Die Mitglieder stellen sich vor


Der Betroffenenbeirat wurde am 26.08.2020 vom Rat der EKD für eine Amtszeit von vier Jahren berufen. Das Gremium setzt sich aus zwölf Mitgliedern zusammen und beginnt seine Arbeit nach der konstituierenden Sitzung Mitte September 2020.

Als ehrenamtlich tätiges Gremium begleitet der Betroffenenbeirat die Arbeit des Beauftragtenrates zum Schutz vor sexualisierter Gewalt und setzt sich für die Interessen anderer Betroffener im evangelischen Kontext ein.

Die Mitglieder des Betroffenenbeirates repräsentieren die unterschiedlichen landeskirchlichen und diakonischen Kontexte, in denen sexualisierte Gewalt geschieht und geschah. Bei der Zusammensetzung des Gremiums wurde auf eine angemessene Altersverteilung und Gendergerechtigkeit geachtet.  

Die Aufgaben des Betroffenenbeirates können Sie hier nachlesen.

Im Folgenden stellen sich die Mitglieder des Betroffenenbeirates in ihren eigenen Worten vor:

  • Nicolai Blank

    "Ich möchte dazu beitragen, dass Kirche Kindern, die mutmaßlich Opfer von Gewalt geworden sind, und deren Angehörigen glaubt, sie unterstützt und alle erdenklichen Maßnahmen ergreift, um die Aufklärung von Verdachtsfällen voranzutreiben – auch unabhängig von staatlichen Stellen."   

    Name: 
    Nicolai Blank

    Geburtsjahr:
    1971

    Aktueller Wohnort:
    Berlin

    Über mich:
    Ich bin Vater von drei Kindern und arbeite als Chefredakteur in Berlin. 2019 bin ich aus Protest gegen den Umgang meiner Landeskirche mit den Vorwürfen von sexualisierter Gewalt in einer evangelischen Kita aus der Kirche ausgetreten. 

    Motivation/Ziele für den Betroffenenbeirat: 
    Ich vertrete eine Gruppe von Familien, deren Kinder über sadistische und sexualisierte Gewalt in kirchlichen Kitas berichteten (und noch berichten). Nachdem wir Anzeige erstattet hatten, fühlten wir uns vom kirchlichen Träger ausgegrenzt, als Nestbeschmutzer diffamiert und auch seitens der Landeskirche in die Position von Bittsteller*innen gedrängt und abgewiesen.

    Der Umgang der Kirche mit uns und unseren Fällen hat uns traumatisiert und unser Leben auf den Kopf gestellt: Zwei Drittel der Familien sind in andere Teile der Bundesrepublik oder ihrer Stadt gezogen, haben Kitas, Schulen, Arbeitsplätze gewechselt, Karrieren unterbrochen, um für die Kinder da zu sein, um sich um Therapieplätze, Anwälte etc. zu kümmern, ihre Ehen zu retten, um das Geschehen zu begreifen, eine Haltung zu finden, sich zu vernetzen und aktiv zu werden.

    Es kann nicht sein, dass Kirche – wie wir es erlebt haben – in eine Wagenburgmentalität verfällt und auf bürokratische Belange, auf Vorschriften und Gesetze verweist. Ich möchte dazu beitragen, dass Kirche hinschaut, auch wenn es unangenehm ist und Arbeit verursacht, dass Kirche Haltung und Sensibilität entwickelt und alle Kirchenglieder bis hinunter in die Gemeinden in die Lage versetzt werden, angemessen mit den Betroffenen von sexualisierter Gewalt – und auch solchen, deren Fälle in keiner strafrechtlichen Verfolgung münden – umzugehen. 

    Ich streite dafür, dass Kirche auch jüngsten Kindern glaubt, deren Aussagen in unserem Rechtssystem selten justiziabel sind, und ihnen und ihren Angehörigen hilft. Vor allem aber muss Kirche alles in ihrer Macht stehende unternehmen, um kompromisslos und auch jenseits behördlicher Ermittlungen zu einer Aufklärung von möglichen Fällen sexualisierter Gewalt beizutragen.

