Gesamtsystem auf EKD-Ebene

Zusammenspiel der Gremien und Begleitorgane

Schaubild Gesamtsystem auf EKD-Ebene

EKD-Ebene

Der Beauftragtenrat zum Schutz vor sexualisierter Gewalt ist Bestandteil des 11-Punkte-Handlungsplans zum Umgang mit Fällen der sexualisierten Gewalt in der Evangelischen Kirche, der von der EKD Synode 2018 in Würzburg verabschiedet wurde. Als Beauftragte der Landeskirchen stehen diese Personen öffentlich für das Thema ein und bringen die geplanten Maßnahmen innerkirchlich wie auch außerkirchlich voran. Dazu steht der Beauftragenrat in Kontakt mit dem Betroffenenbeirat. Der Beauftragtenrat bildet sich aus Mitgliedern der Kirchenkonferenz und wird vom Rat der EKD berufen. Der Beauftragtenrat und seine Geschäftsführung in der Fachstelle Sexualisierte Gewalt stehen im engen Austausch und koordinieren die laufenden Prozesse.

Ein weiteres Gremium auf EKD-Ebene ist der Betroffenenbeirat. Dieser wurde in Umsetzung des 1. Punktes des 11-Punkte-Handlungsplan vom Rat der EKD als Fachgremium beim Beauftragtenrat berufen. Der Betroffenenbeirat begleitet die Arbeit des Beauftragtenrates aus der Sicht Betroffener bei der Weiterentwicklung des Umgangs mit Fragen sexualisierter Gewalt in der EKD und der Diakonie. Er begleitet zudem den Austausch und die Vernetzung Betroffener im Bereich der EKD. Durch die grundsätzliche Verzahnung der Gremien, findet ein regelmäßiger Austausch zwischen PIH-K, Vorsitzenden der Unabhängigen Kommissionen, Beauftragtenrat und Betroffenenbeirat statt. Die Fachstelle Sexualisierte Gewalt unterstützt den Betroffenenbeirat in Fragen der Geschäftsführung, stellt Informationen bereit und steht für Anfragen zur Verfügung.

Die Fachstelle Sexualisierte Gewalt im Kirchenamt der EKD unterstützt die Anstrengungen gegen sexualisierte Gewalt in den Landeskirchen sowie in den verschiedenen Gremien auf der Ebene der EKD. Ihre Aufgabe ist es, die weitere Umsetzung des 11-Punkte-Handlungsplans zu begleiten und die Arbeit der evangelischen Kirche im ganzen Aufgabenspektrum von Betroffenenpartizipation, Aufarbeitung, Prävention, Intervention und Hilfe zu koordinieren.  Sie stellt die Schnittstelle zwischen den Gremien dar und befördert ihre Vernetzung.
 

Strukturübergreifend

Die strukturübergreifenden Gremien und Hilfsangebote sind sowohl auf landeskirchlicher als auch auf EKD-Ebene angesiedelt: Die 2011 entstandene PIH-K ist eine Bündelung der Fachkompetenzen der  Landeskirchen, der diakonischen Werke & anderer evangelischer Organisationen. Für eine intensive Vernetzung wurde ein regelmäßiger Erfahrungsaustausch einberufen mit dem Titel „Konferenz für Prävention, Intervention & Hilfe bei Verletzung der sexuellen Selbstbestimmung“ (PIH-K). In diesem Fachgremium wird die laufende Arbeit koordiniert und weiterentwickelt.

Ein weiterer, strukturübergreifender Bestandteil des Gesamtsystems sind die Unabhängigen Kommissionen. Die Landeskirchen, in denen Fälle sexualisierte Gewalt gemeldet wurden, haben einzeln oder in Zusammenschlüssen diese Kommissionen eingerichtet, die den Betroffenen sexualisierter Gewalt Anerkennungsleistungen zusprechen können. Dies kann erfolgen, wenn die Geschehnisse staatlicherseits bereits verjährt sind und Ansprüche gegenüber Täter*innen nicht mehr möglich oder zumutbar sind. Die Kommissionen sind in ihrer Entscheidungsfindung frei und nicht an Weisungen der Kirchenleitungen gebunden. Ziel der Unabhängigen Kommissionen ist die freiwillige Unterstützung durch immaterielle Hilfen und materielle Leistungen in Anerkennung erlittenen Unrechts. Dabei arbeiten die Kommissionsmitglieder eng mit der zuständigen Ansprechstelle der Landeskirche zusammen. Auf EKD-Ebene findet ein regelmäßiger Austausch mit den Vorsitzenden oder verantwortlichen Personen der Unabhängigen Kommissionen statt.

Als ein strukturübergreifendes Hilfsangebot nimmt die Zentrale Anlaufstelle.help Meldungen Betroffener entgegen, bietet ein erstes fachliches Gespräch an und vermittelt auf Wunsch an kirchliche und diakonische Ansprechstellen weiter. Sie informiert aber auch über alternative und unabhängige Beratungsangebote. Ziel der Anlaufstelle.help ist eine erste unabhängige und zentrale Ansprechstelle für Betroffene zu sein sowie eine Lotsenfunktion anzubieten, um Betroffene an die jeweiligen zuständigen Personen in den Landeskirchen zu vermitteln. Die Zentrale Anlaufstelle.help wird unabhängig und extern von einer Fachberatungsstelle für die EKD betrieben.
 

Landeskirchliche Ebene

Auf Ebene der Landeskirchen bieten die Ansprechstellen einen Erstkontakt und stellen eine sog. Clearingstelle für Betroffene sexualisierter Gewalt dar. Die Ansprechstelle soll darüber hinaus die Prävention in der Landeskirche koordinieren und unterstützen. Zudem fördert sie die Vernetzung und Kooperation im kirchlichen, diakonischen und gesellschaftlichen Bereich. Ziel der Ansprechstelle ist die Beratung und Unterstützung für Betroffene sexualisierter Gewalt.

In Ergänzung zu den Ansprechstellen sind auf landeskirchlicher Ebene auch sogenannte Meldestellen in Umsetzung. Diese sorgen für die Erfassung & Bearbeitung von begründeten Verdachtsfällen oder spezifischen Anhaltspunkten sexualisierter Gewalt innerhalb evangelischer Einrichtungen und Gemeinden. Ziel der Meldestelle ist die Etablierung einer offiziellen Stelle, die Meldungen von haupt- und nebenberuflichen sowie ehrenamtlichen Mitarbeitenden entgegennimmt, bearbeitet, statistisch erfasst und weiterführende Maßnahmen veranlasst.