Mandat und Markt

9. Film- und Medienarbeit

9.1 Filmarbeit

Das Fernsehen hat die Bedeutung des Kinos vermindert. Der Film ist aber nicht durch das Fernsehen ersetzt worden. Vielmehr ist das Fernsehen für den Film zu einer wichtigen Station innerhalb einer längeren Verwertungskette geworden. Dies gilt insbesondere für das populäre Unterhaltungskino im Gegenüber zum künstlerischen Film. In den vergangenen Jahren haben der Film und das Kino wieder an Attraktivität und Bedeutung gewonnen. Im Unterschied zu anderen künstlerischen Medien entsteht der Film in der Regel in einem technisch und finanziell sehr aufwendigen Prozeß. Er ist damit Gegenstand sowohl des ökonomischen Kalküls als auch politischer Interessen und kultureller Absichten.

Die Kirche hat schon frühzeitig die Bedeutung des Films für die Kommunikation in der Gesellschaft gesehen und eine Filmarbeit aufgebaut. In publizistisch-produzierender und verbreitender Hinsicht spielt die evangelische Filmarbeit allerdings nur eine geringe Rolle. Sie hat sich auf die Wahrnehmung der kulturellen Bedeutung des Films konzentriert und hat inzwischen exemplarische Bedeutung für die neu begonnene Debatte zum Verhältnis von Kirche und Kultur insgesamt.

Im Film werden religiöse Themen in immer neuen Varianten durchgearbeitet, umgedeutet, popularisiert und verfremdet. Die evangelische Filmarbeit will ein kritisches Urteils- und Reflexionsvermögen gegenüber den Medien allgemein und die Verteidigung einer unabhängigen, künstlerisch verantworteten Filmproduktion fördern.

Im Zusammenhang der kirchlichen Filmarbeit sind folgenden Einrichtungen entstanden:

Jury der evangelischen Filmarbeit
    Seit über 40 Jahren empfiehlt die Jury der evangelischen Filmarbeit den Film des Monats. Auf diese Weise soll die Öffentlichkeit auf anspruchsvolle Filme hingewiesen werden. Die Nominierungen werden in einem Informationsblatt begründet und verbreitet. Die Zeitschrift medien praktisch veröffentlicht dazu Materialien für die Arbeit zu einzelnen Filmen. Die Jury ist ein unabhängiges Gremium, dessen acht Mitglieder von Einrichtungen und Verbänden der evangelischen Kirche benannt werden.
   
epd-Film
    Die monatlich erscheinende Fachpublikation epd-Film ist mit einer verkauften Auflage von knapp 7.000 Exemplaren (Abonnements: 5.500) die bedeutendste filmkritische Zeitschrift in der Bundesrepublik. Sie bietet ein Forum kritischer Orientierung, Meinungsbildung und intellektueller Auseinandersetzung zu Filmgeschehen und -geschichte. Die Zeitschrift hat einen jährlichen Zuschußbedarf von 171.000 DM (1996) aus dem GEP-Haushalt.
   
Interfilm
    Die internationale kirchliche Filmorganisation Interfilm fördert die Zusammenarbeit von Einrichtungen und Personen der evangelischen Filmarbeit im internationalen Bereich. Diese Organisation ist mit ökumenischen Jurys an internationalen Festivals beteiligt und veranstaltet Kurse und Fachtagungen.92
   
EKD-Filmbeauftragter
    Der nebenamtlich tätige Filmbeauftragte des Rates der EKD nimmt die filmpolitische Verantwortung der evangelischen Kirche wahr. Er vertritt die kirchliche Filmarbeit gegenüber der Öffentlichkeit, in den Gremien der Filmförderung und in den internationalen Organisationen, wie z.B. der WACC (s.u., Kapitel 12.4). In seine Zuständigkeit fällt die auch Benennung der kirchlichen Mitglieder für die Freiwillige Selbstkontrolle (FSK).
   
Referat Film und AV-Medien im GEP
Für die Koordinierung und Beratung der kirchlichen Filmarbeit, ihre Fortentwicklung und die Beteiligung am Dialog zwischen kirchlicher Filmarbeit und Öffentlichkeit ist das Fachreferat Film und AV-Medien im Gemeinschaftswerk der Evangelischen Publizistik zuständig. Das GEP gibt die Kurz- und Spielfilmlisten heraus. Die Empfehlungen für etwa je 1.000 Filme mit Inhaltsangaben und Bezugsnachweisen werden für die Bildungs- und Kinoarbeit erarbeitet. Zusammen mit den Evangelischen Akademien werden jährlich Filmgespräche und andere Veranstaltungen organisiert.

Publizistisches Ziel

Die evangelische Filmarbeit soll den Dialog zwischen Kirche und Film führen, die Urteilsbildung stützen sowie die Würdigung und Befähigung zur kritischen Wahrnehmung der Filmkultur fördern.

Empfehlungen:

  1. Durch eine Konzentration der Kräfte im Gemeinschaftswerk der Evangelischen Publizistik ist eine Stärkung der kirchlichen Filmarbeit anzustreben, ebenso eine stärkere Vernetzung der Filmaktivitäten in den Landeskirchen.
         
