Hintergrund

Stimmen von LSBTI* weltweit

LSBTI*-Stimme aus Südafrika: Judith Kotzê, lesbisch, Pfarrerin der Dutch Reformed Church, Direktorin des Instituts "Inclusive and Affirming Ministries"

"Eigentlich sind alle LSBTI* in Südafrika durch das Gesetz geschützt, aber in der Gesellschaft muss noch viel passieren. Das Wissen über sexuelle Orientierungen und Geschlechtsidentitäten ist noch immer gering.
Am Verletzlichsten sind immer noch schwarze Lesben. Sie werden angegriffen und vergewaltigt. Weil ich weiß bin und zur Mittelklasse gehöre, bin ich persönlich als Lesbe besser geschützt als sie. Ein Privileg! […]
Es gibt hässliche Situationen: Menschen werden mundtot gemacht, marginalisiert und herabgewürdigt. Als Frau - und zusätzlich als Lesbe. Doch nichts ist vergleichbar mit der Brutalität von »korrigierenden Vergewaltigungen« bei schwarzen Lesben und schwarzen Transgender-Frauen, die wir in Südafrika erleben. […]
Die Kirche kann bei all dem ein hoffnungsvoller Zufluchtsort für LSBTI* sein. Aber meist ist sie ein Ort voller Verurteilungen, Homophobie, Transphobie und verbalem Missbrauch. Die Kirche ist beides: Lösung und Problem.

LSBTI*-Stimme aus Russland: Zhenya Dorofeeva, bigender, Freiwillige beim LSBTI*-Filmfest "Side by Side"

"Russland sieht sich als konservatives Land und Alternative zur westlich-liberalen Gesellschaft. Dazu gehört zwangsläufig auch die Ablehnung aller »fremden« Werte, zum Beispiel die Durchsetzung von LSBTI*-Rechten. Alle liberalen Medien, Politiker und Parteien, die das versuchen, werden unterdrückt und können bestraft werden. Auch das LSBTI*-Filmfest, bei dem ich mich engagiere, und einige NGOs wurden als »ausländische Agenten« verfolgt. Da die gesellschaftliche Meinung fast immer negativ zum homosexuellen Diskurs ist, hat die Polizei keine Motivation, Hass-Delikte zu untersuchen. So sind LSBTI* vom Staat quasi nicht geschützt. Die bestehenden Gesetze sind in erster Linie für den »Schutz« von Minderjährigen vor »Propaganda« gedacht. Homosexuelle Jungendliche sind besonders betroffen, weil sie keine objektiven Informationen und psychologische Unterstützung bekommen und keine Regenbogen-Veranstaltungen besuchen dürfen. […]
Mit dem steigenden Einfluss der orthodoxen Kirche verschlimmert sich die Lage von LSBTI*, weil die Kirche homosexuelle Beziehungen sehr negativ bewertet."

LSBTI*-Stimme aus Russland: Konstantin Sherstuyk, schwul

"Die Situation in Russland ist zurzeit ziemlich dramatisch. LSBTI* empfinden Druck seitens der Regierung und seitens der Gesellschaft. Man kann nicht sagen, was schlimmer ist - die politische beziehungsweise politisch-bedingte Homophobie oder die gesellschaftliche. LSBTI*-Aktivismus ist kaum möglich. Es gibt noch Hoffnung auf Veränderungen, aber diese Hoffnung wird immer kleiner. Insbesondere die Russisch Orthodoxe Kirche ist in der LSBTI*-Frage ein Gegner, weil sie Homophobie in Gesellschaft und Politik unterstützt, homophobe Projekte fördert und LSBTI*-Gegnern als Schutzschild dient."

LSBTI*- Stimme aus Ägypten: Ramy Youssef, queer person of color [siehe "Wichtige Begriffe"], in die Niederlande geflüchtet

