Kirche gegen Rechtsextremismus – für Demokratie und Menschenwürde
Warum sich die evangelische Kirche gegen Rechtsextremismus engagiert – mit Positionen, Projekten und Materialien für Gemeinden und Engagierte.
Die Evangelische Kirche in Deutschland (EKD) steht mit vielen anderen in Deutschland für eine offene, tolerante und gerechte Gesellschaft, die sich gründet auf der Würde jedes Menschen. Deshalb widerspricht sie Rechtsextremismus und anderen menschenfeindlichen Einstellungen, die Menschen abwerten, ausgrenzen oder ihre gleichen Rechte infrage stellen.
Dabei setzt kirchliches Engagement nicht erst dort an, wo aus Hass Gewalt wird. Wir möchten durch Begegnungen in unseren Kirchen, Kitas und Gemeinderäumen einen Beitrag dazu leisten, dass Vorurteile abgebaut und Vertrauen geschaffen werden kann.
Damit arbeitet die EKD gegen rechtspopulistische, rechtsextreme, rassistische, minderheitenfeindliche und völkisch-nationalistische Einstellungen. Grenzen zwischen Menschen verschiedener Herkunft zu überwinden ist seit den ersten Anfängen Kennzeichen christlichen Glaubens und christlicher Kirche.
Mehr zu Positionen, Projekten und aktuellem Engagement finden Sie auf der Themenseite Demokratie und Kirche.
Warum die evangelische Kirche Rechtsextremismus widerspricht
Die Würde jedes Menschen
Aus christlicher Sicht besitzt jeder Mensch eine unverlierbare Würde. Sie hängt nicht von Herkunft, Religion, Geschlecht, gesellschaftlicher Stellung oder politischer Überzeugung ab. Wo Menschen in höher- und minderwertige Gruppen eingeteilt, ausgegrenzt oder entrechtet werden, widerspricht dies diesem Verständnis vom Menschen.
Deshalb kann die evangelische Kirche nicht neutral bleiben, wenn Menschenfeindlichkeit gesellschaftsfähig wird oder Menschen aufgrund ihrer Zugehörigkeit zu einer Gruppe verachtet, bedroht oder angegriffen werden. Zum christlichen Auftrag gehört es, für diejenigen einzutreten, deren Würde und Rechte bedroht sind.
Warum sich die evangelische Kirche aus ihrem christlichen Auftrag heraus auch zu politischen Fragen äußert – und wo die Grenzen zwischen gesellschaftlicher Verantwortung und Parteipolitik liegen –, erklärt die Themenseite „Kirche und Politik“.
Christlicher Glaube und Menschenfeindlichkeit
Rechtsextremismus richtet sich nicht nur gegen einzelne Menschen und gesellschaftliche Gruppen, sondern kann auch die Grundlagen eines demokratischen Zusammenlebens infrage stellen. Die evangelische Kirche setzt sich deshalb für eine Gesellschaft ein, in der Menschenwürde, gleiche Rechte und politische Teilhabe geschützt werden.
Wie die EKD ihr Engagement für Demokratie begründet und wie Kirche demokratische Kultur stärkt, erfahren Sie auf der Themenseite „Demokratie und Kirche“.
Demokratie braucht Beteiligung und Widerspruch
Demokratie lebt davon, dass Menschen unterschiedlicher Überzeugungen miteinander um politische Lösungen ringen. Streit und Meinungsverschiedenheiten gehören dazu. Wo jedoch die gleiche Würde und die gleichen Rechte aller Menschen bestritten werden, ist Widerspruch notwendig. Die evangelische Kirche setzt sich deshalb für eine demokratische Kultur ein, in der unterschiedliche Positionen Platz haben – und zugleich Menschenfeindlichkeit, Antisemitismus, Rassismus und Rechtsextremismus nicht unwidersprochen bleiben.
„Kirche gegen rechts“? Wo die evangelische Kirche die Grenze zieht
Kirchliches Engagement gegen Rechtsextremismus wird gelegentlich verkürzt als „Kirche gegen rechts“ bezeichnet. Diese Formulierung ist missverständlich.
Die evangelische Kirche richtet sich nicht gegen Menschen, weil sie sich politisch als konservativ verstehen. Demokratische Parteien und politische Überzeugungen können unterschiedliche Vorstellungen davon haben, wie unser Gemeinwesen gestaltet werden soll. Dieser politische Streit gehört zur Demokratie.
