Häufige Fragen

Rettungsschiff fürs Mittelmeer

Die EKD wird mit dem Bündnis United4Rescue ein zusätzliches Schiff zur Rettung von Ertrinkenden ins Mittelmeer senden.

Hier finden Sie die Antworten auf die häufigsten Fragen zum Thema.

  • Welchen Namen bekommt das Schiff?

    Das Schiff bekommt einen neuen Namen, um eindeutig mit seiner neuen Aufgabe als Rettungsschiff und der Rettungsorganisation Sea-Watch als dem Schiffseigner identifiziert zu werden. Dies ist gerade gegenüber der breiten Öffentlichkeit und der Presse wichtig.

    Das Schiff wird Sea-Watch 4 getauft - mit dem Zusatz “powered by United4Rescue”. Damit wird deutlich, dass Sea-Watch das Schiff gehört und es auch von Sea-Watch betrieben wird - jedoch das Bündnis United4Rescue den Kauf ermöglicht hat und auch weiterhin hinter diesem Schiff steht. Das Logo von United4Rescue wird deshalb auch gut sichtbar auf das Schiff gemalt werden.

  • Wann wird das zusätzliche Rettungsschiff in See stechen?

    Die Sea-Watch 4 wird bereits am 24. Februar Kiel verlassen und ins Mittelmeer überführt. In Spanien wird es einen kurzen Werftaufenthalt geben, wo notwendige Umbauten durchgeführt werden. Anschließend geht das Schiff direkt in den Einsatz. Wir rechnen damit, dass das Schiff bereits Anfang April, also zu Ostern, seine erste Rettungsmission fahren kann.

  • Wer ist der/die Kapitän/in?

    Sea-Watch allein ist für das Crewing verantwortlich. Die Kapitäne wechseln regelmäßig, um Erholungszeiten zwischen den anstrengenden Rettungseinsätzen sicherzustellen.

  • Wird der Ratsvorsitzende beim ersten Einsatz dabei sein?

    Nein, der Ratsvorsitzende wird nicht bei Rettungseinsätzen dabei sein. Auf dem Schiff arbeiten nur Ehrenamtliche, die z.B. durch ihre medizinische oder nautische Ausbildung effektiv und sicher Menschen aus Seenotrettung bergen können.

  • Was hat das Schiff gekostet?

    Das Schiff hat im Bieterverfahren rund 1,3 Millionen Euro gekostet. Hinzu kommen die Kosten des Umbaus zum Rettungsschiff, die bei mindestens einer halben Million Euro liegen werden.

  • Wie ist das Bieterverfahren entschieden worden?

    Es gab mehrere Mitbewerber. Welche und wie viele Mitbewerber es genau gab, ist uns nicht bekannt, da es ein verdecktes Bieterverfahren war.

    Soweit wir wissen, hat das höchste Gebot entschieden – das heißt alle anderen Mitbewerber haben tatsächlich weniger geboten.
     

  • Wer wird das Schiff betreiben?

    Für die evangelische Kirche war immer deutlich, dass sie das geplante zusätzliche Schiff nicht selbst betreiben wird und die EKD hat daher das breite gesellschaftliche Bündnis United4Rescue mitgegründet.

     

    United4Rescue unterstützt die Seenotrettung generell – nicht nur eine bestimmte Organisation, sondern die unterschiedlichen Seenotrettungsorganisationen. In der Satzung des Trägervereins ist dieses grundsätzliche Ziel verankert, es gibt aber keine Festlegung auf bestimmte Kooperationspartner.

     

    Beim ersten, großen Projekt #wirschickeneinschiff wurde mit Sea Watch schnell ein bestens geeigneter Partner gefunden:

     

    Zum einen gibt es nicht viele Organisationen, die zusätzlich zu ihrer aktuellen Wirksamkeit noch ein weiteres Schiff dieser Größe betreiben können. Unsere Idee ist aber eben, ein zusätzliches Schiff zu haben. Sea Watch ist dazu in der Lage.

