Landeskirchen haben sich auf den Weg begeben

Viele Landeskirchen befinden sich bereits in grundlegenden Reformprozessen, um fit für die Zukunft zu werden. Dabei gibt es verschiedene Ideen und Ansätze. Stellvertretend dafür werden fünf dieser Prozesse kurz und bündig vorgestellt.

Evangelische Kirche in Mitteldeutschland

Die Evangelische Kirche in Mitteldeutschland (EKM) denkt seit Herbst 2014 Gemeinde neu. Sie eröffnet Freiräume, damit sich alternative Formen von Kirche entwickeln und wachsen können. Im November 2014 hat die Landessynode "ermutigt, neue Gemeindeformen im säkularen Kontext zu erproben. Hierzu bedarf es einer großen Offenheit." Die neuen Formen sollen dabei die bewährten nicht ersetzen, sondern ergänzen - damit verschiedene Menschen das Evangelium hören und verstehen können. Die Landeskirche ist der Ansicht, dass man Erneuerung nicht zentral organisieren kann. Denn Chancen und Herausforderungen vor Ort sind ganz verschieden.

Dabei unterstützt die EKM verschiedene Erprobungsräume neuer Gemeindeformen durch fachliche Begleitung, juristische Beratung oder finanzielle Mittel.

 

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Quelle und weitere Infos: https://www.erprobungsraeume-ekm.de/

Evangelisch-lutherische Kirche in Bayern

Die Evangelisch-lutherische Kirche in Bayern befindet sich mitten im Beteiligungsprozess „Profil und Konzentration” (PuK). Das bedeutet, dass viele Menschen auf unterschiedlichen Ebenen in unterschiedlicher Weise die Zukunft der Kirche mitdenken und aktiv mitgestalten. Die Gestalt der Kirche und ihre Aktivitäten sollen verstärkt von den Aufgaben her bestimmt werden, von denen sich die zukünftigen Strukturen ableiten werden. Es geht darum, dort hinzugehen, wo Menschen leben, statt zu warten, dass sie kommen. Wichtig ist, dass kirchliche Arbeit weiterhin (und verstärkt) Beziehung ermöglicht – Beziehung zu Gott und Beziehung untereinander. Arbeitsformen sind daraufhin zu überprüfen, wie sie Menschen heute diese Beziehungen ermöglichen. Damit das gelingt, braucht es Gemeinschaftsgeist - in Arbeitsvollzügen, Kooperationen, beim Gremienwesen und über die Kirchengrenzen hinaus mit Akteuren im Sozialraum und der Ökumene. Es soll mehr Gestaltungsfreiheit vor Ort geben, dezentral in Räumen und orientiert vor allem an den Aufgaben.

Die Landessynode hat sich im Sommer 2016 auf der Konferenz der Kirchenleitenden Organe in Tutzing ausführlich über die Zukunftsperspektiven der Landeskirche ausgetauscht. Nach einem Zwischenbericht hat sie im März 2017 auf der Tagung in Coburg strategische Leitsätze beschlossen und den Startschuss für den PuK-Prozess gegeben. Im Frühjahr 2019 wurde der Landessynode ein Gesamtbericht mit Handlungsempfehlungen zur Erörterung und Beschlussfassung vorgelegt.

Quelle und weitere Infos: https://puk.bayern-evangelisch.de/

Evangelische Kirchen Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz

Nach dem Zusammengehen der Kirchen West und Ost und einer großen Einsparungsphase in den 1990er Jahren, ist der jüngste Reformprozess der EKBO nach mehr als einem Jahrzehnt nun in seine Auswertungsphase eingetreten. Es ging von „Salz der Erde“ (2007), dem „Kirche der Freiheit“-Text der EKBO bis zu den „10 Thesen: Begabt leben – mutig verändern“ (2014).

Dabei gab es zwei bedeutsame Phasen: Nach einem kräftigen Impuls „von oben“ kam es zu einem umfassenden Beteiligungsprozess „von unten“, der für ein neues Selbstverständnis sorgte und mit vielen Impulsen vielfältige Projekte anregte. Das Spektrum reicht von Kooperationsmodellen zwischen Kirche, Diakonie, gesellschaftlichen oder staatlichen Träger*innen, neuen Gemeindeorganisationsmodellen, über Glaubenskurse, Bildungsprojekte bis hin zur multimedialen Einrichtung von Kirchen und zu digitalen Erfindungen, wie godspot oder dem neuen digitalen Klingelbeutel. In der EKBO hat sich eine Kultur der Veränderung entwickelt, eine neue Haltung, eine Zukunftsperspektive mit der nicht neuen, aber wichtigen Erkenntnis: Kirche geht nur mit allen. Zentrale Anliegen sind demzufolge Beteiligung, Vernetzung und Kommunikation.

Quelle und weitere Infos: https://reformprozess.ekbo.de/meilensteine/2014-10-thesen-begabt-leben-mutig-veraendern.html

Evangelische Kirche von Kurhessen-Waldeck

Die Evangelische Kirche von Kurhessen-Waldeck (EKKW) hat sich auf den Weg begeben, aktiv die gesellschaftlichen Veränderungsprozesse aufzunehmen. Demografische Entwicklungen und geringer werdende Mitgliederzahlen haben die Synodalen veranlasst, auf der Herbstsynode 2015 etwa 180 zukunftsweisende Beschlüsse zu fassen. Mit diesen Beschlüssen soll es gelingen, die finanziellen Rahmenbedingungen den prognostizierten Ressourcen anzupassen. Der Prozess ist bis in das Jahr 2026 angelegt. Alle Bereiche kirchlichen Handelns, die gemeindlichen ebenso wie die landeskirchlichen, leisten ihren Beitrag zu dieser Konsolidierung. Zugleich sollen Freiräume entstehen und Ideen Gestalt gewinnen, die «Volkskirche qualitativ weiter entwickeln». Gemeinden, Kirchenkreise und Einrichtungen der Landeskirche sind ebenso gefragt, sich an diesem Prozess kreativ zu beteiligen, wie die Dezernate und Referate des Landeskirchenamtes. Sie sind gemeinsam auf dem Weg.

Quelle und weitere Infos: https://www.ekkw.de/unsere_kirche/reformprozess.html

Evangelische Kirche im Rheinland

Kirche in neuen Formen näher zu den Menschen zu bringen, dafür gibt die Evangelische Kirche im Rheinland in den kommenden zehn Jahren sechs Millionen Euro aus und schafft zusätzlich für diesen Zweck fünf neue Pfarrstellen. Das hat die Landessynode Anfang 2019 beschlossen. Dieses Investment in die Zukunft der Kirche soll das vielfältige Angebot der Ortsgemeinden ergänzen.

Die beschlossenen Fördermittel für Erprobungen sind Anschubfinanzierungen. Kirchengemeinden, Kirchenkreise, Gemeinschaften und Initiativen erhalten von der Landeskirche Projektmittel bis zur Hälfte der entstehenden Personal- und Sachkosten. Die Finanzierung der Pfarrstellen erfolgt durch die Pfarrbesoldung, die Stellen sind auf zehn Jahre befristet.

Quelle und weitere Infos: https://www.ekir.de/www/mobile/ueber-uns/31239.php