Josef als Vorbild für die Väter

Christoph Kähler

Weihnachtswort

„Im Stall von Bethlehem geht es ganz einfach zu. Um die Krippe sind keine Prominenten ver­sammelt, keine Stars und Sternchen, sondern besorgte Eltern, hart arbeitende Hirten und heid­nische Ausländer. In diesem Jahr möchte ich besonders auf Josef eingehen. Er spielt in der Weihnachtsgeschichte keine Hauptrolle. Im Gegenteil, er ist und bleibt eine Randfigur. Aber wir können mit ihm einmal die Väter ins Licht unserer Aufmerksamkeit rücken.
 
Josef hat als Zimmermann gelernt, zuzupacken. Mit den Händen in den Hosentaschen herum­zustehen, war bestimmt nicht seine Sache. Bei der Geburt Jesu war er allein mit Maria im Stall. Er hat ihr geholfen, hat sich um die Krippe gekümmert, um Heu und Stroh, hat das Essen zubereitet, getan, was notwendig war.
 
Jedes Kind ist wie der Neugeborene im Stall zu Bethlehem der Zugluft ausgesetzt. Jedes Kind braucht neben der Mutter einen Vater, der sich kümmert. Es kommt den Kindern zugute, wenn sich Mutter und Vater gegenseitig den Rücken frei halten. So können sie sich einzeln oder gemeinsam Zeit nehmen für ihre Kinder.
 
Es wird selbstverständlicher, dass sich Väter um Kinder kümmern. Dass es noch nicht selbst­verständlich ist, merken wir gerade bei Trennungen. Von den 51.000 Alleinerziehenden in Thüringen sind nur rund acht Prozent Männer. Etwa ein Drittel der Väter zahlt für die Kinder keinen Unterhalt.
 
Wir alle können dazu beitragen, dass die Fürsorge der Väter selbstverständlicher wird. Wir können Männer an ihre Verantwortung für Kinder erinnern und sie ermutigen, sich auch nach Trennungen um die Kinder zu kümmern. Gefragt sind Männer aber nicht nur in der eigenen Familie. Gäbe es in den Grundschulen und Kindergärten unter den Lehr- und Erziehungskräf­ten mehr als nur die rund fünf Prozent Männer, würde das auch helfen, die Rolle der Männer bei der Kindererziehung als selbstverständlich zu begreifen. Hier sind gerade junge Männer gefragt, um der Kinder willen sich für Erziehungsaufgaben ausbilden zu lassen.
 
Josef war als Handwerker ein ganzer Mann. Er war aber auch ein Vater mit ganzem Herzen. Wir werden als Menschen gebraucht, das Nächstliegendste zu tun, auch wenn es eine unge­wohnte Aufgabe ist. Josef hat gespürt, dass Gott ihn gebraucht hat. Ich wünsche uns, dass wir das gelegentlich spüren: Gott braucht mich. Das ist die Stelle, an der ich gefragt bin, da ist ein Kind, das mich braucht.
 
So kann von uns Hoffnung ausgehen, Hoffnung, wie sie uns im Stall von Bethlehem begeg­net. Ich wünsche uns allen ein gesegnetes Weihnachtsfest.“