Neu erzählen: Geschichten auf Reisen – der „Europäische Stationenweg“

19. Oktober 2015

Vollversammlung Weltkirchenrat Genf 2014
Genf ist Sitz des Weltkirchenrats. Dort beginnt der Stationenweg. (epd-Bild/Peter Williams)

Das gesellschaftliche Erdbeben, das vor 500 Jahren von Wittenberg, Zürich, Genf und vielen anderen Orten ausging, hat das Miteinander Europas verändert. Von Europa strahlte diese Bewegung auch auf andere Kontinente aus, prägte Kulturen und Regionen. Ab November 2016 knüpft der "Europäische Stationenweg" ein Band zwischen reformatorisch bedeutsamen Orten. Im Mai 2017 kommt dieser Weg in Mitteldeutschland an und mündet in Wittenberg in die Weltausstellung Reformation „Tore der Freiheit“.

Städte in den Niederlanden und in Ungarn, in Slowenien und Irland werden ebenso angesteuert wie Rom, Augsburg, Worms und die Wartburg. 36 Stunden lang wird jeweils Station gemacht: Regionale und ökumenische Partner laden zu einem Fest mit zahlreichen Veranstaltungen ein, um lokale Beziehungen zur Geschichte der Reformation aufzudecken.

Öffentliche Wahrnehmung

Durch überraschende Inszenierungen wird lebendig, was war. In der Begegnung mit den Menschen, die an der jeweiligen Station leben, wird sichtbar, wie aktuell sich die Reformation erkennen lässt. Persönliche Erzählungen bezeugen, wie zeitgemäß reformatorische Perspektiven sind. Jede Station gibt eine Erinnerung mit zur Weltausstellung Reformation in der Lutherstadt Wittenberg.

Der „Europäische Stationenweg“ ermöglicht den Städten, die - soweit sie in Deutschland liegen - von den Landeskirchen vorgeschlagen wurden, in ihrer Region Reformationsthemen in den Vordergrund der medialen und öffentlichen Wahrnehmung zu rücken. Der Truck steht jeweils auf einem zentralen Platz in der Stadt. Er ist nicht zu übersehen. Die regionalen Medien werden über die Veranstaltungen und Begegnungen vor, während und nach dem Besuch berichten.

Start in Genf

Mit dem Truck wird auch zur Weltausstellung „Tore der Freiheit“ eingeladen, zu Kirchentag und Kirchentagen auf dem Weg, zum Festgottesdienst und dem Bürgerfest Ende Mai in Wittenberg. Aber auch die jeweils regionalen Veranstaltungen zum Reformationsjubiläum können Thema werden, weil die Veranstaltungen während des Aufenthalts vornehmlich von Verantwortlichen vor Ort vorbereitet werden.

Die Stationen des Weges stehen seit einigen Wochen fest – von Augsburg bis Zwolle.  Start ist am 3. November 2016 in Genf sein, nur wenige Tage nach dem Reformationsfest. In der Stadt, in der Johannes Calvin wirkte und heute der Ökumenische Rat der Kirchen seinen Sitz hat wie vielzählige andere weltweit wirkende Organisationen, beginnt die Tour durch Europa.

Verbunden ist der "Europäische Stationenweg" mit einer Aktion der Gemeinschaft Evangelischer Kirchen in Europa (GEKE). Sie zeichnet einzelne Städte als „Reformationsstädte Europas“ aus: Die erste so ausgezeichnete Stadt war Emden in Ostfriesland. Die Initiative unterstützt damit das erlebnisreiche Zusammenspiel von Kunst, Kultur und Spiritualität und fördert Geschichtsabenteuer und Tourismus in den Städten der Reformation. Auch die Städte, die vom "Europäischen Stationenweg" besucht werden, können „Reformationsstadt Europas“ werden.

Christof Vetter

Der Text ist ursprünglich erschienen bei der Arbeitsgemeinschaft Missionarische Dienste (AMD) als Studienbrief G 3.