     

    Zum andern gibt es zwischen der EKD und Sea Watch seit Jahren schon an mehreren Stellen eine intensive und vertrauensvolle Zusammenarbeit. Das macht es leichter, ein neues, großes Projekt gemeinsam anzugehen.

  • Warum betreibt das Bündnis United4Rescue das Schiff nicht selbst?

    Weder das Bündnis United4Rescue noch der dazu gehörige Trägerverein haben die nötige Fachlichkeit. Das Bündnis United4Rescue verfolgt vier Ziele:

     

    1. Seenotrettung als humanitäre Nothilfe ermöglichen
    2. Kriminalisierung der Seenotrettung beenden
    3. Faire Asylverfahren für Geflüchtete
    4. Den “Sicheren Häfen” ihre angebotene Hilfe ermöglichen

     

    Das erste und das zentrale Projekt des Bündnisses heißt #wirschickeneinschiff – “von uns, von euch, von allen”, wie es in der Resolution beim Kirchentag in Dortmund heißt. Das geht am besten, wenn erfahrene Fachleute an die Arbeit gehen.

     

    Das zusätzliche Rettungsschiff muss mit großer Professionalität und Effizienz funktionieren, es geht immerhin um Menschenleben. Der Trägerverein Gemeinsam Retten e.V. ist froh, mit Sea Watch eine Partnerorganisation zu haben, die genau das leisten kann.

  • Wer ist Eigner?

    Eigner des Schiffes wird Sea Watch sein, dort liegt auch die juristische Verantwortung für die kommenden Einsätze. United4Rescue und Sea Watch werden gemeinsam beraten, in welcher Weise das Schiff eingesetzt wird.

  • Wurde der Schiffskauf mit Spendenmitteln finanziert?

    Das Bündnis United4Rescue hat die Spenden für das Schiff eingeworben. Alle, die den Schiffskauf und die zivile Seenotrettung unterstützen wollen, können dafür spenden – ob nur einmal oder auch als Dauerspende.

    Der Betrag für den Kauf des Schiffes wird vor allem über Spenden finanziert. Kirchensteuern gehen von der EKD nur in den Aufbau des Bündnisses United4Rescue, nicht aber unmittelbar in das Schiff.

  • Welchen Sinn macht es, mit viel Aufwand ein Schiff loszuschicken, das möglicherweise wenig später wieder beschlagnahmt wird?

    Jedes gerettete Leben ist diesen Aufwand wert. Sollte das Schiff behindert oder festgesetzt werden, wäre das ein humanitärer Skandal. Die EKD will damit auch ein Zeichen setzen, dass Politik nicht länger tatenlos bleibt, sondern die staatliche Seenotrettung unverzüglich wiederaufgenommen wird.

  • Ist gegenwärtig oder zukünftig ausgeschlossen, dass die Seenotretter neben einem europäischen Hafen auch einen nordafrikanischen Hafen ansteuern? Was spricht gegen Tunesien?

    Tunesien kann – wie auch Marokko – kein sicherer Hafen sein, weil es dort kein Asylsystem gibt. Amnesty International und andere Organisationen weisen auf staatliche Menschenrechtsverletzungen gegen Schutzsuchende hin. Das erste Gerichtsurteil zum Fall der Sea-Watch 3 und der Kapitänin Rackete bestätigt dies: Das italienische Gericht bestätigte, dass die Entscheidung eines Kapitäns, das libysche SAR-Gebiet in Richtung Italien zu verlassen, legitim ist, weil in Libyen und Tunesien keine „sicheren Häfen“ existieren. Vielmehr ist die Anlandung an einem Ort notwendig, an dem die Menschenrechte garantiert sind, angefangen beim Asylrecht. Tunesien bietet das nicht, auch wenn der UNHCR und lokale NGOs dort insgesamt gute Arbeit leisten und auch staatliche Behörden Fortschritte machen.