"In Ägypten wurde ich körperlich angegriffen, weil ich Kleidung trug, die als »weiblich« gilt, also zum Beispiel Ohrringe, enge Jeans und lange Haare. Es wurde niemals wirklich brenzlich, trotzdem waren solche Situationen immer emotional sehr belastend. Mein schlimmstes Erlebnis war, als ich von drei Männern gejagt wurde. Sie hatten gesehen, wie ich mit einem Mann im Auto herumknutschte. Ich konnte entkommen, aber von da an riefen sie ständig bei meiner Familie an. Ich sei pervers, sagten sie. In den Niederlanden, wo ich jetzt lebe, wurde mir manchmal "homo-flicker" nachgerufen, was so viel wie »Tunte« bedeutet. […]
Vor den 1950er Jahren wurde Sexualität noch ganz anders bewertet. Ägypten war tolerant gegenüber Homosexuellen. Homosexualität war normal und wurde kaum verurteilt. Okay, sie war nicht so ein Thema, wie heute, aber sie wurde akzeptiert und toleriert. Auch Sex-Arbeit war legal zu der Zeit. […] Für die Situation jetzt können wir die Dominanz von Weißen nicht allein verantwortlich machen, aber wir können auch nicht ignorieren, dass Imperialismus und Jahre der Fremdherrschaft viele soziale Wracks hinterlassen haben.
In meinem Verständnis sieht das westliche Modell weiße Menschen als überlegen an. Es verbindet Homosexualität mit Kapitalismus - zum Beispiel über Gay Pride Paraden, die im Grunde nur noch kommerziell sind statt ein Symbol des Kampfes. Dieselbe Kultur steckt LSBTI* in feste Raster, obwohl sie das Gegenteil behauptet. Wir dürfen uns nicht als »queer« bezeichnen. Stattdessen müssen wir eines der verfügbaren Raster wählen. Das macht den LSBTI*-Kampf oberflächlich: Er geht nur um Sex, dabei sollte er um Kultur, Kunst und sozialen Fortschritt gehen. […]
Ich erinnere mich noch gut an die Zeit, als ich 17 war und verzweifelt wissen wollte, ob Gott mich noch lieb hat, wenn ich homosexuell bin. Ich ging zum Pfarrer und erzählte ihm davon. Und er sagte mir, das sei furchtbar und abscheulich. Aber wenn ich nur genug beten würde, würde meine Homosexualität wieder weggehen. Seitdem gehe ich nur noch selten in die Kirche. […]
In den Niederlanden, wo ich jetzt lebe, sind schwule Araber ein nationaler Fetisch. Sie werden benutzt, um die Bedürfnisse von weißen Schwulen zu befriedigen statt als unabhängige Menschen angesehen zu werden, die nicht Opfer sind, sondern Kämpfer. Sie benutzen uns als »LSBTI* Flüchtlinge«, um zu zeigen, wie wunderbar Europa ist und wie furchtbar unsere unterdrückerischen Heimatländer - ohne über unseren kulturellen Kontext, die Machtdynamiken und die Kolonialgeschichte zwischen Afrika und Europa nachzudenken."

LSBTI*-Stimme aus China: Ai Meng, schwul

"Mein Leben in China ist sehr schwierig, weil niemand über Homosexuelle reden möchte. Meine Eltern erwarten von mir, dass ich eine Frau heirate, obwohl jeder über meine sexuelle Orientierung Bescheid weiß."

LSBTI*-Stimme aus Taiwan: Xiao Chen, schwul

"Ein Coming out fühlt sich an, als würde man auf einer Klippe über dem Abgrund stehen: Wenn du einen Schritt machst, fällst du. Du musst dich entscheiden: Oben bleiben oder springen. Jedes Mal, wenn ich diesen Schritt mache, fühle ich mich, als würde ich in ein dunkles Loch fallen und niemals auf dem Boden ankommen. Das ist der Grund, warum ich solche Angst habe."

LSBTI*-Stimme aus Taiwan: Xu Ling, queer

"Mein Vater sagte mir, ich sei nicht normal. Er hat ein anderes Leben für mich vorgesehen und schickte mich deshalb zu verschiedenen Ärzten. Sie behandelten mich, als ob ich krank sei - dabei bin ich überzeugt, völlig gesund zu sein. Mein Vater sagte, er habe so viel Geld für mich ausgegeben, damit ich meinen Master mache. Und nun habe ich seine Erwartungen enttäuscht. Er denkt, dass Schwule auf jeden Fall Aids bekommen und sterben."

