begegnungen gesorgt, die zur Überwindung von Vorurteilen notwendig sind. Die deutschsprachigen Gemeinden in zahlreichen Städten Großbritanniens wurden als Orte der Versöhnung betrachtet. Im zusammenwachsenden Europa schien es, als seien diese Institutionen mittlerweile überflüssig geworden. Die Debatte über den Brexit hat jedoch deutlich gemacht, dass es weiterhin großer Anstrengungen bedarf, eine Kultur der Freundschaft zu erhalten.

Die deutschsprachige Kirche in Großbritannien versteht sich selbst als ein Projekt der Solidarität zwischen Briten und Immigranten. Sie fördert die deutsch-britischen Clubs und pflegt ökumenische Kontakte auf lokaler und nationaler Ebene. Und sie macht deutlich, dass der christliche Glaube keine Grenzen kennt.