Mandat und Markt

12. Spezielle Bereiche der Publizistischen Arbeit

12.1 Fonds zur Förderung der Medienarbeit

Die Evangelische Kirche in Deutschland fördert Innovationen in der Medienarbeit ihrer Gliedkirchen bzw. der evangelischen Institutionen und Organisationen durch die Vergabe von Mitteln aus zwei Fonds:

  • Der Medienfonds der EKD wurde 1982 eingerichtet. Die bewilligte Förderungssumme im Jahr 1997 beträgt 827.000 DM. Mit Mitteln des Medienfonds soll bei Entwicklungen initiatives Vorgehen ermöglicht werden. Zu seinen Aufgaben gehört weiter der Bereich von Aus- und Fortbildung über die Beschaffung von Gerätschaften bis zur vollständigen Finanzierung von Projekten. Im Sinne der Initiativwirkung wird der Förderungszeitraum regelmäßig auf zwei Jahre begrenzt und eine Anschlußfinanzierung ausgeschlossen. Über die Vergabe der Mittel entscheidet etwa zweimal im Jahr ein Ausschuß nach vom Rat der EKD erlassenen Richtlinien; die Verwaltung des Fonds liegt beim Gemeinschaftswerk der Evangelischen Publizistik. Insgesamt wurden bisher mehr als 20 Millionen DM bereitgestellt.
          
  • Im Jahr 1997 wurde durch die EKD ein zusätzlicher Fonds für Produktionsentwicklung und -förderung aufgelegt und zunächst mit einer Jahreszuweisung von 800.000 DM dotiert. Veranlaßt wurde diese Entscheidung durch den Mangel an Sendungen mit evangelischer Prägung. Den kleinen evangelischen und freien Produktionsfirmen (s.o., Kapitel 6.5) fehlt es an Möglichkeiten, entsprechende Programmideen soweit zu entwickeln, daß sie Sendern erfolgversprechend präsentiert werden können. Die Notwendigkeit zur Vorfinanzierung überfordert selbst bei mittleren Vorhaben regelmäßig ihre Möglichkeiten. Dies gilt vor allem auch für die Entwicklung von Serien, wie sie von den Sendern erwartet werden.

Die Einrichtung des Medienfonds hat sich bewährt. Ohne ihn hätten viele Projekte nicht ausgeführt werden können. Dazu gehören beispielsweise die Arbeit im Privatfunk wie die frühe und erfolgreiche Präsenz im Internet oder die Anlaufphase der Evangelischen Journalistenschule.

Allerdings müssen Fehlentwicklungen korrigiert werden. Gegen seine ursprüngliche Bestimmung ist der Medienfonds auch für Aufgaben beansprucht worden, die aus regulären Haushaltsmitteln der jeweiligen Einrichtungen hätten getragen werden müssen. Der Stärke des Wunsches eines Antragstellers entsprechen nicht immer die Erfolgsaussichten. Die Vergaberichtlinien schreiben eine Vor-Prüfungspraxis vor, damit es nicht zu Fehlausgaben kommt. Das sollte ergänzt werden durch eine Evaluierung finanzierter Projekte, damit Erfahrungen für Dritte verfügbar sind und eine bedarfs- und ergebnisorientierte Anpassung der Förderungspraxis möglich wird.

Ein Grundproblem besteht darin, daß oft für erfolgreiche Vorhaben eine Anschlußfinanzierung aus ordentlichen Haushaltsmitteln nicht gesichert werden kann. Diese Projekte werden dann ebenso wie die weniger erfolgreichen Vorhaben bzw. Fehlschläge beendet. Aufgewandte Mittel wurden fehlinvestiert. Für die EKD besteht dann zwar die Möglichkeit der Umwidmung von Fondsmitteln in Gelder zur Dauerfinanzierung; so sinnvoll dies im Einzelfall ist, so schwächt es doch den Medienfonds.

Das Auslaufen von Medienfonds-Projekten mangels regulärer Anschlußfinanzierung könnte künftig angesichts der finanziellen Entwicklung zur Regel werden. Um so wichtiger wird es, daß die Ergebnisse der geförderten Vorhaben vom Medienfonds abschließend bewertet werden. Nur dies gibt erfolgreichen Projekten eine gewisse Chance auf Übernahme in die Haushalte ihrer Träger.