LSBTI*-Stimme aus der Türkei: Sertan Kiyan, schwul

"Vor kurzem wurde in der Türkei eine Trans*frau von mehreren Männern vergewaltigt und ermordet. Später verkohlten sie ihre Leiche. Das zeigt, wie die Situation hier ist. Die meisten Leute nehmen an, dass du heterosexuell bist. Solche Gedanken und Vorannahmen lassen nur sehr wenig Raum zum Atmen. Diese Ignoranz und das Unwillen, etwas über die Hintergründe der Situation zu erfahren, machen mich fertig. […]
Die Armenische Kirche ist ziemlich homophob, auch die Moscheen sind das in hohem Maß. Es wird lange Jahre dauern, das zu ändern. Sie sind aggressiv und sehen LSBTI* als Krankheit. Meistens reden sie dann von Sodom und Gomorra und benutzen religiöse Texte, um Homophobie und Transphobie zu rechtfertigen."

LSBTI*-Stimme aus Syrien: Khaled, geflüchteter LSBTI*-Aktivist

"In Syrien ist es ein Verbrechen, schwul zu sein. LSBTI* riskieren Gefängnisstrafen bis zu drei Jahren. Vor dem Krieg hat die Moralpolizei Homosexuelle angegriffen, wenn sie sich auf Plätzen versammelten, teilweise stürmten sie auch Privatparties von LSBTI*. Seit dem Kriegsbeginn ist die Situation komplizierter geworden: Bewaffnete islamische Gruppierungen und der »Islamische Staat« kontrollieren viele Gebiete in Syrien. Deshalb ist die Gefahr nun sehr viel größer: In diesen Gebieten werden LSBTI* umgebracht. […]
Die meisten Syrer sind Muslime, deshalb ist die wichtigste religiöse Institution die Moschee. Aber solange die Moscheen LSBTI* als Sünder sieht, kann ich in ihr keinen Wert sehen."

LSBTI*-Stimme: Javier Romero, Argentinien, bisexuell

"Argentinien hat 2010 als erstes Land in Lateinamerika ein Bundesgesetz verabschiedet, das eine komplette Gleichstellung der Ehe auch für gleichgeschlechtliche Partner vorsieht ("Ley de matrimonio igualitario"). Dieses Gesetz hat die Gesellschaft nachhaltig beeinflusst. Vor der Verabschiedung gab es eine große gesellschaftliche Debatte, durch die vielen Argentiniern erst bewusst wurde, was es bedeutet, homosexuell zu sein. In erster Linie ging es um eine Festlegung des rechtlichen Rahmens vor dem Hintergrund der Gleichstellung, unabhängig vom Geschlecht der Eheschließenden. Es entwickelte sich ein verstärktes Bewusstsein, dass als Basis einer ehelichen Gemeinschaft vorrangig die gegenseitige Liebe und Zuneigung ausschlaggebend sein sollten und weniger die sexuelle Orientierung der Beteiligten.

LSBTI*-Stimme aus Deutschland: Markus Raschka, Kassenführer der Landeskirchenkasse der Evangelisch-Lutherischen Landeskirche Sachsens, schwul

"Ich bin froh und glücklich, dass die Rechtslage in der Bundesrepublik mich schützt - bis hin zum Antidiskriminierungsgesetz, wenn auch leider noch nicht im Grundgesetz Art. 3.
Aus Richtung »Dresden montagabends« (Pegida) weiß ich nicht, ob nicht irgendwann in näherer Zukunft der § 175 StGB doch wieder eingeführt wird. Aus Richtung Ökumene - zum Beispiel das Frauenordinationsverbot, das Lettland gerade eingeführt hat, bei gleichzeitiger Ausweisung schwuler Pfarrer - wird mir himmelangst und bange. Aus Richtung sächsische Kirchgemeinden bin ich glücklich, dass ich in der Großstadt lebe, wo ich als Schwuler wirklich Christ sein darf. Ich kenne mehrere Kirchenvorsteher in kleinstädtischen oder Dorfgemeinden, die nach ihrem Comingout ihre Funktion aufgeben mussten - nicht per Verordnung, sondern gemobbt. Immer wieder erlebe ich, dass sich auch jetzt, 14 Jahre nach meinem Comingout, immer wieder und immer noch Freunde von früher - aktive Christen - abwenden, nicht verbal, aber spürbar emotional. Sie erleben offenbar eine tiefe Ratlosigkeit angesichts meines Lebensweges.
Aus Richtung kirchliche Rechtsordnung bin ich glücklich, dass ich ziemlich weit innen, aber nicht im Verkündigungsdienst bin, so dass mir keiner einen Maulkorb verpassen kann. Also predige ich Gottes Liebe für die Homosexuellen, nicht auf der Kanzel, sondern mit meinem Leben. Aber allgemein ist zu sagen: die sächsisch-kirchliche Rechtsordnung schützt mich nicht, sondern sieht mich als zu beseelsorgendes Objekt."