  • Nancy Janz

    "Hilflosigkeit erleben wir immer wieder, in vielen verschiedenen Situationen. Nicht nur Betroffene sind oft und lange hilflos. Meine Erfahrung mit der EKD, an die ich mich gewandt hab, um Hilfe zu erfahren, hat mich gegen eine Wand von Hilflosigkeit laufen lassen. Diese Hilflosigkeit in Teilen aufzulösen und Handlungskompetenz zu erlangen wünsche ich mir für die EKD und dafür setze ich mich gern im Betroffenenbeirat ein."


    Name:
    Nancy Janz

    Jahrgang:
    1979

    Aktueller Wohnort:
    Bremen

    berufliche Tätigkeit:
    Inklusionsbeauftragte der BEK und seit mehr als 10 Jahren, als Heilpraktikerin für Psychotherapie in eigener Praxis tätig, Kunsttherapie, CoreDynamik-Therapie / Coaching, HAKOMI und Narm sind Brückenpfeiler meiner Arbeit, dabei steht der Mensch als Individuum immer im Vordergrund, mein Blick ist auf die jeweiligen Bedarfe meiner Klient*innen gerichtet, Paartherapie ist neben der Einzeltherapie ein weiterer wichtiger Bestandteil meiner Arbeit. Gerade in der Arbeit mit Menschen mit Traumatisierungen, haben diese oft Auswirkungen auf Partner*innenschaft und Familiensysteme.

    Motivation:
    Mein felsenfester Glaube daran, dass das Leben auch mit Traumatisierungen lebenswert sein kann und meine eigene Erfahrung, aus dem Sog der Traumatisierung auszusteigen und die Fähigkeit wiederzuentdecken, selbstbestimmt, selbstfürsorglich und freundlich mit mir und meinem Leben umzugehen, nähren meine Arbeit und Motivation mich im Betroffenbeirat einzubringen. Meine Arbeit in der Praxis zeigt mir täglich, wie wichtig Offenheit, Wohlwollen, Freundlichkeit, Zugewandtheit, guter und stimmiger Kontakt für die Gesundung der Seele sind. Raum haben für das was ist oder sich zeigen möchte, in der Zeit, die es braucht.

  • Katharina Kracht

    Name:
    Katharina Kracht 

    Geburtsjahr:
    1973

    Über mich:
    Seit vielen Jahren arbeite ich hartnäckig und kontinuierlich gegen alle Widerstände den wiederholten und systematischen Missbrauch an jugendlichen Mädchen durch einen Pastor der Hannoverschen Landeskirche in den 1970er, 1980er und 1990er Jahren auf.

    Motivation/Ziele für den Betroffenenbeirat:
    Noch viel zu sehr hängt der Erfolg der Aufarbeitung am persönlichen Engagement von Betroffenen. Es fehlen effektive, betroffenenfreundliche und transparente Strukturen in der EKD und in ihren Gliedkirchen.

    Auch wenn es unbequem ist: Aus den massiven Fehlern und Vertuschungen der Vergangenheit muss die Kirche lernen – um Gerechtigkeit für Betroffene zu schaffen, um Täterstrategien zu durchbrechen und um Kinder und Jugendliche heute und in der Zukunft besser zu schützen.

  • Karin Krapp

    "Es ist mir wichtig, dass Frauen und Männer, die Missbrauchserfahrungen mit sich tragen wissen, dass sie einen Platz mitten in der Kirche haben."

    Name:
    Karin Krapp

    Geburtsjahr:
    1968

    Aktueller Wohnort:
    Weimar

    Über mich:
    Arbeite als Pfarrerin in der Gemeinde, bin verheiratet und habe 2 Kinder. Ich bringe meine eigenen Missbrauchserfahrungen und die Aufarbeitung, die mich mit den Gremien und Strukturen in zwei Landeskirchen in Kontakt gebracht haben, mit.

    Motivation/Ziele für den Betroffenenbeirat:
    Sensibilisierung von Menschen in Kirche und Gemeinde für Missbrauchkontexte. Unterstützung beim Aufbau hilfreicher Strukturen für die Hilfe von Betroffenen. 

  • Kris Laufbacher

    "Ich habe eine Vision: Betroffene empfinden kein Scham- oder Schuldgefühl mehr für das, was ihnen angetan wurde, weil die Menschen der Kirche ihnen mit offenen Ohren, Herzen und Armen begegnen und sich um die bestmögliche Unterstützung zum Leben nach dem erlittenen Missbrauch einsetzen." 

