Streaming von Gottesdiensten: Informationen zu GEMA, VG Musikedition und gemeinfreien Liedern

Eine Hand hält ein Smartphone mit Youtube-Logo

Im Zuge der Corona-Pandemie hat die evangelische Kirche einen Digitalisierungsschub erlebt: viele Gemeinden haben neue digitale Formen von Verkündigung ausprobiert. Und auch jetzt, wo Gottesdienste in den Kirchen wieder möglich sind, werden viele digitale Angebote fortgeführt oder sogar ausgeweitet.

Daher hat die EKD Anschlusslösungen für die Corona-Regelungen mit der VG Musikedition geschlossen, die bisher bis zum 15.9.2020 befristet waren. Sie beziehen sich auf die Nutzung von Noten und Liedtexten bei Online-Gottesdienstübertragungen und -aufzeichnungen und gelten für Gemeinden, die zur Evangelischen Kirche in Deutschland gehören.

 

Videostreaming: die neuen Regelungen in Kürze

Im Folgenden finden Sie eine Zusammenfassung der Regelungen für Gottesdienstübertragungen und – aufzeichnungen ab dem 15.9.2020. Detailregelungen & die Beantwortung häufiger Fragen finden Sie weiter unten.

 

VG Musikedition

Die Sonderregelung zur Nutzung von Noten & Liedtexten der VG Musikedition in Livestreams & Onlinevideos wird bis zum 31.12.2022 verlängert. Die bisherige „72 Stunden Regelung“ besteht nicht mehr: Videos mit Noten / Liedtexten können - vorerst bis zum 31.12.2022 - online bleiben.

Eine Einzelprüfung der Nutzung bei der VG Musikedition durch eine Anfrage bei der VG Musikedition ist jedoch nötig: Weit über 90% des kirchlichen Liedguts (und die Nutzung von Texten & Noten) in Deutschland wird durch die VG Musikedition vertreten – aber eben nicht alle Lieder.

Vorsicht: Ein Bereitstellen von Downloads ist weiterhin NICHT erlaubt – sondern nur die Einbindung in die Videos.

 

GEMA

Der Großteil der Gottesdienstübertragungen und -aufzeichnungen von evangelischen Gemeinden in Deutschland werden derzeit über YouTube realisiert.

Die Verbreitung von Livestreams und Videos über YouTube und Facebook wird bei der GEMA durch YouTube bzw. Facebook selber abgegolten, hierüber hat die GEMA eigene Vereinbarungen mit den Plattformbetreibern. Aktuell befinden wir uns bei der GEMA in einem Klärungsprozess, damit diese Möglichkeit den Gemeinden weiterhin offensteht. Eine schriftliche Bestätigung steht allerdings aus.

Die Corona-Ausnahmeregelung für die Nutzung von GEMA-geschützten Musikinhalten auf Gemeindewebseiten galt nur bis zum 15.9.2020. Die EKD ist mit der GEMA darüber im Gespräch sind, ob und wie eine weitere Nutzung aussehen könnte.

 

Gemeinfreie Lieder

Auf Nummer sicher geht man, wenn man gemeinfreie Lieder nutzt (bei denen Autor / Komponist mehr als 70 Jahre tot sind) und diese selber im Gottesdienst aufführt / singt.

Die Landeskirchen Baden & Hessen haben eine Liste gemeinfreier Lieder für den Stammteil des Evangelischen Gesangbuchs zusammengestellt, in der Sie überprüfen können, ob ein Lied gemeinfrei ist.

Bitte beachten Sie: nur die Aufführung ist gemeinfrei. Man muss also selber im Gottesdienst musizieren / singen. Und auch in diesem Fall greift für die auftretenden Musiker das Leistungsschutzrecht, das sich am besten über eine Einwilligungserklärung absichern lässt.