LSBTI*-Stimme aus Deutschland: Jouanna Hassoun, Projektleiterin LSVD-Zentrum für Migranten, Lesben und Schwule (MILES), keine Angabe zur Sexualität

"Aktuell gehören vor allem geflüchtete homosexuelle und transidente Menschen zu unserer Zielgruppe. Sie ist besonders schutzbedürftig, da sie auch nach ihrer Ankunft hier in Deutschland weiterhin homophoben Übergriffen ausgesetzt ist - in den Unterkünften, aber auch durch Sicherheitspersonal und SprachmittlerInnen.
Aber auch homosexuelle und transidente Menschen mit Migrationshintergrund leiden oft unter einem enormen gesellschaftlichen oder religiösen Druck, ein Doppelleben zu führen, nicht frei zu sein und in den äußersten Fällen durch die Familie von Gewalt oder Zwangsverheiratung betroffen oder bedroht zu sein.
Es ist keine Frage, dass die LSBTI*-Community in Deutschland besser dasteht als in vielen anderen Ländern. Sicher können homosexuelle Paare, vor allem in Berlin, weitgehend frei leben. Trotzallem gehören Diskriminierung und leider auch Gewalt zur Realität der LSBTI* in Deutschland. Auch auf gesetzlicher Ebene gibt es noch Luft nach oben zur Verbesserung (zum Beispiel Ehe für alle) und ebenso gibt es inzwischen genügend Länder, die uns in dieser Hinsicht deutlich voraus sind.
Menschen begründen ihre Homo- und Transphobie häufig durch Religion, hier ist es egal, ob sie muslimisch, christlich oder jüdisch sind. Die Kirchen haben die Möglichkeit, durch offene Unterstützung und Akzeptanz gegenüber der LSBTI*-Community, dieser Intoleranz entgegenzuwirken. Dies passiert leider nur sehr limitiert."

LSBTI*-Stimme aus Kamerun: Alice Nkom, Anwältin, heterosexuell, Preisträgerin des 7. Menschenrechtspreises von Amnesty International Deutschland

"Mein Aktivismus bringt mich in permanente Gefahr in der Kameruner Gesellschaft. Ich bin die einzige, deren Qualifikation als Menschenrechtsverteidigerin in Frage gestellt und bestritten wird, selbst von meinen Kollegen. […]
Die nationale Kommission für Menschenrechte tut sich nicht hervor und ihr Präsident bestärkt immer wieder homophobe Vorstellungen, indem er die Notwendigkeit, westlichem Druck standzuhalten herausstreicht. Er macht klar, dass sich der Westen über die Werte Afrikas erhebt, während er selbst afrikanische Werte wie Polygamie zurückweist.
Der Gesetzgeber zögert nicht, seine eigene Verfassung zu verletzen, verschiedenste Verfügungen legen das Primat internationaler Gesetze auf Eis. Ein Beispiel ist das Strafgesetz, in dem gleichgeschlechtlicher, einvernehmlicher Sex unter Erwachsenen immer noch zu finden ist - entgegen einem internationalen Abkommen, das Kamerun ratifiziert hat, und entgegen einer Resolution des Afrikanischen Komitees für Menschen- und Völkerrechte vom April 2014! […]
Mein erster großer Erfolg bisher: Dass ich es geschafft habe, das Tabu um Homosexualität zu brechen und es zu einem gesellschaftlichen Thema zu machen, indem ich die Legalisierung der "Vereinigung zur Verteidigung von Homosexualität" (ADEFHO) erkämpft habe. Am Ende einer langen Kampagne konnte ich den zuständigen Präfekten überzeugen, dass Rechte von sexuellen Minderheiten Menschenrechte sind, die geschützt werden müssen und dass er das als Repräsentant des Staates garantieren muss. […]
LSBTI* leben mit permanenter Ablehnung ihrer Vitalität. Sie können ihre Gefühle, ihre Liebe und ihre Lebensziele nicht ausdrücken. Sie leben in permanenter Angst und mit vielen Einschränkungen. Suizide passieren häufig. Einmal gab es einen Künstler, dessen Mutter nach seinem Tod erzählte, ihr Sohn sei deshalb schwul gewesen, weil er als kleines Kind vergewaltigt und traumatisiert worden sein. […]
Ich bin in einer stark presbyterianisch geprägten Familie aufgewachsen, aber ich gebe zu, dass ich die Kirche meide, seitdem ich zwei Mal bei Trauungen von Pastoren rausgeschmissen wurde. Sie verbreiteten ihre Homophobie und ihren Hass, indem sie mich "Homosex Champion" nannten. […]
Die Kirche ist stark homophob in Kamerun. Leitende Geistliche sind zurzeit die lautesten Unterstützer der Unterdrückung von LSBTI*. Wie ich schon in meiner Rede auf dem Kirchentag gesagt habe, sind zu meiner eigenen Überraschung, muslimische Geistliche in Kamerun freundlicher gegenüber LSBTI* als katholische oder protestantische. Ich habe muslimische Geistliche sagen hören, dass sie Gewalt gegen LSBTI* verurteilen.
Es ist an der Zeit, dass Kirchenpersonal es muslimischen Geistlichen gleichtut und Toleranz und vertrauensvollen Respekt fördert. Nichtsdestotrotz bleibt es eine Herausforderung, weil Kirche und Staat in Kamerun sehr eng verbunden sind.
Wir sind dabei, eine Datenbank für christliche Werte aufzubauen. Diese Arbeit könnte zu einer Universal-Beschreibung von »christlichen Werten« führen, die sicherstellen, dass Kirchen in jedem Land der Welt eine einheitliche Haltung übermitteln. So ein Projekt könnte eine mächtige Waffe gegen Homophobie und gegen das »unmoralische« und gesetzeswidrige Verhalten der Kirchenleitung in Kamerun und auf der ganzen Welt werden."

