Archiv 2011

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Energie für das Leben

Eckpunkte eines zukunftsfähigen Energiekonzepts für Deutschland

25 Jahre nach Tschernobyl zeigt Fukushima erneut die nicht beherrschbaren Risiken der Atomenergie. Die Atomenergie ist keine Brücke in die Zukunft. Gleichzeitig untergräbt der Klimawandel das Recht von Millionen Menschen und künftiger Generationen auf ein menschenwürdiges Leben.
Als Christinnen und Christen setzen wir uns dafür ein, den konsequenten Ausstieg aus der Atomenergie mit einem ebenso konsequenten Einstieg in eine klimaschonende Energieversorgung zu verbinden. Deutschland steht in der Verantwortung, seine Treibhausgasemissionen um mindestens 40% bis 2020 und um 95% bis 2050 zu reduzieren. Deutschland kann international zum Vorreiter eines neuen Wohlstandsmodells werden.
Wir fordern die Bundesregierung auf, ein zukunftsfähiges Energiekonzept zu beschließen und dabei folgende Eckpunkte umzusetzen:
Schnellstmöglicher Ausstieg aus der Atomenergie:
Die derzeit abgeschalteten acht AKWs werden aufgrund ihrer Sicherheitsrisiken endgültig vom Netz genommen. Die verbleibenden Reaktoren werden schnellstmöglich (spätestens bis 2017) stillgelegt. Wir sprechen uns gegen AKWs im Standby-Betrieb und gegen die Übertragung von Restlaufzeiten auf verbleibende Kraftwerke aus. Mit der ergebnisoffenen Erkundung mehrerer Endlagerstandorte muss unmittelbar begonnen werden.
Keine neuen Kohlekraftwerke: Es wird gesetzlich geregelt, keine weiteren Kohlekraftwerke zu bauen, da dies mit den Klimaschutzzielen nicht vereinbar ist. Gaskraftwerke mit Wärmenutzung und dezentrale Kraft-Wärme-Kopplung ermöglichen den Übergang zu 100 % erneuerbaren Energien. Dies darf jedoch nicht Anlass sein, das risikoreiche, umweltschädliche Verfahren der unkonventionellen Erdgasgewinnung voranzutreiben.
Die erneuerbaren Energien zielstrebig ausbauen: Für den schnellen Ausbau der notwendigen Infrastruktur auf der Basis intelligenter Netze und verbrauchsnaher Erzeugung muss die Grundlage geschaffen und die Berücksichtigung sozialer und ökologischer Kriterien gewährleistet werden.
Den Energieverbrauch senken: die Energieeffizienz muss um mindestens 2,5 – 3 % Prozent pro Jahr steigen. Alle Sektoren brauchen einen Energie-Spar-Check. Für Energiesparmaßnahmen müssen Finanzierungsmöglichkeiten bereitgestellt und ordnungsrechtliche Maßnahmen ergriffen werden.
Klimaschädliche Subventionen abbauen: Umweltschädliche Subventionen, z. B. Dienstwagenbesteuerung, sollten abgebaut werden. Die frei werdenden Mittel können zur Finanzierung der Energiewende beitragen.
Den Wandel sozial und ökonomisch vernünftig gestalten: Die Energiewende ist eine Chance für Deutschland. Um Härten des Übergangs abzumildern, müssen einkommensschwache Haushalte entlastet werden. Wettbewerbsnachteile bei energieintensiven, exportorientierten Unternehmen müssen vermieden werden.
Die Gesellschaft beteiligen: Die Energieversorgung der Zukunft ist ein gesamtgesellschaftliches Projekt und kann nur gelingen, wenn Politik und Gesellschaft es gemeinsam umsetzen und weiter entwickeln. Die notwendigen Rahmenbedingungen müssen in einem Klimaschutzgesetz verankert werden.
Die EU verpflichtet sich zum 30% Klimaschutzziel: Die Bundesregierung muss sich dafür einsetzen, dass die EU sich in diesem Jahr verpflichtet, ihre Emissionen bis 2020 um mind. 30 % (heimisch) und bis 2050 um 95 % zu reduzieren (Basis 1990). Dies ist eine notwendige Vorbedingung für ein neues Weltklimaabkommen.
Die Energiewende international umsetzen: Deutschland darf nicht mit Hermesbürgschaften oder anderen Maßnahmen die Nutzung der Atomenergie oder den Bau von Kohlekraftwerken im Ausland fördern. Darüber hinaus muss Deutschland seine internationalen Zusagen für Entwicklungs- und Klimafinanzierung einhalten.
„Energie für das Leben“: Wir Teilnehmenden des Kirchentages sind bereit, uns an der Entwicklung und Umsetzung der Energiewende zu beteiligen. Ein neuer, maßvoller Umgang mit Energie und ein nachhaltiger Lebensstil sind dafür grundlegend. Hierfür setzen wir uns in unserem Alltag und Umfeld ein.


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Publikationsdatum dieser Seite: Dienstag, 18. Mai 2021 16:31