Von Weizsäcker: Klares Wort der Kirchen in Asylpolitik vermisst

Petition für eine humane, an Lebensrettung orientierte Flüchtlingspolitik

Rettungsschiff rettet Flüchtlinge im Mittelmeer

Das private Rettungsschiff „Sea-Watch-2“ bei seinem Einsatz zur Rettung von Flüchtlingen vor der libyschen Küste.

Berlin (epd). Die selbst in der evangelischen Kirche engagierte Publizistin Beatrice von Weizsäcker hat die christlichen Institutionen zu deutlicherem Einspruch gegen die Pläne in der europäischen Asylpolitik aufgefordert. „In der ganzen Debatte um die Flüchtlingspolitik habe ich oft ein klares Wort der Kirchen vermisst“, sagte die Tochter des früheren Bundespräsidenten Richard von Weizsäcker dem Evangelischen Pressedienst (epd).

Einzelne hätten sich verantwortungsvoll geäußert, sagte von Weizsäcker. „Was mir fehlte, war eine deutliche Stellungnahme des Rates der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) etwa zur Seenotrettung“, sagte die Juristin, die dem Präsidium des Deutschen Evangelischen Kirchentags angehört. „Menschen, die Flüchtlingen helfen, dürfen nicht kriminalisiert werden“, betonte sie.

Zusammen mit zwei Präsidiumskollegen, dem Europaabgeordneten Sven Giegold (Grüne) und dem Menschenrechtler Ansgar Gilster, hat von Weizsäcker eine Petition auf der Plattform change.org gestartet, in der eine humane, an Lebensrettung orientierte Flüchtlingspolitik gefordert wird. Adressiert sind ausdrücklich die Kirchen, die sich „mutiger, klarer und unmissverständlich“ äußern sollen. „Ganz viele Unterstützer der Petition, die sich bei uns melden, betonen insbesondere diesen Aspekt“, sagte von Weizsäcker und ergänzte: „Sie finden es wichtig, dass Christen klar Stellung beziehen, und vermissen das.“

Die Entwicklung in Deutschland sei besorgniserregend, sagte die Publizistin. Es gebe einen starken Zulauf zur AfD. „Das Bemühen in Bayern, dem entgegenzuwirken, kann man verstehen, über die Wahl der Mittel aber auch trefflich streiten“, sagte sie. Mit Sorge sehe sie, dass man der AfD nachlaufe – „allein schon sprachlich mit Worten wie ‚Asyltourismus‘ und ‚Flüchtlingswelle‘“. „Das sind Worte, die wir nicht gebrauchen sollten“, betonte von Weizsäcker. Nicht nur das christliche Bild vom Menschen, sondern auch die Menschenwürde nach Artikel eins des Grundgesetzes gerate „mehr und mehr aus dem Blick“.