 

Zustimmung Mitwirkendenrechte

a) Urheberrecht (UrHG) und Leistungsschutzrecht

b) Recht am eigenen Bild (KUG §22)

c) Datenschutz (DSG-EKD)

Von jeder Person, die vor oder hinter der Kamera steht, muss die a) Einwilligung zur Übertragung der jeweiligen Nutzungsrechte von aufgeführten Werken (Predigt, Texte, musikalische Darbietung, Tanz usw.) zur Verbreitung, Vervielfältigung und Veröffentlichung eingeholt werden, b) sowie die zur Schaustellung des eigenen Bildes. c) Zudem benötigt man die Einwilligung zur Verarbeitung der personenbezogenen Daten, beispielsweise für das Einblenden des Namens.

Wenn Sie bei YouTube oder anderen Plattformen streamen oder Videos Ihrer Veranstaltung hochladen, übertragen Sie in der Regel genau diese Rechte an den Plattformbetreiber. Wenn Sie diese vorher nicht eingeholt haben, verstoßen Sie gegen die AGBs der Plattform.

Die Landeskirche Baden stellt auf Ihrer Webseite Formulare zur Verfügung, die für die Einholung der Einwilligung genutzt werden können.

 

Detaillierte Regelungen

Bei den Musikrechten gibt es ein komplexes Geflecht von Rechteinhabern: Komponisten, Textdichter/innen, Künstler/innen, Musikverlage und Verwertungsgesellschaften (GEMA, die die Rechte von einem Großteil der Komponisten, Textdichter/innen und Musikverlage vertritt; GVL, die u.a. die Ansprüche für ausübende Künstler/innen und Plattenfirmen vertritt; VG Musikedition, die ebenfalls Musikschaffende vertritt), das bei der Nutzung von Musik in Online-Gottesdiensten zu berücksichtigen ist.

Die Landeskirche Baden hat dankenswerterweise auf ihrer Webseite ausführliche Informationen und eine praktische Checkliste zu rechtlichen Fragestellungen zu Online – Gottesdiensten zusammengestellt.

Dort finden sich auch generelle Anmerkungen zu weitergehenden rechtlichen Aspekten, wie

  • Mitwirkendenrechte (Urheberrecht und Leistungsschutzrecht / Recht am eigenen Bild / Datenschutz)
  • Musikrechte (GEMA: Wiedergabe, Veröffentlichung & Vervielfältigung von Musik / Leistungsschutzrecht / Filmherstellungsrecht / VG Musikedition: Einstellen bzw. Einblenden von Noten und Liedtexten im Internet)
  • Sendelizenz

 

Weitere Fragen?

Anfragen zu diesem Thema bitten wir an den Infoservice der EKD, info@ekd.de, zu richten. 

Häufige Fragen

  • Muss ich weiterhin die Liedtexte und -noten nach 72 Stunden aus dem Netz entfernen?

    Nein, die bisherige „72 Stunden Regelung“ mit der VG Musikedition besteht nicht mehr. Videos mit Noten / Liedtexten können - vorerst bis zum 31.12.2022 - online bleiben.

  • Kann ich Onlinegottesdienste auch direkt auf meiner Gemeindeseite anbieten?

    Natürlich können Sie Ihren Onlinegottesdienst auch über eine andere Plattform als YouTube anbieten oder streamen. Allerdings müssen Sie auch dort beachten, dass Ihnen alle Rechte vorliegen. Auf der eigenen Webseite benötigen Sie dann zum Beispiel bei der Nutzung von Musik die GEMA-Genehmigung, die individuell mit der GEMA abgestimmt werden kann.

  • Warum greift der Uploadfilter von YouTube, obwohl wir ein gemeinfreies Lied selber eingespielt / eingesungen haben?

    Der Uploadfilter von YouTube ist nicht unfehlbar. Manchmal „verwechselt“ er ein live eingesungenes Stück einer Gemeinde mit einer Aufnahme, für die Rechteinhaber Rechte geltend machen. Haben Sie selber musiziert und gesungen und liegen Ihnen die Genehmigungen der Musiker vor? Dann können Sie bei YouTube widersprechen. Allerdings zeigt die Erfahrung der letzten Monate, dass es oftmals schwierig ist und lange dauern kann einen derartigen Widerspruch bei YouTube auch durchzusetzen.

