Evangelische Kirche erinnert an NS-Opfer Werner Sylten

Gedenkveranstaltungen in Berlin und Thüringen

Walter-Sylten-Denkmal
Denkmal für Werner Sylten in Wendenschloß in Berlin-Köpenick.

Berlin (epd). Zum 75. Todestag des von den Nazis ermordeten Pfarrers Werner Sylten (1893-1942) erinnert die evangelische Kirche mit Gedenkveranstaltungen an das NS-Opfer. Der Bischof der Evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz, Markus Dröge, will am 13. August in einem Gedenkgottesdienst in der Berliner Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche predigen, teilte die Landeskirche mit.

Zu einer weiteren Gedenkveranstaltung wird am 5. September in der Thüringer Landesvertretung beim Bund auch der ehemalige evangelische Bischof Christoph Kähler erwartet. Werner Sylten war in der NS-Zeit Pfarrer der Bekennenden Kirche in Thüringen und wurde später Mitarbeiter im Berliner „Büro Grüber“, das „rassisch“ verfolgten evangelischen Christen half. Sylten, dessen Vater vom Judentum zum evangelischen Glauben konvertiert war, galt unter den Nazis als sogenannter Halbjude.

Sylten schloss der Bekennenden Kirche an

Werner Sylten wurde am 9. August 1893 in der Schweiz geboren und studierte Theologie, Nationalökonomie und Sozialpädagogik in Marburg und Berlin. Für die evangelische Kirche arbeitete er zunächst in Göttingen und Hildesheim und übernahm 1925 die Leitung eines Mädchenheims in Bad Köstritz in Thüringen. Nach der Machtübernahme der Nazis 1933 schloss sich Sylten der regimekritischen Bekennenden Kirche an und verlor 1936 sein Pfarramt in der von den „Deutschen Christen“ dominierten Thüringer Kirche.

1938 wurde der Theologe Berater von Pfarrer Heinrich Grüber in Berlin. Nach dem Verbot des Büros Ende 1940 und der Verhaftung Grübers musste Sylten das Büro auflösen. Am 27. Februar 1941 wurde auch er verhaftet, zunächst im Polizeigefängnis am Berliner Alexanderplatz festgehalten und im Mai 1941 in das KZ Dachau verschleppt. Am 12. August 1942 wurde Werner Sylten in der NS-Tötungsanstalt Hartheim bei Linz ermordet.