Berührende Momente bei #einfachheiraten
Lust zu heiraten? Kein Problem bei der Aktion #einfachheiraten: In ganz Deutschland bietet die evangelische Kirche am Schnapszahl-Datum 26.6.26 Gelegenheit zur Spontanhochzeit. Wie die Idee vor einigen Jahren entstand, erklärt Pfarrerin Elisabeth Görnitz.
Elisabeth Görnitz ist Pfarrerin in der evangelisch-reformierten Kirchengemeinde Stäfa-Hombrechtikon am Zürichsee in der Schweiz. Vor vier Jahren hat sie als Vikarin der bayerischen Landeskirche zur ersten #einfachheiraten-Aktion eingeladen, bei der sich Paare spontan segnen oder trauen lassen können. Mit Unterstützung der Segen.Servicestelle Bayern und Kirchenrat Michael Wolf wurde aus der Initiative eine landeskirchenweite Aktion. Sie findet seither jedes Jahr am jeweiligen Schnapszahl-Datum statt − in diesem Jahr ist das der 26.6.26. Neben der bayerischen beteiligen sich elf weitere Landeskirchen daran.
Sie haben am 11.11.22 als erste Pfarrerin in der bayerischen Landeskirche zur Aktion #einfachheiraten eingeladen. Wie kam das?
Elisabeth Görnitz: Als Vikarin habe ich auf einer Fortbildung das Konzept „Segen to go“ der Nordkirche kennengelernt, das hat mich sofort begeistert. Die Idee war auch schon von anderen in die bayerische Landeskirche getragen worden mit dem Ziel, am 23.3.23 die Aktion #einfachheiraten zu starten. Ich habe das dann für mein Vikariatsprojekt quasi als Pionierin in Neuburg an der Donau ausprobiert und meine Erkenntnisse an das Team weitergegeben.
Was waren denn Ihre wichtigsten Erkenntnisse?
Görnitz: Die unfassbare Spontanität der Menschen: Viele haben sich erst am Vorabend oder morgens, wenn sie es im Radio gehört haben, dafür entschieden. Ein Paar ist extra 100 Kilometer dafür gefahren. Natürlich braucht es Kirche vor Ort. Wir dürfen aber auch darauf vertrauen, dass die Leute bereit sind, einen Weg in Kauf zu nehmen, wenn das Angebot attraktiv ist.
Außerdem haben wir gesehen, dass viele Paare zwar heiraten wollen, ein großes Fest ihnen aber zu aufwendig und auch zu teuer ist. Bei #einfachheiraten bekommt man mit dem Segen das, was einem wichtig ist, ohne den ganzen Aufwand. Ich habe mittlerweile schon viele Trauungen gefeiert, aber die berührendsten Momente habe ich immer bei #einfachheiraten erlebt. Das liegt an der Nähe und Intimität, die vielleicht bei einer Hochzeit mit 100 Gästen nicht in dem Maße entstehen kann.
„Menschen heute haben eine große Sehnsucht nach echtem Erleben.“
Die Schnapszahl-Daten für #einfachheiraten reichen noch bis 30.3.2030. Hätten Sie einen Tipp für die Zeit danach?
Görnitz: Grundsätzlich ist die Schnapszahl ein Hingucker und gut für Publicity, aber das Konzept funktioniert auch ohne besonderes Datum. Neben #einfachheiraten kann ich mir auch Tauffeste für Erwachsene vorstellen. Viele Eltern wollen ihren Kindern die Entscheidung selbst überlassen − dafür braucht es dann aber später auch Gelegenheiten.
Außerdem glaube ich, dass Menschen heute eine große Sehnsucht nach echtem Erleben haben, in Abgrenzung zu den künstlichen Bildern, Klängen, Texten und Inszenierungen der KI. Wenn wir Räume öffnen für gemeinsame, handyfreie Begegnungen und Gespräche − vom Tanzabend bis zur Lesekirche − können wir viele ansprechen.
Interview: Susanne Schröder (epd)