LSBTI*-Stimme aus Georgien: Giorgi Gotsiridze, Menschenrechtsaktivist, keine Angabe zur sexuellen Orientierung

"Am 17. Mai 2013 versuchten LSBTI*-Gruppen, den internationalen Tag gegen Homophobie und Transphobie zu feiern, aber Priester der Georgischen Orthodoxen Kirche verhinderten das Event. Sie und ihre Anhänger besetzten eine zentrale Straße in der Hauptstadt Tiflis. Die Polizei versuchte, die Leute der LSBTI*- Gegendemo zu evakuieren, und setzten sie in einen Bus. Aber der Mob warf Steine gegen den vollbesetzten Bus und fing noch am selben Tag an, LSBTI* zu jagen. Sie beschimpften und verprügelten alle, die Ohrringe trugen, weil sie sie mit der LSBTI*-Community in Verbindung brachten. Es war für die Polizei kaum möglich, den Mob zu kontrollieren, gefolgt von der Aufwiegelung durch die Kirchenleitung der GOC, die klargemacht hatte, dass sie LSBTI* nicht erlauben würden, den öffentlichen Raum zur Selbstdarstellung zu nutzen. […]
Schwule und Lesben versuchen, ihre wahre Identität zu verbergen. Sie fürchten ihre Jobs zu verlieren, wenn sie sich outen. Eltern stoßen ihre Kinder von zu Hause aus, wenn sie etwas von der sexuellen Orientierung ihres Kindes erfahren. Intoleranz, die von der Kirche gutgeheißen wird, zwingt LSBTI*, sich zu verschließen und eine heterosexuelle Maske zu tragen."

LSBTI*-Stimme aus Brasilien: Giselle Zeolla de Oliveira, bisexuell

"Es gibt sehr viel Intertoleranz in Brasilien, vor allem religiöse. Es ist ein sexistisches, bigottes Land, vor allem in Bezug auf Schwule. Aber auch Frauen, die sich wie Männer anziehen, leiden unter Vorurteilen und jeder kann unter Todesängsten leiden. Glücklicherweise habe ich persönlich nie solche extrem beschämenden Situationen erlebt, nur gemeine Kommentare von Freunden und misstrauische Blicke von deren Müttern."


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Tag der Menschenrechte 2016

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    Materialsammlung „Hier ist nicht Mann noch Frau“ - Recht auf Gleichbehandlung ungeachtet sexueller Orientierung und Identität

Glossar

Oftmals tauchen im alltäglichen Sprachgebrauch Begriffe auf, mit denen man umgehen muss und deren Bedeutung man kennen sollte. Auch dieses Materialheft benutzt sie.