Für den Fonds zur Förderung von Programmentwicklung liegen noch keine Erfahrungen vor. Das Auflegen des Fonds hat jedoch bereits eine Vielzahl von Projektideen und -anträgen gebracht.

Publizistisches Ziel

Langfristig zu planende Haushalte erlauben keine schnelle Reaktion auf sich verändernde Entwicklungen im Medienbereich sowie auf Programmöglichkeiten. Deshalb ist unternehmerisches Handeln auf die Unterstützung durch freie Fondsmittel angewiesen.

Empfehlungen:

Zum Medienfonds:

  1. Die Vergaberichtlinien des Medienfonds bedürfen nach mehr als einem Jahrzehnt einer Überprüfung, bei der nicht nur die bisherigen Erfahrungen, sondern auch die neuen Herausforderungen für die kirchliche Publizistik zu berücksichtigen sind.
         
  2. Die Bereitschaft zur Abgabe eines Abschlußberichtes sollte zur zusätzlichen Bedingung für eine Förderung gemacht werden. Eine abschließende (externe) Bewertung geförderter Projekte kann ihre Fortsetzung aus Haushaltsmitteln stützen und Kriterien für künftige Bewilligungen liefern. Es wäre zudem für andere kirchliche Einrichtungen hilfreich, wenn übertragbare Erfahrungen verfügbar gemacht würden.
         
  3. Die Möglichkeiten des Medienfonds sollen stärker ins kirchliche Bewußtsein gebracht werden.

Zum Programmentwicklungsfonds:

  1. Die Fragen, ob die jeweilige Produktion gesellschaftlich-kirchlich wünschenswert ist, und ob sie eine realistische Aussicht auf Ausstrahlung hat, stellen vorrangige Kriterien für die Förderung aus Mitteln des Programmfonds dar.
         
  2. Für den Programmentwicklungsfonds sind flexible Vergabekriterien wünschenswert. Wenn die Bewilligungen durch den Beirat beim Rundfunkbeauftragten erfolgen, ist am ehesten die Kompatibilität der Förderung mit der allgemeinen Rundfunkpolitik der EKD zu sichern.
         
  3. Es ist zu überlegen, wie der Produktionsfonds am wirtschaftlichen Erfolg geförderter Produktionen partizipieren kann. Nur durch eine solche teilweise Refinanzierung und durch eine regelmäßige Rückstellung von Mitteln erscheint es auf Dauer möglich, auch die Anschubfinanzierung für größere Vorhaben (Serien etc.) aufzubringen.

12.2 Dokumentationseinrichtungen

Innerhalb der evangelischen Kirche gibt es zahlreiche Archiv-, Informations- und Dokumentationseinrichtungen, bei denen zu unterschiedlichen Themen Informationen abgerufen werden können. Einen Überblick über die Einrichtungen bietet das Verzeichnis der Informations- und Dokumentationseinrichtungen in der Evangelischen Kirche in Deutschland110. Hier werden die Einrichtungen in den Landeskirchen und in der EKD zusammen mit Beschreibung der Angebote und der Dienstleistungen aufgelistet. Anläßlich der Neuordnung des Aufgabengebietes "Dokumentation in der EKD" nach der Vereinigung der evangelischen Kirchen wurde im Jahr 1991 der "Arbeitskreis der kirchlichen Dokumentationseinrichtungen in der EKD" gegründet. Der Arbeitskreis versteht sich als Plattform für Konsultation und Koordination.

  • Das Gemeinschaftswerk der Evangelischen Publizistik verfügt über ein Pressearchiv. Neben den publizistischen Produkten des eigenen Hauses werden viele überregionale und internationale Tages- und Wochenzeitungen zu kirchlich relevanten Themen ausgewertet. Seit 1995 werden die Texte der epd-Zentralredaktion, die Texte der über Frankfurt a.M. verbreiteten epd-Landesdienste und andere GEP-Publikationen in einer Datenbank zur Verfügung gestellt. Eine Online-Recherche von außerhalb des GEP ist vorgesehen.
         
