FriedensBibel

FriedensBibel

Viele Texte der Bibel erzählen vom Frieden stiften. Wir haben Christinnen und Christen, kirchlich Verantwortliche und Kulturschaffende um ihre Gedanken zu Friedenstexten aus der Bibel gebeten. An jedem Sonntag finden Sie hier einen neuen Beitrag – in Textform und gesprochen als Audio.

  • Nora Steen, Pfarrerin und Geschäftsführerin und theologische Leiterin des Christian Jensen-Kollegs in Breklum.

    „Frieden lasse ich euch, meinen Frieden gebe ich euch. Nicht gebe ich euch, wie die Welt gibt. Euer Herz erschrecke nicht und fürchte sich nicht.“ 
    Johannes 14,27

    Ich mag das Johannes-Evangelium. Ich schätze die klare Sprache. Kein Wort zu viel. Und keins zu wenig. Johannes redet nicht um den heißen Brei herum. Schon gleich am Anfang nicht, wenn es heißt: „Im Anfang war das Wort und das Wort war bei Gott, und Gott war das Wort.“ Baff. Das rutscht gleich ins Herz.
    So ähnlich ist es auch, wenn es um Frieden geht. Glasklar, ohne groß drum herum zu reden, steht da: „Frieden lasse ich euch, meinen Frieden gebe ich euch. Nicht gebe ich euch, wie die Welt gibt. Euer Herz erschrecke nicht und fürchte sich nicht.“ 
    Für mich persönlich heißt das: Frieden, der von Gott kommt, ist anders, als ich es erwarte. Er kommt durch die Hintertüren und gerade dann, wenn kein normal denkender Mensch mehr von Frieden sprechen würde. Wo sich ehemals verfeindete Menschen neu begegnen können. Ich habe das bei einer palästinensisch-israelischen Jugendbegegnung in Bethlehem erlebt. Feindbilder brachen auf, weil alle ihre Geschichte miteinander geteilt haben. Gott schenkt Frieden. Oft durch die Hintertür. Die Hoffnung daran, dass das immer und jeden Tag in unserer Welt passiert, will ich niemals aufgeben.

    Pfarrerin Nora Steen ist Geschäftsführerin und theologische Leiterin des Christian Jensen-Kollegs in Breklum.

     

  • Clemens Bittlinger, Pfarrer und Liedermacher

    Wer festen Herzens ist, dem bewahrst du Frieden; denn er verlässt sich auf dich.
    Jesaja 26,3

     

    „Der ist nicht auf den Kopf gefallen!“ sagen wir manchmal und meinen damit, dass jemand in der Lage ist, schnell und klar zu denken und zu handeln. Und wenn uns etwas „auf den Magen schlägt“, dann steht das Organ „Magen“ für unsere Gefühle und unser Empfindungsvermögen. In der hebräischen Sprache wird es noch spannender: Dort ist mit dem Wort „Herz“ nicht nur einfach das entsprechende Organ, sondern auch ein tiefes Verstehen und Erkennen gemeint. „Ein Mensch sieht, was vor Augen ist, Gott aber sieht das Herz an.“ (1. Samuel 16,7) lesen wir an anderer Stelle im Alten Testament. „Herz“ steht hier für die Qualität eines Menschen. Unsere Welt braucht Menschen mit einem „festen Herzen“, in sich stabile und mutige Persönlichkeiten, die den kalten Winden der Fremdenfeindlichkeit und der um sich greifenden Gleichgültigkeit standhalten, ohne dabei selbst zu verzweifeln. Wer sich im Vertrauen auf Gott dem Unfrieden dieser Welt entgegenstellt, dem hilft der Schöpfer mit seinem Schalom, innere Ruhe zu bewahren.

     

    Clemens Bittlinger
    Pfarrer und Liedermacher  

  • Christina Brudereck, Theologin und Schriftstellerin

    Über alles aber zieht an die Liebe, die da ist das Band der Vollkommenheit. Und der Friede Christi, zu dem ihr berufen seid in einem Leibe, regiere in euren Herzen.

    Kolosser 3,14-15

     

    Heilige Klamotten

     

    Eine Idee der Bibel:
    Wir könnten diese besonderen Kleider anziehen.
    Erbarmen von Herzen.
    Gütekraft.
    Dienemut.
    Menschenfreundlichkeit.
    Ausdauer.
    Nachsicht miteinander.
    Verzeihen.
    Über allem, wie ein warmer Mantel die Liebe.
    Das Herz eingehüllt in Frieden.
    Heilige, alltagstaugliche Klamotten:
    Wir könnten uns anziehen lassen von Gott.
    Dem großen Modeschöpfer.
    Um der Person, die jeweils vor uns steht, gerecht zu werden.
    Die uns fragt: „Wirst Du freundlich sein zu mir?“
    „Wirst Du das Heilige in mir achten? Auch wenn ich Dir fremd bin.“
    Wir könnten einander kleiden.
    Niemanden bloßstellen.
    Kein Feigenblatt, kein Mäntelchen.
    Ein Gewand.
    Eine Tunika, eine Robe macht Gott den Menschen schon im Paradies.
    לָבַשׁ, labash, heißt es da. Hebräisch „Kleiden“.
    Oder: „Eine Person zum Priester, zur Priesterin zu machen.“
    Eine schöne Idee.
    Wir alle sind eingekleidet.
    Tragen Zeichen der Würde.
    Der Friede schützt uns vor Kälte.
    Steht uns gut.
    Macht uns schön.

