Christliche Kirche über alle Grenzen hinweg

Internationale Ökumene

Menschengruppe steht im Kreis mit Puzzleteilen in den Händen.

Der Ökumenische Rat der Kirchen (ÖRK) ist unter den zahlreichen Organisationen, deren Ziel die Einheit der Christen ist, die umfassendste und repräsentativste. Die EKD zählt zu den aktuell 348 Mitgliedskirchen. Zu ihnen gehören fast alle orthodoxen Kirchen, viele protestantische, wie Anglikaner, Baptisten, Lutheraner, Methodisten und Reformierte, sowie viele vereinigte und unabhängige Kirchen.

Sie repräsentieren mehr als 500 Millionen Christinnen und Christen weltweit. Die römisch-katholische Kirche ist kein Mitglied, arbeitet aber eng mit dem in Genf ansässigen Rat zusammen. Während 1948 die Gründungsmitglieder, wie die EKD, vorwiegend aus Europa und Nordamerika stammten, kommen die heutigen Mitgliedskirchen hauptsächlich aus Afrika, Asien, der Karibik, Lateinamerika, dem Nahen und Mittleren Osten sowie dem pazifischen Raum.

Suche nach Gerechtigkeit und Frieden

Immer wieder setzt der Weltkirchenrat besondere Schwerpunkte: die Dekade zur Überwindung von Gewalt (ab 2001), die Dekade „Kirchen in Solidarität mit den Frauen“ (ab 1988), den konziliaren Prozess für Gerechtigkeit, Frieden und Bewahrung der Schöpfung oder das Anti-Rassismus-Programm (1970). Das Ziel, die Kirche und die Welt positiv zu verändern, ist stets spürbar. Die Suche nach Gerechtigkeit und Frieden bleibt daher aktuell, ebenso wie Klimawandel und der Interreligiöse Dialog wichtige Themen sind.

Weltweit arbeitet die EKD außerdem mit dem Lutherischen Weltbund (LWB) und der Weltgemeinschaft Reformierter Kirchen (WGRK) zusammen. Das sind ökumenische Gremien, in denen sich evangelische Kirchen dieser beiden wesentlichen Prägungen zusammengeschlossen haben. Historisch geht ihr Profil auf die Reformationszeit zurück. Lutheraner sind in ihrem Profil vor allem von den Reformatoren Martin Luther und Philipp Melanchthon geprägt, Reformierte stehen stärker in der Tradition von Ulrich Zwingli und Johannes Calvin.

Von der Spaltung zur Gemeinschaft

Auf europäischer Ebene ist die EKD Mitglied in der Konferenz Europäischer Kirchen (KEK) und der Gemeinschaft Evangelischer Kirchen in Europa (GEKE). Die KEK ist eine Gemeinschaft von gut 120 orthodoxen, protestantischen und alt-katholischen Kirchen sowie weiteren assoziierten Organisationen in allen Ländern des Kontinents. Sie wurde 1959 gegründet. Im Jahre 2001 haben die KEK und die Europäische Bischofskonferenz (CCEE) die Charta Oecumenica unterzeichnet. Darin formulieren sie Richtlinien für die wachsende Zusammenarbeit in Europa. Die deutschen Kirchen, die in der Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen (ACK) verbunden sind, folgten 2003. Aus grundlegenden ökumenischen Aufgaben leitet die Charta Leitlinien und Verpflichtungen für die Praxis ab. Die ökumenische Vielfalt zeigte sich auf den drei Europäischen Ökumenischen Versammlungen in Basel/Schweiz (1989), Graz/Österreich (1997) und Sibiu/Rumänien (2008).

In der GEKE sind fast alle evangelischen Kirchen in Europa organisiert. Ihr Gründungsdokument ist die Leuenberger Konkordie (1973). Diese beendete die jahrhundertelange Kirchenspaltung von lutherischen und reformierten Kirchen. Die mehr als 100 Mitglieder gewähren einander Kanzel- und Abendmahlsgemeinschaft. Die GEKE trägt maßgeblich dazu bei, die evangelische Stimme in Europa zum Ausdruck zu bringen.

EKD-Gemeinden weltweit – von Abano Terme bis Zypern

Unabhängig von diesen Zusammenschlüssen pflegt die EKD weltweit eine ganze Reihe von direkten Partnerschaften mit Kirchen in einzelnen Ländern. Solche bilateralen Beziehungen bestehen in Europa mit der Kirche von England und vielen weiteren nationalen evangelischen Kirchen etwa in Frankreich, den Niederlanden oder Russland. Gleiches betrifft Kirchen in den USA und Kanada, in Jordanien und dem Heiligen Land, in Thailand sowie in Lateinamerika und dem südlichen Afrika, wo Kirchen ihre Wurzeln in der deutschen Auswanderung haben. Vornehmlich nach Europa, aber auch auf andere Kontinente schickt die EKD aktuell fast 120 Pfarrerinnen und Pfarrer, um in den deutschsprachigen Auslandsgemeinden zu arbeiten. Die Liste reicht vom italienischen Heilbad Abano Terme bis zur Insel Zypern. Denn rund zwei Millionen evangelische Deutsche leben im Ausland, viele andere machen dort Urlaub.