    Name:
    Kris Laufbacher (Pseudonym) 

    Über mich:
    Betroffen von Gewalt in der Familie und sexueller Gewalt als erwachsene Person im kirchlichen Kontext, Mitglied der Mailingliste www.gottes-suche.de und im Team der Gottesdienste „Trotz Allem“   

    Motivation/Ziele für den Betroffenenbeirat: 
    Vernetzung Betroffener: kein/e Betroffene/r muss mehr allein unterwegs sein und schweigen.

    Ich möchte Sprachrohr und Fürsprecher für Betroffene zu den Ansprechstellen und -personen der Landeskirchen sein, wenn es um den Bedarf und notwendige Hilfen von der Kirche sowie Erwartungen an die Kirche geht.

    Ich will mich einsetzen für eine Beteiligung von Betroffenen an den Fragen und Entscheidungen der Kirche, wenn es um Missbrauch von Kindern und Erwachsenen geht. Das gilt auch für den Bereich der Gesetzestexte, Verfahren und Versorgung, der Öffentlichkeitsarbeit und Veranstaltungen für Betroffene.

  • Sophie Luise

    "Es ist mir wichtig ein Stück daran mitzuarbeiten, dass weniger /keine sexualisierte Gewalt geschieht."

    Name:
    Sophie Luise (Pseudonym)

  • N.K.D.

    "Die Menschen sollen uns zuhören und zuständige Stellen sollen dafür sorgen, dass Betroffene ihre Würde und Achtung - soweit dies möglich ist - wiedererlangen, welche weder als Kind noch als Erwachsener erlebt wurde." 

    Name: 
    N.K.D. (Pseudonym)

  • Elsa Manuela Nicklas-Beck

    "Sexualisierte Gewalt kommt einer Ermordung der Seele gleich!"

    Name:
    Elsa Manuela Nicklas-Beck

    Geburtsjahr: 
    1954

    Aktueller Wohnort:
    Kiel

    Über mich:
    1. Vorsitzende Betroffenenvertretung Pebbles e. V.
    Mitglied des regionalen Fachbeirats des Stiftung Anerkennung und Hilfe S-H, Vertreterin der Betroffenen


    Motivation/Ziele für den Betroffenenbeirat: 
    Sexualisierter Gewalt muss in unserer Gesellschaft ein Ende gesetzt werden.
     

  • Matthias Schwarz

    "Transparenz in der Aufarbeitung der Missbrauchsfälle und ein stärkeres Verständnis für die Nöte der Betroffenen, die über die Aufarbeitung des Missbrauchs oft weit hinausgehen – dies erhoffe ich mir durch die Arbeit des Betroffenenbeirates."

    Name: 
    Matthias Schwarz

    Geburtsjahr:
    1960

    Aktueller Wohnort:
    Nidda-Eichelsdorf

    Über mich:
    Ich bin seit 12 Jahren Gemeindepfarrer in zwei Dörfern in Mittelhessen, davor habe ich im „Haus der Stille“ in Hessen und dann in Berlin gearbeitet (Schwerpunkt: Exerzitienleitung und geistliche Begleitung / Einkehrkurse und spirituelle Körperarbeit). 


    Motivation/Ziele für den Betroffenenbeirat: 
    Für mich ist es wichtig, den Betroffenen eine Stimme zu geben, damit nicht nur über sie sondern mit ihnen geredet wird. 
    Eine transparente Aufarbeitung der Missbräuche halte ich für wichtig, dies sollte der Betroffenenbeirat kritisch begleiten.
    Ich möchte auch Ansprechpartner sein – für Betroffene, Fragende, Leitende…
     

  • Henning Stein

    „Aufarbeitung kann nur stattfinden mit Beteiligung der Betroffenen auf Augenhöhe.“

    Name: 
    Henning Stein

    Geburtsjahr:
    1962

    Aktueller Wohnort: 
    Witten

    Über mich: 
    Ich bin Arzt, seit 30 Jahren verheiratet und habe vier Kinder und einen Enkel. Einer meiner Söhne ist körperbehindert und wurde in einem Internat von einem Mitbewohner über einen Zeitraum von 17 Monaten missbraucht und vergewaltigt. Weder der Täter noch die verantwortlichen Erzieher wurden strafrechtlich oder zivilrechtlich zur Verantwortung gezogen. Mein Sohn leidet an einer posttraumatischen Belastungsstörung. 

