Was sagt die Bibel zur Buße?

„Best of Bible“

Wegweiser auf einem Landschaftsweg
Das hebräische Wort für Buße bedeutet übersetzt Umkehr. (Symbolbild)

Vor 500 Jahren veröffentlichte Martin Luther in Wittenberg 95 Thesen, die die Kirche und die Welt bewegten. Ihr Thema war nicht Kirchenpolitik, sondern ein heute altmodisch wirkender Begriff: „Buße“. Das hebräische Wort für Buße bedeutet übersetzt eigentlich Umkehr. Gemeint ist eine die ganze Existenz umfassende Umkehr des Sünders wieder hin zu Gott. Im Alten Testament geht sie meist mit symbolischen Handlungen, wie Opferungen, Fasten, Beten, dem Tragen grober Gewänder oder dem Bestreuen des Kopfes mit Asche einher. Das frühe Christentum verstand die Taufe als einmalige Umkehr zu Gott.

Buße heißt Umkehr

Anders als viele vermuten, hat Buße nicht in erster Line etwas mit Bestrafung zu tun, sondern meint Umkehr. Als der Prophet Jona Gottes Auftrag endlich erfüllte und den sündig lebenden Menschen in Ninive den Untergang verkündete, verstanden sie sofort, dass sie etwas ändern mussten. Sie wandten sich Gott wieder zu „und ließen ein Fasten ausrufen und zogen alle, Groß und Klein, den Sack zur Buße an.“ Selbst der König zog seinen Purpurmantel aus und machte mit. Als Gott sah, dass die Menschen bereit waren, ihr Leben zu ändern, und dass „sie sich bekehrten von ihrem bösen Wege, reute ihn das Übel, das er ihnen angekündigt hatte, und tat’s nicht.“

Zitat: „Da glaubten die Leute von Ninive an Gott und ließen ein Fasten ausrufen und zogen alle den Sack zur Buße an.“ (Jona 3,3ff)

Buße und Strafe

Zum Zeichen der Einsicht und Umkehrbereitschaft hatten die Menschen allerdings auch unterschiedliche Auflagen und Strafen auf sich zu nehmen. So heißt es im dritten Buch Mose: Wenn jemand „sich so oder so schuldig gemacht hat, so soll er bekennen, womit er gesündigt hat, und soll als Buße dem Herrn“ ein Sündopfer darbringen. Auch Geld- oder Gefängnisstrafen waren bekannt. So erlaubte König Artaxerxes dem Propheten Esra, selbst Richter über das Volk Israel einzusetzen und meinte: „Jeder, der nicht sorgfältig das Gesetz deines Gottes und das Gesetz des Königs hält, der soll sein Urteil empfangen, es sei Tod oder Acht oder Buße an Hab und Gut oder Gefängnis.“

Zitat: „Wenn er sich schuldig gemacht hat, so soll er bekennen, womit er gesündigt hat, und soll als Buße dem Herrn darbringen von der Herde ein Muttertier, Schaf oder Ziege, zum Sündopfer.“ (3. Mose 5,5f); weitere Bibelstelle Esra 7,26

In Sack und Asche

Ein verbreitetes Zeichen für Reue und Umkehr war auch das Tragen von groben Gewändern und das Sitzen in oder das Bestreuen des Kopfes mit Asche, Staub oder Erde. Auf diesen in der Bibel häufig erwähnten Brauch geht die noch heute bekannte Redewendung „in Sack und Asche gehen“ zurück. So hatte sich der König von Ninive „in den Sack“ gehüllt und „in die Asche“ gesetzt und sein Volk aufgerufen, es ihm gleichzutun. Und als das Volk Israel einst zu einem Bußgebet zusammenkam, kamen die Israeliten „in Säcke gehüllt und mit Erde auf ihren Häuptern.“

Zitat: „Darum spreche ich mich schuldig und tue Buße in Staub und Asche.“ (Hiob 42,6); weitere Bibelstellen: Jona 3,6ff; Nehemia 9,1

Versöhnungstag

Der Versöhnungstag ist einer der wichtigsten Feiertage im Judentum. An diesem Tag werden aus ehrlicher Reue über begangene Sünden Sühnopfer dargebracht. Die Bibel berichtet außerdem von einem ganz besonderen Brauch: Man wählte einen Bock aus und lud symbolisch alle Vergehen des letzten Jahres auf dessen Kopf. Dann schickte man ihn in die Wüste, damit er „alle Missetat auf sich nehme und in die Wildnis trage“. Nachdem man diese Rituale der Umkehr vollzogen hatte, konnte man befreit in ein neues Jahr gehen.

Zitat: „… dass also der Bock alle ihre Missetat auf sich nehme und in die Wildnis trage.“ (3. Mose 16,1ff)

Bußprediger

Der wohl eindringlichste Bußprediger des Neuen Testaments ist Johannes der Täufer. Überzeugt davon, dass Gottes Gerichtstag nahe bevorstehe, fragte er die Menschen: „Ihr Schlangenbrut, wer hat denn euch gewiss gemacht, dass ihr dem künftigen Zorn entrinnen werdet?“ Nicht die Herkunft zähle, sondern allein das eigene Verhalten. Daher fordert er, man solle nicht zögern und jetzt umkehren, denn „es ist schon die Axt den Bäumen an die Wurzel gelegt; jeder Baum, der nicht gute Frucht bringt, wird abgehauen und ins Feuer geworfen.“

Zitat: „Seht zu, bringt rechtschaffene Früchte der Buße.“ (Lukas 3,7ff)

Gottes Freude über Umkehr

Auch Jesus rief zur Buße angesichts der Nähe der Gottesherrschaft auf: „Tut Buße, denn das Himmelreich ist nahe herbeigekommen!“ Dabei verwies er jedoch nicht auf ein drohendes Gottesgericht, sondern auf Gottes liebevolle Zuwendung zu den Menschen. Davon erzählt zum Beispiel sein Gleichnis vom verlorenen Schaf: Wenn einem Hirten nur eines unter seinen 100 Schafen verloren gehe, meint Jesus, werde er doch die anderen alleine lassen, es suchen und sich freuen, wenn er es wiederfinde. So, betont er, werde „auch Freude im Himmel sein über einen Sünder, der Buße tut, mehr als über neunundneunzig Gerechte, die der Buße nicht bedürfen.“

Zitat: „Die Zeit ist erfüllt und das Reich Gottes ist herbeigekommen.“ (Markus 1,15); weitere Bibelstellen: Matthäus 4,17; Lukas 15,1ff

Annahme des Evangeliums

Unter den ersten Christen wurde Buße gleichbedeutend mit der bewussten Annahme des Evangeliums. Ein Zeichen für diese Art der Umkehr ist die Taufe. Der Verfasser des Hebräerbriefes betont, es sei „unmöglich“, diese Form der Buße zu wiederholen. Dass sich das Verhalten den Menschen allerdings auch durch die Taufe nicht auf einen Schlag änderte, wusste schon Paulus und klagte: „Ich fürchte, wenn ich abermals“ zu euch nach Korinth komme, „muss ich Leid tragen über viele, die zuvor gesündigt und nicht Buße getan haben für die Unreinheit und Unzucht und Ausschweifung, die sie getrieben haben.“

Zitat: „Denn es ist unmöglich, die, die einmal Anteil bekommen haben am Heiligen Geist und dann doch abgefallen sind, wieder zu erneuern zur Buße.“ (Hebräer 6,4); weitere Bibelstelle 2. Korinther 12,21

Uwe Birnstein