  • Ist es Aufgabe der EKD, sich in die höchst kontroversen politischen Einschätzungen, etwa über die Beurteilung Tunesiens, hineinzubegeben und auf der Basis solcher höchst kontroverser Einschätzungen politisch tätig zu werden?

    Menschen müssen in Sicherheit gebracht werden. So sieht es das internationale Seerecht vor! In den vergangenen Monaten wurde politisch alles daran gesetzt, die Rettung von Menschenleben zu verhindern und die zivile Seenotrettung zu kriminalisieren. Da darf Kirche nicht tatenlos zusehen. Vielmehr erinnert die EKD mit ihrem Handeln an Mitmenschlichkeit, Barmherzigkeit, an Solidarität mit Menschen in Not. Das eigentliche Signal der Initiative ist doch: Aufmerksam zu machen auf die Situation im Mittelmeer, das anhaltende Sterben tausender Menschen, die weitgehend tatenlose Politik, die auf europäischer Ebene immer noch keinen Verteilmechanismus finden konnte. Und auf die vielen Städte und Kommunen, die sich bereiterklärt haben, Bootsflüchtlinge aufzunehmen.

  • Wer gehört zu dem breiten gesellschaftlichen Bündnis?

    Auf den Seiten von United4Rescue finden Sie eine Übersicht über die Mitglieder des Bündnisses.

  • Welche Unterstützung gibt es aus dem diakonischen Bereich?

    Zu unseren Bündnispartnern gehört eine große Zahl von diakonischen Einrichtungen auf lokaler, regionaler und Landeskirchen-Ebene.

    Warum unterstützen Diakonie und Brot für die Welt weiterhin nicht das Bündnis?

    Sowohl die Diakonie Deutschland als auch Brot für die Welt unterstützen das Anliegen der Seenotrettung, wie es vom Bündnis United4Rescue vertreten wird. Die Diakonie Deutschland unterstützt den Trägerverein von United4Rescue durch die Mitarbeit von Frau Katharina Stamm im Vorstand.

    Das Vorhaben des Bündnisses ergänzt die vielfältigen Aktivitäten für Flüchtlinge und Migranten unter dem Dach des Evangelischen Werks für Diakonie und Entwicklung. Brot für die Welt, Diakonie Deutschland und Diakonie Katastrophenhilfe setzen sich in ihrer Arbeit gemeinsam für Flüchtlinge und Migranten ein. Das EWDE setzt hier unterschiedliche Schwerpunkte und ergänzt die Arbeit des Bündnisses United4Rescue.

    Brot für die Welt richtet sein Augenmerk auf Länder, in denen Not herrscht. Und die Diakonie Deutschland ist das Dach für eine Vielzahl von Arbeitsfeldern und Projekten hier in unserem Land. United4Rescue will durch gelingende Seenotrettung an einer Stelle quasi die Kette der Hilfe schließen: Zwischen Herkunfts- und Ankunftsländern sollen Menschen auf der Flucht nicht umkommen.

    Diakonie, Brot für die Welt und United4Rescue sind also in derselben Sache, aber mit unterschiedlichen Schwerpunkten, unterwegs.

  • Warum beteiligt sich die EKD an der Seenotrettung?

    Als Kirche und Diakonie sehen wir das Retten von Menschenleben als selbstverständliche Pflicht an. Es ist ein Gebot christlicher Nächstenliebe, Menschen, die aus ihren Heimatländern vor Krieg und Elend fliehen, nicht ihrem Elend zu überlassen. 

    Er antwortete und sprach: "Du sollst den Herrn, deinen Gott, lieben von ganzem Herzen, von ganzer Seele und mit all deiner Kraft und deinem ganzen Gemüt, und deinen Nächsten wie dich selbst." (Lukas 10,27​​​​​​)​