  • Das Comenius-Institut hat mit seinem 1971 gegründeten Arbeitsbereich Information/Dokumentation/Bibliothek eine führende Rolle eingenommen. Für den Bereich der Religionspädagogik und deren Bezugswissenschaften sind über 160.000 Dokumente mit bibliographischen Angaben in einer Datenbank erfaßt.111
         
  • Die Informations- und Dokumentationsstelle der EKD in Berlin ist aus der ehemaligen Dokumentationsstelle des Bundes der Evangelischen Kirchen in der DDR (BEK) hervorgegangen. Hier gibt es ein umfassendes Archiv über die Arbeit der östlichen Gliedkirchen zur Zeit des BEK. Seit 1991 hat die Arbeitsstelle den Auftrag, alle wichtigen Beschlüsse aus den Gliedkirchen zu dokumentieren.
         
  • Beim Sozialwissenschaftlichen Institut der EKD in Bochum (SWI) ist eine Datenbank Sozialethik eingerichtet worden. Die Datenbank soll die Möglichkeit geben, sich rasch über Positionen und Stellungnahmen der Kirche zu sozialethischen Themen zu orientieren. Von einigen Theologischen Fakultäten wird eine Europäische Dokumentation zur Sozialethik (EDSE) in Zusammenarbeit mit dem Sozialethischen Institut für das Internet vorbereitet.
         
  • Der ökumenische Verein "Kirche Online e.V." hat im Jahr 1996 die Suchmaschine Christweb für die deutschsprachigen christlichen Angebote im Internet eingerichtet, die sowohl eine systematische Suche als auch eine Volltextrecherche in allen dort registrierten Dokumenten ermöglicht.

Die einzelnen Dokumentationseinrichtungen und Archive bieten unterschiedliches Material (kirchliche Texte, Presseartikel, Literaturauswertung, historisches Material) und richten sich an verschiedene Zielgruppen. Die technischen Möglichkeiten der Speicherung (Datenbanken) und der Kommunikation (Internet, Intranet mit geschlossenen Benutzergruppen) legen ein koordiniertes Vorgehen nahe, das auch die Übergänge (Schnittstellen) zu anderen Systemen einbezieht. Die Zukunft von Informations- und Dokumentationseinrichtungen wird durch Online-Recherche und Informationsabruf gekennzeichnet sein. Wichtig ist die schnelle Verfügbarkeit.

Eine Koordination und Konzentration der Dokumentationsarbeit bieten einerseits Möglichkeiten zur Einsparung und Rationalisierung. Andererseits entstehen in diesem Arbeitsbereich auch neue Kosten durch die notwendige Erweiterung des Angebotes für eine schnelle Online-Abfrage oder über Informationsstellen und mögliche Urheberrechtsabgaben für die Dokumentation fremder Materialien (z.B. Pressetexte). Bei einem koordinierten Vorgehen bieten sich Einnahmemöglichkeiten über eine gemeinsame Verwertung von Urheberrechten.

Publizistisches Ziel

Die dokumentarische Arbeit ist eine Dienstleistung der Kirche für die Öffentlichkeit und für die eigene kirchliche Arbeit. Dabei sind die schnelle Auffindbarkeit und Verfügbarkeit von Informationen von wachsender Bedeutung.

Empfehlungen:

  1. Die vorhandenen Bestände der Archive und Dokumentationseinrichtungen müssen elektronisch erschlossen und die Einrichtungen untereinander vernetzt werden.
         
  2. Die Informationen müssen möglichst einfach und frei zugänglich sein. Hier bieten sich in besonderer Weise Datenbanken an, auf die über das Internet zugegriffen werden kann.     
  3. Zwischen den einzelnen Arbeitsstellen im Dokumentations- und Archivbereich ist auf eine größtmögliche Kooperation, Vernetzung der Arbeit und Kompatibilität der Systeme zu achten.
         
  4. Es ist zu prüfen, in welcher Form Datenbankinformationen kommerziell verwertet werden können. Für die gezielte Verwertung von Urheberrechten sollen eine kirchliche Rechteverwertungsgesellschaft gegründet bzw. die Zusammenarbeit mit einer bestehenden Verwertungsgesellschaft gesucht werden.
         