Eine Grenze ist dort erreicht, wo die gleiche Würde und die gleichen Rechte von Menschen bestritten werden, wo Menschen aufgrund ihrer Herkunft, Religion oder anderer Merkmale abgewertet werden, wo völkisch-nationalistische Vorstellungen vertreten werden oder demokratische Grundprinzipien infrage gestellt werden. Deshalb spricht die EKD bewusst von ihrem Engagement gegen Rechtsextremismus und gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit und für Demokratie und Menschenrechte.
Was die evangelische Kirche gegen Rechtsextremismus tut
Kirchliches Engagement gegen Rechtsextremismus reicht von Bildungsarbeit und Beratung über öffentliche Stellungnahmen bis zur Beteiligung an Bündnissen für Demokratie und Menschenrechte. Dabei engagieren sich Kirchengemeinden, Landeskirchen, kirchliche Einrichtungen und ökumenische Netzwerke auf unterschiedliche Weise.
Bilden und sensibilisieren
Rechtsextreme und menschenfeindliche Einstellungen entstehen nicht erst dort, wo offen Gewalt propagiert wird. Deshalb setzen kirchliche Bildungsangebote früher an: Sie informieren über Ideologien und Strategien der extremen Rechten, stärken die Fähigkeit zur Auseinandersetzung und schaffen Räume für kontroverse Gespräche.
Materialien und Fortbildungen unterstützen Haupt- und Ehrenamtliche dabei, menschenfeindliche Aussagen zu erkennen und ihnen fundiert zu widersprechen.
Beraten und unterstützen
Kirchengemeinden können mit rechtsextremen Äußerungen, menschenfeindlichen Positionen oder gezielten Versuchen politischer Einflussnahme konfrontiert werden. In solchen Situationen müssen Verantwortliche nicht allein reagieren.
Die Bundesarbeitsgemeinschaft Kirche und Rechtsextremismus (BAG K+R) ist ein ökumenisches Netzwerk gegen Rechtspopulismus, Rechtsextremismus und gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit. Sie veröffentlicht Handreichungen, berät kirchliche Akteur*innen und bietet Seminare und Fortbildungen an.
Vernetzten und gemeinsam handeln
Wirksames Engagement gegen Rechtsextremismus braucht Zusammenarbeit. Evangelische Kirchen und Einrichtungen beteiligen sich deshalb an lokalen und überregionalen Netzwerken und arbeiten mit Partnern aus Kirche und Zivilgesellschaft als Kooperationsverbund evangelischer Demokratieprojekte zusammen.
Materialien für Gemeinden und Engagierte
Wie kann eine Kirchengemeinde reagieren, wenn bei einer Veranstaltung menschenfeindliche Positionen geäußert werden? Wie lässt sich über Rechtsextremismus sprechen? Und welche Argumente helfen im Gespräch?
Kirchliche Einrichtungen und Landeskirchen stellen dafür Arbeitshilfen, Materialien und Fortbildungsangebote zur Verfügung.
Wie Rechtsextremismus, Rassismus und Antisemitismus zusammenhängen
Rechtsextremismus, Rassismus und Antisemitismus sind nicht dasselbe. Sie können jedoch eng miteinander verbunden sein.
Rechtsextreme Ideologien beruhen häufig auf der Vorstellung, dass Menschen aufgrund von Herkunft, Abstammung, Religion oder zugeschriebener kultureller Zugehörigkeit unterschiedlich viel wert seien oder unterschiedliche Rechte haben sollten. Rassistische und antisemitische Vorstellungen können deshalb Bestandteile rechtsextremer Weltbilder sein.
Zugleich gibt es Rassismus und Antisemitismus auch außerhalb organisierter oder eindeutig rechtsextremer Milieus. Die Auseinandersetzung damit ist daher eine eigenständige Aufgabe – auch innerhalb von Kirche und Gesellschaft.
Kirche muss dabei auch die eigene Geschichte und Gegenwart kritisch betrachten. Rassistische und antisemitische Denkmuster machen vor kirchlichen Räumen nicht automatisch Halt.
Positionen und Beschlüsse der EKD zu Rechtsextremismus
Die EKD und ihre Synode haben sich wiederholt mit Rechtsextremismus, gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit, Diskriminierung und der Stärkung der Demokratie befasst.