Gemeinsam und auf Augenhöhe evangelisch

Gemeinden anderer Sprache und Herkunft

Sängerinnen und Sänger aus Indonesien, Tansania und Deutschland proben für ein internationales evangelisches Chorprojekt.

Singen und Beten auf Englisch, Französisch oder Koreanisch? Die weltweite Ökumene kann man auch vor der eigenen Haustür erleben. Deutschland ist Einwanderungsland. Viele Christinnen und Christen aus unterschiedlichen Ländern und Kulturen leben hier. Aktuelle Fluchtbewegungen lassen ihre Zahl noch steigen. Christen stellen unter den Migrantinnen und Migranten einen weit höheren Anteil als viele vermuten. Mehr als die Hälfte der Einwandernden gehört zum Beispiel in Hessen einer christlichen Gemeinschaft an. Das zeigt der dortige Integrationsmonitor (zuletzt 2013). Diese Christinnen und Christen bilden meist eigene Gemeinden und feiern den Gottesdienst in ihrer Sprache.

In eine weltweite Gemeinschaft hineingetauft

Unter der Überschrift „Gemeinsam evangelisch!“ hat die EKD 2014 energisch dazu aufgerufen, stärker auf diese Christen und Gemeinden anderer Sprache und Herkunft zuzugehen. Schließlich sind alle in eine weltweite Gemeinschaft hineingetauft. „Gemeinden anderer Sprache und Herkunft“, wie die internationalen Migrationskirchen heute bezeichnet werden, gibt es vor allem in den großen Ballungsräumen. Ihre Mitglieder stammen aus Ländern, in denen die Kirchen lebendig sind und beständig wachsen.

Zehntausende evangelische Migranten, überwiegend aus Afrika und Asien, feiern jeden Sonntag Gottesdienst in unmittelbarer Nähe von evangelischen Kirchengemeinden. Aber auch niederländische, finnische oder ungarische Gemeinden gibt es. Sie alle bilden ein weites Spektrum von Kirchen, die aus der Reformation hervorgegangen sind. Ihre Mitglieder fühlen sich vorrangig kulturell, ethnisch oder sprachlich zugehörig. Viele kommen zu ihren Gottesdiensten in evangelischen Kirchen oder Gemeindezentren zusammen. Viele andere suchen aber noch Räume und Partner in den Kirchengemeinden.

Möglichkeiten vor Ort ausloten

Wo immer evangelische Christen unterschiedlicher Herkunft in Deutschland gemeinsam und auf Augenhöhe Kirche gestalten, macht es sie als Christen ein Stück glaubwürdiger. Die Ökumene vor Ort ist ein wichtiges Signal für die Chancen des Zusammenlebens in einer multikulturellen Gesellschaft. Welche Möglichkeiten die engere Zusammenarbeit zwischen Gemeinden der EKD-Gliedkirchen und Gemeinden anderer Sprache und Herkunft bieten, lässt sich oft nur vor Ort ausloten. Viele Landeskirchen bieten dazu gezielte Beratung an. Das betrifft Empfehlungen für erste Schritte für inklusive Gemeindemodelle, für gemeinsame theologische Arbeit, kultursensible Seelsorge sowie gute Wege, beruflich wie ehrenamtlich Mitarbeitende und Geistliche zu gewinnen.

Ein bundesweites Netzwerk trifft sich bereits seit 1972 in der Interkulturellen Pfarrkonferenz (IPK) der EKD. Geistliche und andere leitende Personen aus Gemeinden anderer Sprache und Herkunft tauschen sich hier einmal im Jahr für zwei Tage untereinander aus. Voraussetzung der Zusammenarbeit ist die gemeinsame Mitgliedschaft im Ökumenischen Rat der Kirchen (ÖRK), in der Konferenz Europäischer Kirchen (KEK) oder in der Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen (ACK).

Gemeinsam Gottesdienst feiern

Bei ihren Treffen diskutieren sie theologische Themen, erörtern Fragen pastoraler Praxis und feiern gemeinsam Gottesdienste. Sie beraten aber auch aktuelle gesellschaftliche Herausforderungen. Die Konferenz ermutigt Gemeinden anderer Sprache und Herkunft zur ökumenischen Zusammenarbeit, etwa mit Internationalen Konventen oder der Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen (ACK). Die IPK vertritt die Vielfalt christlicher Gemeinden in Deutschland gegenüber den Gliedkirchen der EKD. Die einzelnen Landeskirchen kennen die wachsende Zahl der Gemeinden anderer Sprache und Herkunft und wo sie sich versammeln. Vielerorts haben sich zudem regional Internationale oder Interkulturelle Kirchenkonvente gebildet.

ug