  5. Für die kirchlichen Pressestellen ist eine überregionale Zusammenarbeit bei Dokumentation von Presseausschnitten anzustreben. Hier bieten sich durch Kooperation und Arbeitsteilung Einsparmöglichkeiten.

12.3 Medienpreise

In der Bundesrepublik Deutschland werden viele Preise ausgelobt und verliehen. Dazu gehören auch einige Prämierungen aus dem evangelischen Raum:

Evangelischer Buchpreis
    Der Deutsche Verband Evangelischer Büchereien (DVEB) vergibt jährlich den mit 5.000 DM dotierten Evangelischen Buchpreis. Mit ihm wird wechselnd ein Buch aus den Sparten Roman, Biographie, Sachbuch und Lyrik ausgezeichnet. Die Vorschläge für die Preisvergabe kommen von den Leserinnen und Lesern.
   
Marie-Luise-Kaschnitz-Preis
    Dieser Preis wurde von der Evangelischen Akademie Tutzing gestiftet. Er ist mit 10.000 DM dotiert und wird alle zwei Jahre vergeben. Der Preis soll dem "Gespräch zwischen der Kirche des Wortes und dem Wort zeitgenössischer Literatur" (Satzung) dienen und insbesondere jüngere Autorinnen und Autoren fördern.
   
Illustrationspreis für Kinder- und Jugendbücher
    Der Preis wurde vom Gemeinschaftswerk der Evangelischen Publizistik gestiftet und zeichnet alle zwei Jahre besonders gelungene Illustrationen von Kinder- und Jugendbüchern aus. Er ist mit 10.000 DM dotiert.
   
Robert-Geisendörfer-Preis
    Der Preis wird getragen von der Evangelischen Akademie Tutzing, dem Gemeinschaftswerk der Evangelischen Publizistik, der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Bayern und der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD). Seit 1983 wird er jährlich im Wechsel für Hörfunk- bzw. Fernsehproduktionen vergeben, die "Zeugnis und Dienst der Kirche unterstützen, zur Vertiefung der christlichen Orientierung der Hörer und Zuschauer beitragen, oder die Verantwortungsbereitschaft des Christen in Gesellschaft und Kirche unterstützen" (Satzung).112 Das Preisgeld beträgt derzeit 7.000 DM für den ersten Preis, 5.000 DM für den zweiten und 3.000 DM für den dritten Preis.
   
Preis der Stiftung Bibel und Kultur
    Die ökumenische Stiftung Bibel und Kultur wurde 1987 mit dem Ziel gegründet, die Bedeutung der Bibel für Kultur und Sprache ins öffentliche Bewußtsein zu bringen. Mit einem jährlichen Preis in Höhe von 10.000 DM werden Arbeiten ausgezeichnet, die die Bedeutung der Bibel für das kulturelle und geistige Leben in Kunst, Musik und Literatur zum Gegenstand haben. Seit 1994 schreibt die Stiftung ferner einen Schüler- und Jugendwettbewerb zum Thema "Bibel heute" aus.
   
Medienpreis der Konferenz Evangelikaler Publizisten (kep)
   
Der kep-Medienpreis wird seit 1987 für die Darstellung glaubhaften Christseins in den Medien verliehen. Der Preis wird in zwei Kategorien als "Goldener Kompaß" und "Silberner Kompaß" verliehen:

  • für Beiträge, in denen christlich begründete Lebenshilfe und die Vermittlung des Glaubens zum Tragen kommt;
  • für Beiträge, die Themen aus dem Bereich der Kirchen aufgreifen und dadurch dazu beitragen, beispielhaft Christsein und Kirche ins öffentliche Gespräch bringen.    

Über den Preis entscheidet eine Jury nach Vorschlägen der Leserinnen und Leser der Medienzeitschrift PRO. Der Preis ist mit 5.000 DM dotiert.
   
WebFish - EKD Internet Award
Mit diesem Preis werden die besten christlichen Angebote im Internet ausgezeichnet. Bewerben kann sich jeder, der eigene Seiten im Internet gestaltet. Die von der EKD und dem GEP gestiftete Auszeichnung ist mit einem Preisgeld in Höhe von 6.000 DM verbunden und wurde zum ersten Mal 1997 vergeben.

