Neu feiern: In Mitteldeutschland zu Gast – Kirchentage auf dem Weg

20. Oktober 2015

beleuchteter berliner dom beim "festival of lights" 2015
Illuminierter Berliner Dom – die Hauptstadt ist ein Ort des Kirchentags 2017. (epd-Bild/Rolf Zoellner)

Der Deutsche Evangelische Kirchentag findet alle zwei Jahre statt – immer in den Jahren mit einer ungeraden Jahreszahl. 2017 ist Kirchentag vom 24. bis zum 28. Mai in Berlin und Wittenberg. Zehntausende von überall her werden erwartet. Über konfessionelle und religiöse Grenzen hinweg erleben sie Gemeinschaft, feiern Gottesdienste, lauschen Konzerten und nehmen an leidenschaftlichen und ehrlichen politischen Debatten teil.

Der Kirchentag im Jubiläumsjahr ist ein zivilgesellschaftliches Forum, das über eine kirchliche Veranstaltung weit hinausgeht. Über 2000 Einzelveranstaltungen widmen sich genauso der internationalen Politik wie dem Zusammenleben von Menschen in Familie und Gesellschaft. In Podien, Streitgesprächen, Vorträgen und Workshops gestalten prominente Referentinnen und Referenten mit viel Publikumsbeteiligung die Themen des Kirchentages.

Der Abschlussgottesdienst des 36. Deutschen Evangelischen Kirchentages  wird auf den Elbauen vor Wittenberg stattfinden: als Festgottesdienst.

Einheit und Vielfalt

Weil es Menschen geben wird, die zwar nach Wittenberg kommen wollen, aber nicht vorher am Kirchentag in Berlin teilnehmen, gibt es die Möglichkeit, unterwegs Station zu machen: Menschen aus Speyer und Garmisch-Partenkirchen, aus Flensburg und Görlitz sind unterwegs, wollen am 28. Mai auf den Elbwiesen vor der Lutherstadt Wittenberg miteinander Gottesdienst feiern, den Blick auf die seit dem Mittelalter unveränderte Silhouette gerichtet.

Sechs Kirchentagen auf dem Weg bieten Gelegenheit, Städte in Mitteldeutschland kennen zu lernen, eine alte Kulturlandschaft neu zu entdecken und die Gastfreundschaft der Menschen in der Region zu erleben. Beginnend mit einem ökumenischen Gottesdienst an Christi Himmelfahrt, der in allen Städten und auch beim Kirchentag in Berlin nach der gleichen Liturgie gefeiert wird, schließen sich jeweils eigene Programme an, die Traditionen und Geschichten vor Ort aufnehmen: So kann Musik, Kultur, Spiritualität in je eigenen Räumen und Zusammenhängen genossen werden. Bibelarbeiten, Vorträge, Diskussionsrunden, Führungen, Angebote für Familien und Kinder sowie herausragende Konzerte prägen die Programme in den verschiedenen Städten.

Menschen vor Ort machen Programm

Leipzig, Magdeburg, Erfurt, Jena/Weimar, Dessau-Roßlau und Halle/Eisleben verweisen auf ihre jeweils besondere Bedeutung als Lutherstätte oder wichtiges Zentrum der Reformationszeit. Sie bieten in den Tagen vor dem Festgottesdienst und dem Bürgerfest in Wittenberg in den eigenen Mauern ein buntes und vielfältiges Programm. Vorbereitet werden diese Programme von den Kirchengemeinden am Ort, regionalen Gruppen und kommunalen Einrichtungen.

In Leipzig bestimmen die Musik und der Klang der Freiheit das Programm, in Magdeburg sind es die Themen des reformatorischen Kommunikationszentrums. Erfurt zeigt seine ökumenischen Erfahrungen, etwa den Dialog mit Menschen jüdischen Glaubens. In Jena/Weimar wird die Gretchenfrage aus Goethes Faust gestellt, sind die Naturwissenschaften zum Gespräch geladen. Dessau-Roßlau rückt sein kulturelles Erbe – das Bauhaus, den Komponisten Kurt Weill  – ins Zentrum, Halle/Eisleben erinnert nicht nur an den Geburts- und Sterbeort Martin Luthers in Eisleben, sondern auch an die in Halle beheimateten Gegenspieler der Reformation.

Die Kirchentage auf dem Weg bieten nicht nur inhaltlich unterschiedlich gestaltete Stationen auf dem Weg nach Wittenberg an, sondern nehmen auch die Tradition der regionalen Kirchentage in der DDR auf.

Christof Vetter


Der Text ist ursprünglich erschienen bei der Arbeitsgemeinschaft Missionarische Dienste (AMD) als Studienbrief G 3.