Bioethik, Biotechnologie und Gentechnik

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Zwischen Landwirtschaft und Industrie

Diskussionspapier der Nordkirche zu Tierhaltung in Mecklenburg-Vorpommern

Mit einem Diskussionspapier zu Bedingungen und Auswirkungen landwirtschaftlicher Tierhaltung in Mecklenburg-Vorpommern will die Evangelisch-Lutherische Kirche in Norddeutschland (Nordkirche) den gesellschaftlichen Diskurs zu dem Thema fördern. Die soeben erschienene Broschüre „Zwischen Landwirtschaft und Industrie – Diskussionshilfe zur Tierhaltung am Beispiel der Situation in Mecklenburg-Vorpommern“ biete einen Diskussionsraum an für Landwirte und ihre Familien, für Produzenten und Verbraucher, für politisch Verantwortliche und zivilgesellschaftliche Initiativen, so Landesbischof Gerhard Ulrich in einem Geleitwort: „Aus zahlreichen Begegnungen wissen wir, in welch schwieriger Situation sich viele Betriebe derzeit befinden. Gemeinsam mit den Landwirten wollen wir hier für eine gute Verbindung von Wirtschaftlichkeit und Bewahrung der Schöpfung, von Nutztierhaltung und Tierschutz eintreten.“

Versachlichung der Diskussion um die Nutztierhaltung notwendig

Hintergrund sind der fortschreitende Strukturwandel in der Landwirtschaft und die damit verbundenen Herausforderungen für Produzenten und Konsumenten. „In Mecklenburg-Vorpommern haben errichtete oder geplante große Stallbauten in ländlichen Regionen Diskussionen und Konflikte ausgelöst“, sagt der Agraringenieur Ulrich Ketelhodt, Fachreferent für Landwirtschaft und Ernährung beim Kirchlichen Dienst in der Arbeitswelt (KDA) der Nordkirche und Mitverfasser der Broschüre. „Angesichts dessen ist eine Versachlichung der Diskussion um die landwirtschaftliche Nutztierhaltung Voraussetzung für Konsequenzen und nachhaltige Lösungen.“

In der 59-seitigen Broschüre werden aktuelle Themenfelder der Tierhaltung behandelt und eigene Positionen zur Diskussion gestellt. Dabei geht es um schöpfungstheologische Argumente ebenso wie um Tiergemäßheit, Ökologie, Gesundheit und Ökonomie. Darüber hinaus wurden vier Organisationen aus Landwirtschaft und Tierschutz um Kommentare zu dem von der Nordkirche verantworteten Haupttext gebeten: der Bauernverband Mecklenburg-Vorpommern, der Landesverband Mecklenburg-Vorpommern des Bundes für Umwelt und Naturschutz BUND, der Agrarausschuss des Landjugendverbandes Schleswig-Holstein e.V. und der bundesweite Tierschutzverband „PROVIEH Verein gegen tierquälerische Massentierhaltung e.V.“. Ihre Stellungnahmen sind im Schlussteil der Broschüre abgedruckt.

„So finden auch unterschiedliche Standpunkte Raum in der Diskussionshilfe der Nordkirche“, betont Ulrich Ketelhodt. „Statt in Richtig oder Falsch einzuteilen, soll das Diskussionspapier Anregungen für notwendige Debatten geben.“ Im Blick sei dabei auch die Mitverantwortung, die Verbraucher für Tierwohl, Arbeitsbedingungen und Einkommen in der Landwirtschaft sowie in den verarbeitenden Betrieben haben. Grundlage sind Ausführungen über das Tier aus schöpfungstheologischer Perspektive.

Der Anstoß zu dieser Diskussionshilfe kam aus der früheren Mecklenburgischen Landeskirche, kurz bevor 2012 die Nordkirche gegründet wurde. Eine interdisziplinäre Redaktionsgruppe aus Pastoren, Landwirten und Wissenschaftlern wurde mit der Erarbeitung der Schrift beauftragt. Für einige Themen wurde zusätzliche Expertise eingeholt. Gegenwärtig wird das Heft allen Kirchengemeinden der Nordkirche sowie Landwirten und politischen Gesprächspartnern zur Verfügung gestellt. In den nächsten Monaten sind thematische Veranstaltungen dazu im Bereich der Nordkirche sowie Gespräche mit Fachverbänden geplant.