  • Darf man ein YouTube-Video in einem Gottesdienst-Video einbinden?

    Technisch ist es natürlich möglich, ein YouTube Video (z.B. von einem Lied) in einem Online-Gottesdienst einzuspielen. Allerdings müssen dafür die Rechte vorliegen. Ein pragmatischer Weg ist, sich direkt an den Künstler zu wenden, dessen YouTube-Video man nutzen möchte. Das führt oft zum Erfolg. Wenn der Künstler dann den genutzten YouTube-Kanal auf seine „Whitelist“ setzt, funktioniert die Nutzung in der Regel.

  • Darf man Liedtexte als Beschreibung in ein Youtube-Video aufnehmen?

    Ja, im Beschreibungstext des Videos in Youtube können die Liedtexte hinterlegt werden. Allerdings darf kein Download z.B. einer PDF-Datei verlinkt sein.

  • Darf man ein „digitales Liedblatt“ zu einem Online-Gottesdienst online stellen?

    Während eines Livestreams können die Liedtexte z.B. auf der Gemeinde-Webseite als Webseite für die Dauer des Livestreams bereitgestellt werden. Die Liedtexte müssen aber nach Ende des Livestreams wieder entfernt werden.

    Es darf allerdings kein „Liedblatt“ (z.B. als PDF-Datei) online gestellt werden, da diese Datei heruntergeladen werden kann und über den Gottesdienst hinaus genutzt werden könnte.

    Liedtexte dürfen nicht zu einem aufgezeichneten Gottesdienst zur Verfügung gestellt werden, da sie dann längerfristig online wären und auch anderweitig genutzt werden könnten.

  • Gibt es Sonderregelungen für Bayern und Thüringen?

    Für den Satz der Lieder des Gesangbuchs in Thüringen & Bayern gibt es keine rechtlichen Sonderregelungen: der Satz der Noten darf wie der aller anderen evangelischen Gesangbücher im Rahmen der hier geschilderten Regelungen für Online-Gottesdienste genutzt werden.

  • Was passiert, wenn ich mich nicht an die Regelungen halte?

    Die rechtlichen Aspekte sollten auf jeden Fall berücksichtigt werden. Denn die Folgen können dramatisch sein: von der einfachen Sperrung von Videos (auf Youtube) bis hin zu hohen Kosten, die zum Beispiel durch Abmahnungen von Rechteinhabern wegen Rechtsverletzungen drohen.

  • Wie lange darf ein Gottesdienst aus Sicht der Datenschutz-Regelungen des DSG-EKD online bleiben?

    Das „Kirchengesetz über den Datenschutz der Evangelischen Kirche in Deutschland“ (DSG-EKD) regelt in Artikel 53 die Übertragung von Gottesdiensten: „Die Aufzeichnung oder Übertragung von Gottesdiensten oder kirchlichen Veranstaltungen ist datenschutzrechtlich zulässig, wenn die Teilnehmenden durch geeignete Maßnahmen über Art und Umfang der Aufzeichnung oder Übertragung informiert werden.“ Dieser Artikel muss allerdings in Verbindung mit Artikel 52 Absatz 1 Satz 2 gelesen werden: „Das Interesse an der nicht überwachten Teilnahme am Gottesdienst ist besonders schutzwürdig.“

    Das Datenschutzgesetz sieht auch die Teilnahme an einem Online-Gottesdienst damit als besonders schutzwürdig an. Von daher sollte darauf geachtet werden, ob Teilnehmer bei der Aufzeichnung sichtbar sind. Der Datenschutz fordert generell einen datensparsamen Umgang und die Abrufdauer sollte dem angemessen sein.

    Am besten stimmen Sie sich über die Speicherdauer und in welcher Form und unter welchen Voraussetzungen Gottesdienstteilnehmer sichtbar sein dürfen mit Ihrem Örtlich Beauftragten für den Datenschutz ab.