     

    Christina Brudereck
    Theologin und Schriftstellerin

  • Tim Niedernolte, Fernsehmoderator und Buchautor

    Jage aber nach der Gerechtigkeit, dem Glauben, der Liebe, dem Frieden mit allen, die den Herrn anrufen aus reinem Herzen.
    2. Timotheus 2,22

     

    Wir sollten wieder mehr auf die Jagd gehen. Mitten im Alltag, im Zweifelsfall sogar im eigenen Revier. Ein älterer Mann quält sich da nämlich grad die vier Stockwerke hoch, bepackt mit zwei schweren Taschen. Wir pirschen uns langsam heran und dann…  Zugriff!

    „Herr Biermann – darf ich Ihnen die Taschen in die Wohnung tragen?“ – Unser erstes „Opfer“ lächelt erleichtert.

    Später, beim ungeliebten Pflichttermin auf dem Bürgeramt, ziehen wir einfach mal zwei Wartenummern und quetschen uns neben genervte Menschen. Nach uns kommt eine Frau ins Amt gehetzt. Sie zieht ihre Nummer und lässt sie sich auf den letzten freien Platz fallen... Wir sind dran. Doch statt direkt ins Bürgerbüro zu gehen, erst noch zu der gestressten Dame, um ihr die zweite Nummer geben. „Sie sind als Nächstes dran.“ Verständnislose Blicke voller Dankbarkeit ernten.

    Merken Sie was? Wir sind ziemlich erfolgreich unterwegs. Und es ist noch nicht mal Mittag.

    Jagen ist so einfach, und dabei so effektiv. Es kann uns immer mehr in Fleisch und Blut übergehen. Ein Lächeln, eine Geste, ein nettes Wort. Entscheidend ist allerdings die Wahl unserer Waffe. Eine mit Liebe. Die „Wunderwaffe Wertschätzung“.

     

    Tim Niedernolte, Fernsehmoderator und Buchautor

  • Margot Käßmann, Pastorin und Landesbischöfin i. R.

    Wolf und Lamm sollen beieinander weiden; der Löwe wird Stroh fressen wie das Rind, aber die Schlange muss Erde fressen. Man wird weder Bosheit noch Schaden tun auf meinem ganzen heiligen Berge, spricht der HERR.
    Jesaja 65,25

    In Gottes Zukunft wird alles anders sein. Not und Leid haben ein Ende, Tiere leben friedlich beieinander, Menschen kennen eine Bosheit mehr. Was für eine wunderbare Vision des Propheten Jesaja! Ja, ich weiß, über Visionen wird gern gelächelt. Aber wie eng wird die Welt, wenn es keine großen Hoffnungen mehr gibt, sondern nur noch kleine zaghafte Schritte der Realpolitik?

    Die Bibel inspiriert uns durch ihre prophetischen Bilder, jetzt und hier wenn auch in kleinen Schritten unseren Beitrag zu leisten, damit sie wahr werden können. Sie sind eben gerade nicht „Opium des Volkes“, mit dem wir uns betäuben, weil wir Krieg, Leid und Not nicht ertragen und schlicht auf die kommende Welt warten. Vielmehr sind sie Antriebskraft, die Welt zu verändern, die Hoffnung nicht aufzugeben, dass Frieden möglich ist. Deshalb treten Christinnen und Christen in aller Welt für die Überwindung von Gewalt ein, deshalb engagieren wir uns in Deutschland für ein Ende der Rüstungsexporte und neue Konzepte von Konfliktlösung.

    Margot Käßmann
    Pastorin und Landesbischöfin i. R.

  • Renke Brahms, Friedensbeauftragter des Rates der EKD

    Dies habe ich mit euch geredet, damit ihr in mir Frieden habt.
    Johannes 16, 33

    Ist Frieden eher innerlich oder politisch? Oder ist das gar kein Gegensatz?

    Als Jugendlicher bin ich von einer sehr innerlichen Frömmigkeit geprägt gewesen: In Jesus Christus finde ich meinen Frieden mit Gott, mache meinen Frieden vielleicht auch mit mir selbst und meinen Unzulänglichkeiten – und mit den Menschen in meiner direkten Umgebung. An die große Politik habe ich dabei nicht gedacht. Später gehörte ich zu der Generation, die im Bonner Hofgarten mit 100 000 anderen gegen die Aufrüstung demonstriert hat. Da waren die Gefahren eines atomaren Krieges Thema und es ging um die große Politik.

    Heute weiß ich, dass beides zusammengehört. Aus welchen Quellen ich schöpfe, hat unmittelbare Auswirkungen auf meine Fähigkeit, Frieden stiften zu können. Nur weil ich in Jesus Christus Frieden finde, kann ich im Engagement für den Frieden durchhalten. Und gleichzeitig gilt: wer sich auf den Weg der Gewaltlosigkeit Jesu begibt, kann nicht nur an sich selbst denken, sondern wird immer an andere Menschen gewiesen, deren Leben von Krieg und Gewalt bedroht sind – ob sie hier bei uns leben oder im Jemen, in der Ukraine oder anderswo. So leben wir aus Gottes Frieden – und setzen uns für den Frieden ein.

    Pastor Renke Brahms ist Friedensbeauftragter des Rates der EKD und Direktor der Evangelischen Wittenbergstiftung.