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Indikatoren zu den Millenniumsentwicklungszielen für Kommunen

Die Forschungsstätte der Evangelischen Studiengemeinschaft e.V. (FEST) in Heidelberg hat im Auftrag der Stadt Bonn ein kommunales Indikatorensystem entwickelt, aus dem erkennbar wird, ob und inwieweit eine Kommune zur Erreichung der Millenniumsentwicklungsziele (Millennium Development Goals, MDG) beitragen kann. Nahezu ein Viertel der im Rahmen der Erstellung des Indikatorensystems befragten Bonner Bürgerinnen und Bürger hat von den Millenniumsentwicklungszielen schon einmal gehört, aber nur 2,5 Prozent weiß auch, um welche Ziele es dabei geht. Drei Viertel der Befragten allerdings haben noch nie etwas von MDGs gehört.

Angesichts der Tatsache, dass zurzeit weltweit über 50 Prozent der Menschen in Städten le-ben und dieser Anteil bis 2050 noch weiter ansteigen wird, können und müssen die Kommu-nen als wichtige Akteure zur Förderung einer nachhaltigen Entwicklung vor Ort beitragen. Im Einzelnen wurden folgende Indikatoren für das Indikatorensystem ausgewählt: Bekanntheitsgrad der Millenniumsentwicklungsziele, CO2-Emissionen pro Einwohner/in, Restmüll- und Sperrmüllaufkommen pro Einwohner/in, fair gehandelter Kaffee pro Einwohner/in, Papierverbrauch und Recycling-Papieranteil in der kommunalen Verwaltung, Hausdruckerei und Schulen sowie kommunale Ausgaben für fair gehandelte Produkte, Kenntnis und Nutzung von Fair Trade-Fußbällen und nachhaltige Beschaffungspraxis in Vereinen, Anzahl der öko-zertifizierten Unternehmen, Summe der laufenden kommunalen Ausgaben für das Eine-Welt-Engagement, Anteil der Frauen an den gewählten Mandatsträgern in der Kommunalpolitik. Die Indikatoren enthalten jeweils eine genaue Erläuterung und Definition, den Bezug zu den Millenniumsentwicklungszielen und Zielvorgaben sowie ein Diagramm der jeweiligen Ent-wicklung. Die Ergebnisse der für die Erstellung des Indikatorenleitfadens durchgeführten Befragungen von Bonner Bürgerinnen und Bürger sind bemerkenswert. Neun von zehn der befragten Bonner Bürgerinnen und Bürgern sehen die Industrieländer in der Verantwortung die Entwicklungsländer bei der Erreichung der Millenniumsentwicklungsziele umfassend zu unterstützen. Noch fast zwei Drittel der Befragten glauben überdies, selbst einen Teil zur Erreichung der Millenniumsentwicklungsziele beitragen zu können. Dahingegen sieht nur rund ein Viertel hauptsächlich die Entwicklungsländer in der Verantwortung, die Millenniumsentwicklungsziele zu erreichen. Sortiert nach dem, was die Bonner selbst für wichtig bzw. sehr wichtig halten, um die Millenniumsentwicklungsziele zu erreichen, steht an erster Stelle ein erhöhtes Engagement von Bonner Unternehmen für Nachhaltigkeit, gefolgt von der Verringerung der CO2-Emissionen, der Verminderung des Abfallaufkommens und der Steigerung des Bekanntheitsgrades der Millenniumsentwicklungsziele in Bonn. Mit dem jetzt erschienenen Anwenderleitfaden „Indikatoren zu den Millenniumsentwicklungszielen (Millennium Development Goals) für Kommunen“ soll es auch anderen Kommunen möglich sein, das Indikatorensystem einzusetzen.

Über die Millenniumsentwicklungsziele

Die Millenniumsentwicklungsziele, im Jahr 2000 von den Staats- und Regierungschefs und dem ehemaligen UN-Generalsekretär Kofi Annan formuliert, richten sich konkret gegen die Bedrohung von Menschenleben durch Hunger, Armut, Krisen und Umweltveränderungen. Mit der Millenniumserklärung, aus der später die Millenniumsentwicklungsziele (MDGs) ab-geleitet wurden, gab sich die Weltgemeinschaft ein Arbeitsprogramm, zu dem sowohl Entwicklungsländer als auch Industriestaaten gleichermaßen beitragen sollen. Hier können Städte und Gemeinden in Europa selbst vielfältig aktiv werden. Die MDGs wurden durch acht Hauptziele mit insgesamt 20 Unterzielen konkretisiert und mit 60 Indikatoren verknüpft. Die Hauptziele sind (1) die Beseitigung der extremen Armut und des Hungers, (2) die Verwirklichung der allgemeinen Grundschulbildung, (3) die Förderung der Gleichstellung der Geschlechter und Ermächtigung der Frau, (4) die Senkung der Kindersterblichkeitsrate, (5) die Verbesserung der Gesundheit von Müttern, (6) die Bekämpfung von HIV/Aids, Malaria und anderen Krankheiten, (7) die Sicherung der ökologischen Nachhaltigkeit und (8) der Aufbau einer weltweiten Entwicklungspartnerschaft. Diese Ziele sollen bis 2015 verwirklicht werden. Bis auf einzelne Fortschritte etwa bei der Armut und der Trinkwasserversorgung ist die (Zwischen-)Bilanz zur Erreichung der MDGs eher ernüchternd.

 Die Broschüre kann zum Stückpreis von 4,00 Euro bei der FEST in Heidelberg unter volker.teichert@fest-heidelberg.de bestellt werden.

Ansprechpartner
Dr. Volker Teichert
Dipl.-Volksw. Benjamin Held
Forschungsstätte der Ev. Studiengemeinschaft e.V. (FEST)
- Institut für interdisziplinäre Forschung -
Tel.: 06221/91 22 - 0
Fax: 06221/16 72 57
E-Mail:  benjamin.held@fest-heidelberg.de // volker.teichert@fest-heidelberg.de
Internet: www.fest-heidelberg.de

Mobilität

Für die Deutschen Aktionstage der Nachhaltigkeit im Juni 2014 stehen vielfältige Aktionsmöglichkeiten für die Arbeit in Kirchengemeinden und kirchlichen Einrichtungen und Gruppen zur Verfügung.

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Publikationsdatum dieser Seite: Montag, 28. Januar 2019 21:46