„Hier ist nicht Mann noch Frau“

Recht auf Gleichbehandlung
ungeachtet sexueller Orientierung und Identität

Wichtige Begriffe

Generelles

Die Ordnung sexueller Orientierungen und Identitäten unter Begriffe wie "homosexuell" oder "transsexuell" empfinden manche Menschen als unpassend oder sogar diskriminierend - weil eben diese Begriffe auch dazu benutzt wurden und werden, um Menschen zu diffamieren. Statt in "Raster sortiert zu werden", möchten sie deshalb wahrgenommen und akzeptiert werden, und zwar als Menschen mit Geschlechtsmerkmalen, die andere Menschen attraktiv finden - so wie andere Menschen auch Geschlechtsmerkmale besitzen und sexuelle Bedürfnisse haben.

Nichtsdestotrotz tauchen im alltäglichen Sprachgebrauch Begriffe auf, mit denen man umgehen muss und deren Bedeutung man kennen sollte. Auch dieses Materialheft benutzt solche Begriffe, um über die unterschiedlichen sexuellen Orientierungen und Geschlechtsidentitäten überhaupt sprechen zu können. Mit den Begriffen verbunden sind allerdings auch immer politische Erklärungen, die in ihrer Bedeutung über das rein Sexuelle hinausgehen. Die Bezeichnungen sollen nicht suggerieren, dass sie universale Gültigkeit beanspruchen. In unterschiedlichen Regionen der Welt sind sehr unterschiedliche Begriffe gebräuchlich.

