„Modell und Motor einer weitergehenden Einheit der EKD“

Präsidium beschließt Grundsatzpapier zur Arbeit der UEK

6. September 2007

Hannover. Das Präsidium der Vollkonferenz der Union Evangelischer Kirchen in der EKD (UEK) hat die Grundlinien der künftigen Arbeit der UEK verabschiedet. Nachdem zum Jahresbeginn die so genannten Verbindungsverträge zwischen Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) und UEK, sowie zwischen EKD und Vereinigten Evangelisch-Lutherische Kirche Deutschlands (VELKD) in Kraft getreten sind, versteht sich die Union ausdrücklich als „Modell und Motor einer weitergehenden Einheit“ der EKD. Ziel der UEK sei es, „dass zwischen den Gliedkirchen und ihren Zusammenschlüssen an einer Verständigung darüber gearbeitet wird, wie die EKD als Kirche weiter qualifiziert werden und als Kirche agieren kann, ohne dass die konfessionelle Vielgestaltigkeit der Landeskirchen abgeschliffen wird“, heißt es in den am Mittwoch in Hannover verabschiedeten Grundlinien. Außerdem berief das Präsidium Professor Andreas Lindemann zum neuen Direktor der Evangelischen Forschungsakademie (EFA).

Überlegungen, nach denen die verbindliche Bekenntnisschrift der lutherischen Kirchen, die Confessio Augustana, künftig als gemeinsames Bekenntnis einer vereinigten EKD dienen könnte, wiesen die Mitglieder des UEK-Präsidiums zurück. Gerade vom Kirchenverständnis der Confessio Augustana aus sei „die Position zu bezweifeln, der explizite Rückbezug auf normative Bekenntnisschriften der Reformationszeit könne die EKD als Kirche stärken.“ Stattdessen sprach man sich dafür aus, den integrativen Lehrkonsens der Leuenberger Konkordie auch auf EKD-Ebene weiter zu entwickeln. In der „Verbindlichkeit des Verbindungsmodells“ zwischen UEK, EKD und VELKD soll die Union indes einen „weiteren Schritt vorwärts gehen“: Vor dem Hintergrund möglicher Fusionen bekenntnisverschiedener Landeskirchen in der EKD nimmt die UEK die Möglichkeit einer Doppelmitgliedschaft einer Landeskirche in UEK und VELKD in den Blick. Damit stelle sich auch die Frage, „ob der Gaststatus einer Kirche in der UEK innerhalb des Verbindungsmodells noch eine Zukunft hat“, heißt es in den Grundlinien. Derzeit sind die Oldenburgische und die Württembergische Kirche, sowie der Reformierte Bund Gäste der UEK.

Neue Impulse für eine theologische Verständigung zwischen UEK und VELKD erhofft sich die Union beispielsweise von der Arbeit an einer gemeinsamen Ordinationsagende. Modellcharakter hat aus Sicht der Union auch das Predigerseminar Wittenberg. Als gemeinsame Ausbildungsstätte für unierte, reformierte und lutherische Theologen aus fünf Landeskirchen könne es Beispiel werden für ähnliche Kooperationen in der EKD.

Zur „Förderung des geistlichen Lebens“ und vor dem Hintergrund des Aufbaus der Kirche von der Gemeinde her bekennt sich die UEK ausdrücklich zu den Berliner Bibelwochen. Die Tagungen, die sich an Gemeindeglieder und kirchliche Mitarbeiter richten, und seit Beginn des Jahres unter dem Dach der Evangelischen Akademie in Berlin fortgeführt werden, sollen „als einzigartiges Angebot in der Bundeshauptstadt EKD-weit bekannt“ gemacht werden.

Ebenfalls fördern will die Union weiterhin die wissenschaftlich-theologische Reflexion kirchlichen Handelns. Die Lehre vom christlichen Glauben, so die Grundlinien weiter, soll im Diskurs mit anderen Wissenschaften gehalten werden. In diesem Zusammenhang sei „zu wünschen, dass die Evangelische Forschungsakademie ihr Anliegen im weiteren Kontext der EKD zur Geltung bringt und weiter entwickelt“. Professor Andreas Lindemann wird sein Amt als neuer Direktor der EFA am 1. November antreten. 1943 in Leer geboren, studierte Lindemann Theologie in Tübingen und Göttingen. Zwei Jahre nach seiner Promotion im Jahr 1975 habilitierte er sich in Göttingen. Seit 1978 ist er Professor für Neues Testament in Bethel, seit 2004 Präsident der von Cansteinschen Bibelanstalt in Westfalen. Die EFA wurde 1948 mit dem Ziel gegründet, Wissenschaftler unterschiedlicher Fachrichtungen zusammenzuführen, um Entwicklungen in Wissenschaft und Gesellschaft zu diskutieren. Während der Teilung Deutschlands hat die Akademie Wissenschaftler aus Ost und West ins Gespräch gebracht. Im Vordergrund der Arbeit steht die Suche nach Strategien zur Gestaltung von Lehre, Bildung und Forschung in christlich-ethischer Verantwortung.

Das Präsidium der Vollkonferenz der UEK ist für alle Aufgaben verantwortlich, die nicht der Vollkonferenz vorbehalten sind. Insbesondere bereitet es die Sitzungen der Vollkonferenz vor, leitet sie und sorgt für die Ausführung der Beschlüsse. Vorsitzender des Präsidiums der Vollkonferenz ist Landesbischof Ulrich Fischer (Baden). Der UEK gehören folgende Mitgliedskirchen an: Anhalt, Baden, Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz, Bremen, Hessen-Nassau, Kurhessen-Waldeck, Lippe, Pfalz, Pommern, Ev.-reformierte Kirche, Rheinland, Kirchenprovinz Sachsen, Westfalen.

Anlagen
Theologische und kirchenpolitische Grundlinien der Union Evangelischer Kirchen in der EKD (PDF)