Mit dem Ausloben von publizistischen Preisen sind zwei Absichten verbunden. Zum einen wollen sie ermutigen, sich bestimmten Themen und Formen zu widmen; zum anderen fördern sie die öffentliche Anerkennung und damit die Demonstration des Eintretens für solche Themen und Formen gegenüber einer breiten oder einer Fachöffentlichkeit. Beide Motivationen können sich ergänzen oder behindern. Sie sind in ihrer Wirksamkeit an die Ausgestaltung des Preises gebunden.

Publizistisches Ziel

Durch Preise ermutigt die evangelische Kirche Medienschaffende, bestimmte Themen und Formen aufzugreifen, und stellt ihr eigenes Engagement für inhaltlich wie formal qualitative publizistische Erzeugnisse in der Öffentlichkeit unter Beweis.

Empfehlungen:

  1. Die Ausschreibungsbedingungen aller evangelischen Medienpreise sollen durch ihre Träger auf Zielrichtung und aktuelle Bedeutung überprüft werden.
         
  2. Es sollte geprüft werden, ob bestehende Preise nicht zusammengefaßt werden könnten, um die Aufmerksamkeitswirkung zu erhöhen und Zusammenhänge herzustellen.
         
  3. Bei Preisen, die vor allem der Ermutigung der Medienschaffenden dienen, ist die Preissumme in der Regel deutlich zu erhöhen, um den Förderungscharakter auch wirksam werden zu lassen. Für Preise, die vor allem Öffentlichkeitswirkung erzielen und das Engagement der evangelischen Kirche für Qualität in den Medien herausstellen sollen, ist diese Öffentlichkeit auch mit anderen geeigneten Mitteln herzustellen.
         
  4. Angesichts der Verflüchtigung religiöser Kenntnisse, christlicher Inhalte und eines kirchlichen Bewußtseins verdient auch die Förderung von Beiträgen Aufmerksamkeit, die sich dezidiert um diese Grundlagen bemühen.

12.4 Internationale Publizistik und Kontakte

Die World Association for Christian Communication (WACC) ist ein weltweiter Zusammenschluß von christlichen Kirchen, Publizistinnen und Publizisten sowie Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern aus dem Medienbereich. Auf Seiten der römisch-katholischen Kirche werden diese Aufgaben von der Internationalen Katholischen Rundfunkorganisation UNDA113 wahrgenommen. Beide Organisationen arbeiten eng zusammen.

Die WACC besteht in ihrer jetzigen Gestalt seit den späten 60er Jahren. Sie ist in acht Regionalverbände gegliedert.114 Das Zentralbüro befindet sich in London. Die Verbindungen zwischen den deutschen Medieneinrichtungen und WACC sowie Organisationsaufgaben nimmt das GEP-Referat "Internationale Publizistische Kontakte" in München wahr.

Die WACC unterhält auf globaler Ebene Kontakte zu den Weltorganisationen und arbeitet mit ihnen an der Durchsetzung einer gerechten Informationsordnung. Dazu hat sie Christliche Grundsätze der Kommunikation erarbeitet, die Empfehlungen für den Weg zu einer Humanisierung von Inhalt und Struktur der Kommunikationsmedien bieten. Auf den Weltkongressen115 beteiligt sich die WACC am weltweiten Dialog im Kontext des konziliaren Prozesses für "Gerechtigkeit, Frieden und Bewahrung der Schöpfung". Ein Drittel des WACC-Haushaltes wird von der Evangelischen Kirche in Deutschland getragen. Dies waren 1996 6,5 Millionen DM. Über einen besonderen KED-Vergabeausschuß beim Evangelischen Missionswerk (EMW) werden zahlreiche der weltweiten Medien-Projekte finanziert, mit denen die WACC regionale Kirchen und Gruppen bei ihren Kommunikationsbemühungen bzw. bei der Verbesserung der einheimischen Medien-Infrastruktur unterstützt oder publizistisches Handeln überhaupt erst ermöglicht. Dazu gehören beispielsweise der Aufbau von (kirchlichen) Sendestationen und die Unterstützung von Zeitungsprojekten von Basisgruppen. Bisher wurden vor allem Projekte in Mittel- bzw. Südamerika und Afrika unterstützt, jetzt erhält die Arbeit in Osteuropa besonderes Gewicht.

