„So wirst du leben.“ (Lk 10,28)

Europa in Solidarität – Evangelische Impulse

Was bedeutet Europa?

Wir baten Vertreter der größten Religionsgemeinschaften Deutschlands um Statements

Öffnung

Für das Verhältnis der Katholischen Kirche zu Europa ist für mich das Nachsynodale Schreiben „Ecclesia in Europa“ von Johannes Paul II. aus dem Jahr 2003 besonders wichtig. In diesem Text schreibt der Papst, wer Europa sagt, müsse damit immer „Öffnung“ meinen. Diese Aussage richtete er vor allem auf das Thema Migration, so dass sie gerade in den letzten Monaten noch einmal zu einem besonderen Bezugspunkt für Europa geworden ist.

Bereits der Titel des Dokuments „Ecclesia in Europa“ unterstreicht aber, dass die universale Kirche auch in Europa nicht in erster Linie als verschiedene Bischofskonferenzen auftreten soll, sondern als eine Kirche nationale Sichtweisen überwinden muss – eine ständige Herausforderung! In diesem Sinn versucht auch die Deutsche Bischofskonferenz stets, ihre Position gemeinsam mit den Bischöfen aus den anderen europäischen Staaten in die politischen Debatten in Europa einzubringen.

Trotzdem ist häufig zu bemerken, dass die Kirchen in Deutschland ein besonderes Augenmerk auf die europapolitischen Fragen werfen und sich besonders stark in Europa engagieren. Dies führt nicht zuletzt auch zu einer engen Zusammenarbeit der EKD und der Deutschen Bischofskonferenz in europäischen Fragen. An besonderen Weggabelungen Europas haben die beiden Kirchen in Deutschland sich ökumenisch zu Wort gemeldet: Ich denke dabei an den Gemeinsamen Text von 1995 zu Fragen des europäischen Einigungsprozesses, an einen Zeitungsappell der beiden damaligen Vorsitzenden zum Gottesbezug in der Europäischen Verfassung 2004, die Ausführungen zur Eurokrise in der Ökumenischen Sozialinitiative 2014 oder zuletzt die gemeinsamen Äußerungen in der Flüchtlingskrise.

Die Kirchen sind gefordert, ihre Sendung in Europa ernst zu nehmen und ihren Beitrag zu Solidarität und Zusammenhalt zu leisten.

Solche ökumenischen Stellungnahmen machen deutlich, dass die Kirchen immer einen wichtigen Beitrag in Europa geleistet haben. Ihre Stimme ist aber auch in Zukunft unabdingbar. Gerade Papst Franziskus, der nicht aus Europa kommt, hat in seiner Rede anlässlich der Verleihung des Aachener Karlspreises die konstruktive Begleitung der Europäischen Einigung unterstrichen und dazu aufgerufen, „gerade jetzt, in dieser unserer zerrissenen und verwundeten Welt“ zur „Solidarität der Tat zurückzukehren“, die Robert Schuman am 9. Mai 1950 eingefordert hat. In einer Zeit, in der der Zusammenhalt in Europa brüchig wird, ist diese Solidarität wichtiger denn je. Die Kirchen sind deshalb gefordert, ihre Sendung in Europa ernst zu nehmen und ihren Beitrag zu Solidarität und Zusammenhalt zu leisten.