„So wirst du leben.“ (Lk 10,28)

Europa in Solidarität – Evangelische Impulse

Blick aus Portugal

„È a vida.“ – „So ist das Leben.“ Mit solcher Gelassenheit und uns manchmal unverständlicher Geduld nehmen viele Portugiesinnen und Portugiesen die Zumutungen des Lebens hin. Und so viel ist klar: Die wirtschaftliche Situation in Portugal ist angespannt. Es ist nicht für jeden einfach, Arbeit zu finden. Die Löhne sind niedrig, die Steuern selbst für Geringverdiener hoch und vieles kostet mehr als zum Beispiel in Deutschland oder Frankreich. Wir fragen uns manchmal, wie die Leute in Portugal mit einem Durchschnittseinkommen von ca. 1000 Euro überhaupt zurechtkommen. In Lissabon scheint das kaum möglich. Aber die Familien halten zusammen, man verdient sich hin und wieder „nebenbei“ etwas und wartet darauf, dass die Zeiten besser werden.

Unübersehbar ist jedoch, dass die Armut hier in Portugal ein anderes Niveau hat als in Deutschland. Deutlich mehr Menschen bitten an unserer Kirchentür um Unterstützung finanzieller Art oder um Lebensmittel. Als Gemeinde unterstützen wir das Sozialprojekt unserer katholischen Partnergemeinde in dem besonders von Armut betroffenen Lissabonner Stadtteil „Serafina“. Wir stehen in gutem Kontakt mit Padre Crespo. Er erzählt, dass zunehmend weniger Eltern sich die Gebühren für den Kindergarten und die Kinderkrippen leisten können. Auch Hunger ist ein Thema in Portugal.

Vielleicht läuft die Konjunktur ja irgendwann wieder an. Vielleicht lockert die EU ihre Auflagen, die Portugal relativ gut einhält. Manche achten genau darauf, wie die EU mit Griechenland umgeht. Manche wollen den EU-Austritt. Doch es steht auch fest:

Portugal gehört zu den Netto-Gewinnern, was die EU-Einnahmen betrifft. Portugal wird wohl in der EU bleiben. Beliebt ist die EU-Politik dennoch nicht. Die deutsche Bundeskanzlerin hat mit ihrer Flüchtlingspolitik ein paar Prozentpunkte im portugiesischen Ansehen gewinnen können. Was aber vor allem wichtig ist: Wir haben die EM gewonnen! È a vida.