Kritisch ist anzumerken, daß eine Auswertung von Erfahrungen und eine Evaluation der geförderten Projekte fast völlig fehlen. Eine Verknüpfung mit den Zielvorstellungen der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) bzw. ihrer Gliedkirchen und des Gemeinschaftswerkes ist nur über die Mitgliedschaft von Personen im zweimal jährlich tagenden Vergabeausschuß des Evangelischen Missionswerkes gegeben; auch dort steht die Bewilligung neuer Mittel im Vordergrund und nicht die Auswertung laufender bzw. abgeschlossener Projekte. Über die Wirksamkeit des Mitteleinsatzes kann deshalb nicht geurteilt werden.

In Europa veranstaltet die WACC alle zwei bis drei Jahre in Zusammenarbeit mit der UNDA Internationale Christliche Fernsehwochen sowie Fernseh- und Radioworkshops. Diese Fernsehwochen (zuletzt 1995 Buxton, Großbritannien) wollen einen Überblick über das Geschehen bei Sendern und kirchlichen Produktionsfirmen geben. Sie sind insofern für Redaktionen und Kirchen hilfreich. Ihr Nutzen wird jedoch durch unklare Auswahlprinzipien vermindert. Der breite "Markt" wird nicht vorgestellt. Amerikanische Programme sind nicht ausreichend präsent. Eine Programm-Messe, auf der auch säkulare Produktionen mit religiöser Thematik vorgestellt werden, gibt es nicht.

Die Arbeit der WACC muß sich neu orientieren und der Beobachtung der Entwicklungen in Europa ein größeres Gewicht beimessen und den Erfahrungsaustausch stärker fördern.

Neben der WACC gibt es weltweit weitere publizistische Zusammenschlüsse, beispielsweise den Ökumenischen Arbeitskreis für Information in Europa und die International Christian Media Commission (Seattle). Die großen kirchlichen Organisationen wie die Konferenz Europäischer Kirchen (KEK), der Ökumenischen Rat der Kirchen (ÖRK) unterhalten eigene Kommunikationsabteilungen.

Publizistisches Ziel

Die Globalisierung der Kommunikation und des Medienschaffens zwingt zu einer stärkeren Zusammenarbeit auf internationaler Ebene. Eine kirchliche Zusammenarbeit ist im kirchlichen Auftrag begründet und hat das Ziel, den Transfer von Mitteln und Personen, Möglichkeiten und Erfahrungen transparenter und wirksamer zu machen.

Empfehlungen

  1. Zur Förderung des Austauschs von Erfahrungen zwischen den europäischen Kirchen und ihren Medienaktivitäten wäre die Aktivierung der WACC-Europaregion eine wichtige Hilfe. Die deutschen WACC-Delegierten sollen für eine solche Aktivierung eintreten. Dies kann auch die Neuverteilung von Zuschußmitteln bedeuten.
         
  2. Eine gemeinsamer Lizenzeinkauf bzw. gemeinsame Verwertung von Rechten, Programmaustausch und Koproduktionen im europäischen Rahmen könnten Kosten sparen und das kirchliche Medienangebot vergrößern. Auch hier wäre eine Koordination durch die WACC sowie ihre Hilfe bei der Sichtung und Vermittlung des internationalen Angebots sinnvoll.
         
  3. Eine stärkere Einbindung (auch örtlich) des Referats "Internationale Publizistische Kontakte" in das GEP ist wünschenswert.     
  4. Der Transfer von Mitteln des kirchlichen Entwicklungsdienstes (KED) der Evangelischen Kirche in Deutschland in die weltweite christliche Medienarbeit wird bisher nicht evaluiert. Eine solche Evaluation würde einen effektiven Einsatz von Mitteln fördern; zugleich könnten manche Erfahrungen aus den Empfängerländern auch für die deutschen Kirchen nützlich sein.
         
  5. Die Evangelische Kirche in Deutschland soll sich dafür einsetzen, daß eine leistungsfähige Kommunikationsabteilung für die großen ökumenischen Organisationen geschaffen wird.
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