  2. Auf europäischer Ebene der Filmförderung und der Filmkultur soll die evangelische Filmarbeit die Zusammenarbeit mit den katholischen Stellen verstärken.
         
  3. Das Gemeinschaftswerk der Evangelischen Publizistik soll für die Projektarbeit Kino und Kirche den Gemeinden, Kirchenkreisen und kirchlichen Initiativen Themenpakete Arbeitsmaterialien und Hinweise für die Organisation von Veranstaltungsreihen anbieten.

9.2 AV-Medienarbeit

Die audiovisuellen Medien (Dias, Filme, Folien und Videos) sind im kirchlichen Unterricht, in der Jugend- und Erwachsenenbildung, in der Seniorenarbeit und bei Gottesdiensten vielfältige Hilfsmittel. Fast jede Landeskirche verfügt über eine Medienzentrale. Alle 19 Medienzentralen bilden zusammen mit der als gemeinnützig anerkannten Matthias-Film GmbH eine Arbeitsgemeinschaft. Darüber hinaus gibt es Medienstellen in regionalen kirchlichen Einrichtungen.

Die Medienzentralen haben ihren Schwerpunkt im Verleih von Filmen und AV-Medien. Sie beraten bei der Beschaffung von Geräten und veranstalten Kurse zu Medienfragen. Einige größere Medienzentralen bieten eine medienpädagogische Beratung an (Fortbildung) und engagieren sich in medienkulturellen Aktivitäten. Verschiedene Medienzentralen geben Empfehlungen und didaktische Hilfen heraus und produzieren in geringem Umfang Dia- oder Tonbildserien, vereinzelt auch Videos für kirchliche Zwecke.

Insgesamt nimmt die Ausleihe von AV-Medien seit etwa zehn Jahren ab. Dies hängt mit verbesserten Zugriffs- und Abspielmöglichkeiten zusammen. Innerhalb der einzelnen Medienarten sind unterschiedliche Entwicklungen festzustellen. 16-mm-Filme werden weniger ausgeliehen, Videos dagegen häufiger.93 Nahezu konstant ist die Nutzung von Dias und Folien. Die Nachfrage nach Einzeldias, die mit Hilfe einer Datenbank nach Stichworten gesucht werden können, steigt. Mit dem eigens entwickelten Medienverleihprogramm Antares konnte der Service der Medienzentralen erheblich verbessert werden. In einigen Medienzentralen steht eine PC-Version des Verleih-Kataloges zur Verfügung. An die Stelle des "klassischen" Verleihs tritt zunehmend die Aufgabe der Beratung, Fortbildung und Vermittlung von Medienkompetenz.

Durch die Videonutzung (Aufzeichnung von Fernsehprogrammen, Videoverleih und Verkauf von Videos) hat sich schon heute ein Element einer viel umfassenderen Medienentwicklung durchgesetzt. Unter Einschluß von Textmedien wachsen bislang bekannte Ton- und Bildmedien wie Kassette, CD, Graphik, Einzelbild, Ton-Diareihe und Videofilm durch Digitalisierung zu Multimedien zusammen, und computergestützte Multimedia-Anwendungen gewinnen einen immer größeren Markt. Aus der Produktion der Kleinmedien ziehen sich immer mehr Verlage zurück, so daß sich das Angebot neuer Titel auf diesem Sektor erheblich reduziert. Der Bedarf nach diesen Medien in einer aktuellen Fassung ist jedoch ungebrochen.

Publizistisches Ziel

Für die Praxis in Gemeinde und Bildungsarbeit halten die Medienzentralen geeignete Medien zum Verleih bereit. Sie beraten die verschiedenen kirchlichen Anwender beim pädagogischen Einsatz von AV-Medien. Sie prüfen neue Medienangebote und -techniken für den Einsatz in der praktischen Arbeit.

Empfehlungen:

  1. Die neuen Medientechniken müssen für die evangelische Medienarbeit erschlossen werden.
         
  2. Die Angebote der Medienzentralen sollen ständig erneuert und aktualisiert werden. Eine Konzentration auf qualitativ hochwertige Medienangebote soll erfolgen. Veraltete Medien, die häufig noch den Alltag kirchlicher AV-Medienarbeit bestimmen, sollen ausrangiert werden.
         
  3. Möglichkeiten von Zusammenarbeit mit katholischen Partnern, aber auch mit staatlichen und kommunalen Einrichtungen sind zu fördern und auszubauen. Solche Kooperationen erlauben eine Aufgabenteilung und machen damit Mittel frei für neue Investitionen.     
  4. Die Kommunikations-Technologien sollen für eine übergreifende und vernetzte Kooperation der Medienzentralen genutzt werden (Verleih über landeskirchliche Grenzen hinaus, Online-Abfrage der Kataloge). Nicht jede Landeskirche muß über eine eigene Medienzentrale verfügen. Langfristig sollen größere Einheiten geschaffen werden, in die auch die Medienstellen kirchlicher Einrichtungen integriert werden.
         
  5. Medienzentralen müssen sich stärker als Fachstellen für Beratung und Orientierung im Medienmarkt profilieren. Sie haben Empfehlungen zum Erwerb und Einsatz von Medien zu geben und wichtige, vor allem kostspielige Medien für den Verleih bereitzuhalten.
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