Bioethik, Biotechnologie und Gentechnik

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Kirchliche Umweltbeauftragte gegen Paprika-Patent

Die Arbeitsgemeinschaft der Umweltbeauftragten in der EKD (AGU) und der Beauftragte des Rates der EKD für Umweltfragen wenden sich entschieden gegen das am 8.5. erteilte Patent auf Paprika-Pflanzen. „Erneut hat das Europäische Patentamt (EPA) eine Pflanze aus herkömmlicher Zucht patentiert. Und dies, obwohl Patente auf Pflanzensorten und biologische Zuchtverfahren nicht zulässig sind,“ so Gudrun Kordecki vom Institut für Kirche und Gesellschaft (IKG) und Mitglied im Vorstand der AGU. Das Patent hat zudem eine große Reichweite: Vom Samen bis zur Chilischote, sogar das Wachsen und Ernten der Paprika ist im Patent geschützt.

Die AGU kritisiert, dass im deutschen Patentgesetz Nutzpflanzen und Nutztiere noch immer nicht von der Patentierung ausgeschlossen werden. Obwohl sich alle Parteien des Deutschen Bundestages schon 2012 für ein Verbot derartiger Patente ausgesprochen haben, wurde nicht gehandelt. Eine entsprechende Resolution des Europäischen Parlaments hatte auf EU-Ebene ebenfalls keine Konsequenzen. Dies führt dazu, dass weiterhin Patente auf Pflanzen und Tiere erteilt werden.

Die EKD hatte 2012 in einer Studie darauf hingewiesen, dass Biopatente zu Monopolisierungstendenzen auf dem Saatgutmarkt beitragen. Insbesondere in den Entwicklungsländern können hierdurch lokale Pflanzensorten verdrängt werden und Bauernfamilien den Zugang zu nichtpatentiertem Saatgut verlieren. Wenn Bauern sich die Kosten für patentiertes Saatgut nicht leisten können, kann dies Auswirkungen auf die Sicherung der Ernährung und damit auf die Wahrnehmung des Menschenrechtes auf Nahrung haben. Daher empfiehlt die EKD-Studie, statt der Biopatentierung das klassische Sortenschutzrecht anzuwenden: „Das klassische Sortenschutzrecht weist im Vergleich zum Patentrecht ein höheres Potenzial auf, den Interessen von Kleinbauern, der ländlichen Entwicklung und dem Erhalt der Agrobiodiversität zu dienen. Hierdurch wird der Schutz traditionellen Wissens gewährleistet und die Sicherung der Ernährung verbessert.“

Die Evangelische Akademie Villigst veranstaltet vom 21.-23.6. in Schwerte eine Tagung zu dieser Problematik. Dabei soll in einem konstruktiven Dialog über Patente auf Pflanzen und Tiere ausgelotet werden, welche Reformen des Patentwesens dazu beitragen könnten, die Risiken für die Ernährungssicherung durch Biopatente zu reduzieren.

Kontakt:
Christa Martens
Fon: 02304 755 332
Email: christa.martens@kircheundgesellschaft.de

Tagung:
„Die Erde ist des Herrn - Die Kontroverse um Biopatente und Ernährungssicherung“
21. bis 23.6.2013
Evangelische Akademie Villigst
http://www.kircheundgesellschaft.de/veranstaltungen

EKD-Studie:
„Die Erde ist des Herrn und was darinnen ist. Biopatente und Ernährungssicherung aus christlicher Perspektive“
EKD-Texte 115
http://www.ekd.de/download/ekd_texte_115.pdf

Informationen zu dem Patent auf Paprika
http://www.no-patents-on-seeds.org/de/information/patente/insekten-resistente-pflanze

"Keine Gentechnik auf Kirchenland"

Die Kampagne "Keine Gentechnik auf Kirchenland" der kirchlichen Umweltbeauftragten führte zu zahlreichen Beschlüssen zum Umgang mit der Gentechnik auf kirchlichem Pachtland. Die jeweils aktuelle Beschlusslage aus EKD und Landeskirchen wird im folgenden dargestellt. 

Arbeitshilfe Grüne Gentechnik

Nach wie vor werden in Deutschland und Europa kaum gentechnisch veränderte Pflanzen angebaut. Global gesehen nimmt der Anbau jedoch weiter zu. Meldungen über Probleme für Landwirte, die Umwelt und die Gesundheit weisen auf Nachteile des großflächigen Anbaus dieser Pflanzen hin. "In Gentechnisch veränderte Pflanzen - Eine Betrachtung aus kirchlicher Sicht" wird der Sachstand zu gentechnisch veränderten Pflanzen und die Position der Evangelischen Kirche von Westfalen dargestellt.  

Vielfalt säen - Freies Saatgut erhalten

80 Prozent der Lebensmittel auf der Welt werden von Kleinbauernfamilien angebaut, die nur eine kleine Ackerfläche und geringe technische Ausstattung zur Verfügung haben. Die Arbeit dieser Bauernfamilien ist von unschätzbarem Wert für den Großteil der Welternährung und den Erhalt der biologischen Vielfalt. Die vielen Kleinbauern und Kleinbäuerinnen benötigen dafür freien Zugang zu Saatgut. Wer kein Saatgut hat oder wem das freie Saatgut genommen wird, der kann sich nicht selbst ernähren und gerät in Abhängigkeit von Saatgutkonzernen ‒ mit verheerenden Folgen. Doch die internationale Agrarindustrie versucht seit längerem und zunehmend erfolgreich, den Saatgutmarkt zu kommerzialisieren.
 

Zellux.net

Stammzellen im Schlaglicht von Forschung, Medizin, Kirche, Ethik und Recht  

Next Generation

Das Institut für Kirche und Gesellschaft bietet unter dem Titel "Next GENeration?!" zwei Veranstaltungen zum Themenkomplex Gentechnik, Klonieren und genetische Auslese an. Das innovative Programm ist sowohl auf den Lehrstoff zum Themenkomplex Genetik und Ethik, als auch auf die besonderen Lernbedürfnisse junger Erwachsener abgestimmt. Die Veranstalterinnen und Veranstalter legen dabei besonderen Wert auf die Verknüpfung von Fachwissen und Erfahrungswissen sowie darauf, Freiräume zu schaffen, um die Entwicklung eines persönlichen Standpunktes zu fördern. Die Angebote "Diskurs" und "Kreativ" werden in Flyern näher vorgestellt.


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Publikationsdatum dieser Seite: Mittwoch, 11. Juli 2018 22:22