    Motivation/Ziele für den Betroffenenbeirat: 
    Als Teil des großen Ganzen möchte ich gerne die Belange von Behinderten in Betroffenenbeirat vertreten. Zu meinen Zielen gehören die Forderung nach Bitte um Entschuldigung und angemessene Entschädigung.
     

  • Harald Wiester

    "Es ist keine Schande, wenn sich Gemeinden und evangelische Einrichtungen mit ihren dunklen Seiten befassen und daraus Konsequenzen ziehen, es ist vielmehr die Grundlage dafür, dass die Weitergabe kirchlicher Bindungen in Gemeinden und Werken gelingen kann und nicht auf einer Illusion beruht." 

    Name: 
    Harald Wiester

    Geburtsjahr:
    1966

    Aktueller Wohnort:
    Berlin

    Über mich:
    Meine Jugend verlief typisch evangelisch: Ich war bei den Pfadfindern (VCP), im Konfirmandenunterricht, als „Au Pair“ im Pfarrhaus und dann als Ziwi in einer Behindertenwerkstatt des Diakonischen Werks. Nach dem Studium der Verwaltungswissenschaft hatte ich beruflich mit Bürgerbeteiligung, Projektmanagement, Öffentlichkeitsarbeit und Kommunikation zu tun. Im Jahr 2017 begann ich, öffentlich über den erlebten Missbrauch bei den Pfadfindern zu sprechen. Seit 2019 bin ich in den Aufarbeitungsprozess des VCP einbegriffen, inzwischen als Mitglied im Beirat für die Aufarbeitung sexualisierter Gewalt und als Ansprechpartner für das Betroffenennetzwerk des VCP. 

    Motivation/Ziele für den Betroffenenbeirat: 
    Betroffene sexualisierter Gewalt hatten bisher keine gemeinsame Stimme innerhalb der Kirchen. Zusammen mit meinen Kolleg*innen möchte ich nun diese neue Äußerungsmöglichkeit für Betroffenenanliegen nutzen und ausbauen, damit diese wirkungsvoll eingebunden werden können in Prozesse in der EKD, damit sie in die Mitgliedskirchen hinein wirken können wie auch in die evangelischen Organisationen im Umkreis der EKD. Speziell die Jugendarbeit ist mir ein Anliegen. 
     

  • Detlev Zander

    „Dialog ist für mich ein Grundpfeiler, wenn Aufarbeitung sexualisierte Gewalt in der EKD und Diakonie gelingen soll. Ohne Aufklärung, Aufarbeitung greifen die besten Präventionskonzepte nicht. Ich möchte durch meine Mitgliedschaft im Betroffenenbeirat der EKD dazu beitragen, dass die Aufklärung, Aufarbeitung sexualisierter Gewalt in der EKD und Diakonie im Sinne der Betroffenen gelingt. Gleichzeitig möchte ich auch Brückenbauer zwischen der EKD und den Betroffenen sein.“

     

    Name: 
    Detlev Zander

    Geburtsjahr:
    geb. 26.08.1961 in Ebingen, evangelisch

    Aktueller Wohnort:
    Plattling

    Über mich:
    Ich habe viele Jahre als Pfleger im Gesundheitswesen gearbeitet. Ich bin Buchautor und habe das Netzwerk BetroffenenForum gegründet.  


    Motivation/Ziele für den Betroffenenbeirat: 
    Ich habe mehr als zehn Jahre meines Lebens im Kinderheim der Evangelischen 
    Brüdergemeinde Korntal bei Stuttgart verbracht. Mein ganzes Leben wurde von den dort erlebten 
    Misshandlungen und unzähligen Vergewaltigungen geprägt. Die Folgen sind bis heute spürbar als Beeinträchtigungen meiner Gesundheit und Verlust der Berufsfähigkeit. Ich habe mich 2014 entschlossen, die Vergangenheit der Korntaler Einrichtung ans Licht zu bringen. Ich habe den Beginn einer Aufarbeitung erzwungen und mit vielen Betroffenen ein Netzwerk aufgebaut. Die Aufarbeitung soll die tatsächlichen Geschehnisse öffentlich machen.