Vor 20 Jahren begann die Arbeit an der Meissener Erklärung

Kommission der EKD und der Kirche von England tagt in Meissen an der Elbe

Das Jahr 1988 war für die Beziehungen zwischen der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) und der Kirche von England ein wichtiges Datum. In Meissen bei Dresden entstand vor genau zwanzig Jahren mit dem Text „Auf dem Weg zu sichtbarer Einheit - Eine gemeinsame Feststellung“, der später als Meissener Erklärung bekannt wurde, die Grundlage für die wechselseitige Anerkennung, die auch Kanzel- und Abendmahlsgemeinschaft einschließt. In Erinnerung an dieses historische Datum tagt die Meissen Kommission der EKD und der Kirche von England vom 11. bis 15. September in der evangelischen Akademie neben dem Meissener Dom. Im Beisein von Zeitzeugen wie Oberkirchenrat i. R. Klaus Kremkau, Oberkirchenrätin i.R. Dr. Christa Grengel und Rev Peter Townley will die Kommission Ausgangspunkte, Entwicklungen und Ziele der Ökumene zwischen beiden Kirchen in den Blick nehmen. Gottesdienste im Meissener Dom und in der Dresdener Frauenkirche sind geplant, an denen beide Co-Vorsitzende der Kommission, Bischof Nick Baines aus der Diözese Southwark (Bischof von Croydon) und Landesbischof Jürgen Johannesdotter, Evangelisch-Lutherische Landeskirche Schaumburg-Lippe, beteiligt sind.

Die Frage nach dem Umgang mit wachsenden muslimischen Gemeinden in Europa wird die Kommission während ihrer Tagung ebenso beschäftigen wie die Präsenz und mögliche Zusammenarbeit evangelischer und anglikanischer Gemeinden im Nahen Osten oder die Frage nach missionarischen Initiativen in den säkularisierten Gesellschaften Westeuropas. Die englische Seite wird unter anderem über den Umgang mit der Frage der Frauenordination und die Lambeth Konferenz im Juli berichten, die deutschen Vertreter werden den aktuellen Stand des Reformprozesses in der evangelischen Kirche sowie Zukunftsprojekte wie die Lutherdekade und das Calvinjahr 2009 darstellen. Darüber hinaus beschäftigt sich die Meissen Kommission mit Fragen, wie die Ämter in den Kirchen gegenseitig voll anerkannt werden könnten, auch wenn man in den letzten Jahren in vielen Gemeindepartnerschaften gelernt hat, mit den Unterschieden besser zu leben. Dabei bildet die volle gegenseitige Anerkennung als Kirche, wie sie in der Meissener Erklärung formuliert wurde, eine hilfreiche Grundlage für theologische Gespräche auf Augenhöhe.

Mitglieder der Kommission bei der Tagung in Meissen

Die Evangelisch-Lutherische Landeskirche Sachsens pflegt enge Kontakte zur Kirche von England und besonders nach Coventry. Maßgebliche Erfahrungen und Anstöße verdankt die Meissen-Ökumene der Teilnahme des damaligen Erzbischofs von Canterbury Dr. Robert Runcie an den Gedenkfeiern zu Martin Luthers 500. Geburtstag in  Leipzig und Worms 1983. Außerdem nahm Runcie als erstes Oberhaupt der Anglikanischen Kirchengemeinschaft in einem Gedenkgottesdienstes zum Dresdner Feuersturm 1945 an einer evangelischen Abendmahlsfeier teil. Davon inspiriert setzte er sich später leidenschaftlich dafür ein, die Beziehungen der Kirche von England zu den deutschen evangelischen Kirchen enger zu gestalten. In Anlehnung an Bischof George Bell, der mit Dietrich Bonhoeffer befreundet war, bewirkte er wichtige Impulse für Versöhnung und Verständigung. Die Arbeit der Meissen Kommission war angesichts der damaligen Konstellation von drei Kirchen – der EKD, der Kirche von England und dem Bund der Evangelischen Kirchen in der DDR – ein wichtiger Baustein für das Aufeinanderzugehen der EKD und des Bundes der Evangelischen Kirchen in der DDR.

Hannover, 11. September 2008

Pressestelle der EKD
Silke Römhild

Die Meissener Erklärung