Bisexualität
Sich zu Frauen und Männern gleichermaßen hingezogen fühlen
Gay
Englisch für "schwul" oder "lesbisch"
Gender
Die Geschlechterrollen, die durch Kultur und Gesellschaft geprägt sind. Dazu kann zum Beispiel die Vorstellung gehören, dass Frauen sich gut um Kinder kümmern können, während Männer besser Geld verdienen sollten.
Geschlechtergerechte Sprache
Das Anliegen, mit Sprache sensibel umzugehen und Diskriminierung in Bezug auf Geschlechter zu vermeiden. Ein Beispiel: Von "Studierenden" sprechen statt von "Studenten" - wenn nicht nur Männer gemeint sind.
Geschlechtsidentität
Dieser Begriff beschreibt, wie jemand über seine eigene Geschlechtlichkeit spricht - zum Beispiel in Bezug auf sexuelle Vorlieben, Rollenbilder und biologische Merkmale. Jemand kann also zum Beispiel sagen: "Ich fühle mich als Mann, habe einen Penis und stehe auf Männer. Deshalb bezeichne ich mich auch als ,schwul'. Manchmal sagen Leute, ich hätte etwas Mütterlich-Weiches an mir". All das, was dieser Mann erzählt, macht seine Geschlechtsidentität aus.
Heteronormativität
Die Annahme, dass es zwei Geschlechter gibt, nämlich männlich und weiblich, und dass nur Männer und Frauen sich lieben und attraktiv finden dürfen. Diese Annahme schlägt sich in der Wahrnehmung, in Handlungen und im Denken nieder und stellt sie als Selbstverständlichkeit dar. Andere Formen der Sexualität und Geschlechtlichkeit gelten als "unnatürlich" und "nicht normal". Letztlich ist diese Annahme auch der Versuch, komplizierte Vorgänge in der Welt mit einfachen Schemata zu erklären.
Heterosexualität
ist eine sexuelle Orientierung, die sich auf das "andere" Geschlecht bezieht. Der Begriff beschreibt Frauen, die sich zu Männern hingezogen fühlen, und Männer, die sich zu Frauen hingezogen fühlen.
Homonationalismus
Die Vereinnahmung von LSBTI*-Forderungen für nationalistische Ziele, zum Beispiel, um eine restriktive Einwanderungspolitik zum Schutz sexueller Minderheiten zu legitimieren. Dazu gehören auch Formen von anti-muslimischem Rassismus und der Ausgrenzung von Queer-Menschen mit Migrationshintergrund.
Homophobie
Gegen lesbische und schwule Sexualität sein, Lesben und Schwule nicht akzeptieren oder sogar anfeinden. Oft bezeichnet "Homophobie" darüber hinaus die generelle Ablehnung jeglicher Liebe, die nicht zwischen Mann und Frau stattfindet.
Homosexualität
ist eine sexuelle Orientierung, die sich auf das "gleiche" Geschlecht bezieht. Der Begriff beschreibt Frauen, die sich zu Frauen hingezogen fühlen, und Männer, die sich zu Männern hingezogen fühlen.
Inter*
steht als Oberbegriff für alle, die aufgrund ihrer biologischen Merkmale und/oder Gene nicht in das typische zweiteilige Schema "Mann/Frau" passen, also zum Beispiel Babies, die bei der Geburt einen Penis und eine Scheide haben. Begriffe wie "Intersexualität" und "DSD" (Englisch für "Disorders of Sexual Development" - Geschlechtsentwicklungsstörung) lehnen Inter*-Menschen in der Regel ab, da sie Krankheiten bezeichnen.
LGBTI*/LGBTQ*/LSBTI*
Die Abkürzung LSBTI* steht für Lesben, Schwule, Bisexuelle, Trans*- und Inter*menschen. Das Sternchen soll alle weiteren Menschen einschließen, die mit ihrer sexuellen Orientierung oder Identität nicht der Annahme entsprechen, dass es nur zwei Geschlechter gibt (nämlich Mann und Frau) und dass nur zwischen diesen beiden Geschlechtern Liebe möglich ist und sein darf. Oft wird auch die englische Variante LGBTI* (Lesbian, Gay, Bisexual, Transsexual, Intersexual) oder LGBTQ* (Einschluss von Queer-Menschen) verwendet. Je nach Situation können Zeichen weggelassen oder hinzugefügt werden. Problematisch bleibt dabei, dass sich nicht alle Inter*- und Trans*menschen als Teil einer sexualitätsbasierten LSB-Emanzipationsbewegung verstehen. Außerdem fasst LSBTI* nur westliche Bezeichnungen zusammen, was Bevormundung und Uniformismus zur Folge hat. Andere lokale und indigene Selbstdefinitionen sind darunter nicht notwendigerweise erfasst.
Lesbisch sein
Frauen, die sich zu Frauen hingezogen fühlen
Queer
(von "to queer" - stören, sonderbar sein) Objekte, Handlungen oder Personen, die von der gesellschaftlich gesetzten Norm in ihrer Sexualität oder Identität abweichen. Der Begriff drückt auch die Überzeugung aus, dass der empfundene Zwang zur Heteronormativität aufgelöst und Menschen trotz unterschiedlicher sexueller Orientierung und Identität in Frieden leben können sollen. "Queer" wird heute oft synonym für LSBT*-Lebensweise generell verwendet.
Queers of Color
Queer-Menschen, die sich von der weißen Mehrheitsgesellschaft innerhalb der LSBTI*-Bewegung und deren als rassistisch empfundenen Dominanz abgrenzen wollen.
Sexuelle Orientierung
beschreibt, welches Geschlecht oder welche Geschlechter, Orte, Kleidung und Arten von Sexualität jemand attraktiv findet.
Schwul sein
Männer, die sich zu Männern hingezogen fühlen
Trans*
steht als Oberbegriff für Transsexuelle, Transgender, Transidente, Transvestiten und andere, die sich ihrem biologischen Geschlecht nicht zugehörig fühlen. Menschen mit männlichen Geschlechtsorganen, die sich wie Frauen fühlen, werden auch "Trans*frauen" genannt, Menschen mit weiblichen Geschlechtsorganen, die sich als Männer fühlen, heißen auch "Trans*männer". Trans*menschen können den Wunsch haben, ihre Geschlechtsorgane durch Hormone oder Operationen zu verändern.
Transphobie
Trans*menschen ablehnen oder sogar anfeinden


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Tag der Menschenrechte 2016

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    Materialsammlung „Hier ist nicht Mann noch Frau“ - Recht auf Gleichbehandlung ungeachtet sexueller Orientierung und Identität

Glossar

Oftmals tauchen im alltäglichen Sprachgebrauch Begriffe auf, mit denen man umgehen muss und deren Bedeutung man kennen sollte. Auch dieses Materialheft benutzt sie.