Hintergrund:

Die 2012 gegründete Evangelisch-Lutherische Kirche in Norddeutschland (Nordkirche) pflegt einen engen Kontakt mit Landwirten. Regelmäßig finden Begegnungen mit Vertretern der Bauernverbände und Landwirten statt. Zahlreiche Landwirte und ihre Angehörigen engagieren sich in ihren Kirchengemeinden und in anderen Arbeitsbereichen der Nordkirche. Pastorinnen und Pastoren begleiten Landwirte und ihre Familien.

Die Broschüre kann kostenlos bezogen werden bei:

Kirchlicher Dienst in der Arbeitswelt
Gartenstr. 20,
24103 Kiel
Tel.: 0431 55779-418
E-Mail: ulrich.ketelhodt@kda.nordkirche.de
Download: www.kda.nordkirche.de/tierethik

"Keine Gentechnik auf Kirchenland"

Die Kampagne "Keine Gentechnik auf Kirchenland" der kirchlichen Umweltbeauftragten führte zu zahlreichen Beschlüssen zum Umgang mit der Gentechnik auf kirchlichem Pachtland. Die jeweils aktuelle Beschlusslage aus EKD und Landeskirchen wird im folgenden dargestellt. 

Arbeitshilfe Grüne Gentechnik

Nach wie vor werden in Deutschland und Europa kaum gentechnisch veränderte Pflanzen angebaut. Global gesehen nimmt der Anbau jedoch weiter zu. Meldungen über Probleme für Landwirte, die Umwelt und die Gesundheit weisen auf Nachteile des großflächigen Anbaus dieser Pflanzen hin. "In Gentechnisch veränderte Pflanzen - Eine Betrachtung aus kirchlicher Sicht" wird der Sachstand zu gentechnisch veränderten Pflanzen und die Position der Evangelischen Kirche von Westfalen dargestellt.  

Vielfalt säen - Freies Saatgut erhalten

80 Prozent der Lebensmittel auf der Welt werden von Kleinbauernfamilien angebaut, die nur eine kleine Ackerfläche und geringe technische Ausstattung zur Verfügung haben. Die Arbeit dieser Bauernfamilien ist von unschätzbarem Wert für den Großteil der Welternährung und den Erhalt der biologischen Vielfalt. Die vielen Kleinbauern und Kleinbäuerinnen benötigen dafür freien Zugang zu Saatgut. Wer kein Saatgut hat oder wem das freie Saatgut genommen wird, der kann sich nicht selbst ernähren und gerät in Abhängigkeit von Saatgutkonzernen ‒ mit verheerenden Folgen. Doch die internationale Agrarindustrie versucht seit längerem und zunehmend erfolgreich, den Saatgutmarkt zu kommerzialisieren.
 

Zellux.net

Stammzellen im Schlaglicht von Forschung, Medizin, Kirche, Ethik und Recht  

Next Generation

Das Institut für Kirche und Gesellschaft bietet unter dem Titel "Next GENeration?!" zwei Veranstaltungen zum Themenkomplex Gentechnik, Klonieren und genetische Auslese an. Das innovative Programm ist sowohl auf den Lehrstoff zum Themenkomplex Genetik und Ethik, als auch auf die besonderen Lernbedürfnisse junger Erwachsener abgestimmt. Die Veranstalterinnen und Veranstalter legen dabei besonderen Wert auf die Verknüpfung von Fachwissen und Erfahrungswissen sowie darauf, Freiräume zu schaffen, um die Entwicklung eines persönlichen Standpunktes zu fördern. Die Angebote "Diskurs" und "Kreativ" werden in Flyern näher vorgestellt.


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Publikationsdatum dieser Seite: Donnerstag, 29. November 2018 23:53