Positionsbestimmung „Israel-Palästina der Evangelischen Mittelost-Kommission"

2. Auflage, Mai 2017

EKD-News

Die im Jahr 2009 herausgegebene Positionsbestimmung „Israel-Palästina“ der Evangelischen Mittelost-Kommission (EMOK) wird Ende Mai in 2. Auflage mit neuem Vorwort, ansonsten jedoch unverändert veröffentlicht. Zuvor hatten die Mitglieder der Vollversammlung der EMOK erklärt, dass sie nach wie vor an den Grundlinien dieses Papiers festhalten, womit sie das Ziel einer friedlichen Existenz des israelischen und palästinensischen Volkes auf der Grundlage eines gerechten Friedens bekräftigen.

Die Mitgliedsorganisationen der EMOK repräsentieren ein breites Spektrum von mit dem Nahen und Mittleren Osten verbundenen kirchlichen Institutionen und Werken, deren Partnerschaftsarbeit eine Solidarität mit der israelischen Seite oder der palästinensischen Seite bedingt oder die im christlich-jüdischen bzw. christlich-muslimischen Dialog engagiert sind. Diese verschiedenen Beziehungsebenen und Kontexte werden in der Positionsbestimmung aufeinander bezogen, indem die Verbundenheit von Christen aus Deutschland einerseits mit dem Staat Israel und dem jüdischen Volk, sowie andererseits mit palästinensischen Christen zum Ausgangspunkt der Überlegungen gemacht wird. Diese doppelte Verbundenheit wird sodann in zwei Hauptabschnitten zu „Israel“ und „Palästina“ entfaltet, jeweils mündend in mögliche und bewährte Handlungsoptionen. In einem dritten Schritt werden beide Bezüge miteinander in Beziehung gesetzt, wobei die Notwendigkeit von Freiheit und Sicherheit sowie eines Friedens unter gerechten Bedingungen hervorgehoben wird und Möglichkeiten und Grenzen der Kritik reflektiert werden.

Mit Veröffentlichung der 2. Auflage der Positionsbestimmung verweist die EMOK ausdrücklich darauf, dass die inhaltlichen Aussagen des Papiers nach wie vor ihre Position beschreiben. Damit bekräftigt die EMO aktuell die international anerkannte Perspektive einer Zweistaatenlösung, wenngleich ihre Mitglieder nicht die Augen davor verschließen, dass die Gründung eines palästinensischen Staates immer weniger realistisch erscheint. Die anhaltende und mittlerweile fünfzig Jahre andauernde Besatzungspolitik Israels erscheint dabei als erhebliches Hindernis für eine gerechte Friedenslösung, ebenso wie der Siedlungsbau, die Konfiskation von Land und der Verlauf der israelischen Sperranlagen. Mit Sorge registrieren die Mitglieder der EMOK, dass die Gewalt auf beiden Seiten weitergeht, dass Dialoge verweigert werden und dass diejenigen zunehmend unter Druck geraten, die den Kontakt zur jeweils anderen Seite aufrechterhalten wollen. Auch wird auf beiden Seiten zunehmend die Arbeit von Initiativen behindert, die sich für Menschenrechte, Versöhnung und Gewaltüberwindung einsetzen.

Der Berliner Bischof Markus Dröge ruft als Vorsitzender der EMOK in seinem Vorwort die evangelischen Christen in Deutschland auf, die vielfältigen gewachsenen Beziehungen zu Menschen sowohl in Israel als auch in Palästina, gerade in der aktuell verschärften Situation zu vertiefen und zu stärken und beiden Seiten Fairness widerfahren zu lassen. „Im Sinne einer Selbstverpflichtung und eines Appells bekräftigen die Mitglieder der EMOK erneut, dass Kritik in fairer Weise zu üben ist und dass Menschenrechtsverletzungen auf beiden Seiten zu benennen sind und dass immer auch die Sicht der jeweils anderen Seite wahrzunehmen und zu respektieren ist, so schwierig das mitunter auch sein mag.“ In diesem Sinne will die Erklärung Gemeinden, Gruppen und Institutionen der evangelischen Kirche Orientierung geben und zur Auseinandersetzung herausfordern.

Die 2. Auflage der Positionsbestimmung der EMOK wird mit Zustimmung des Rates der EKD veröffentlicht. Der Ratsvorsitzende Landesbischof Prof. Dr. Heinrich Bedford-Strohm hat anlässlich des Erscheinens der Neuauflage das Anliegen des Papiers unterstrichen, dass Gemeinden, Gruppen und Institutionen der evangelischen Kirche mit den Menschen in Israel und Palästina verbunden bleiben und sich weiterhin für ihre friedliche Zukunft einsetzen sollten. Besonders wichtig sei ein Engagement, das sich konstruktiv auswirke und vermittelnd und versöhnend sei.

Die Evangelische Mittelost-Kommission ist ein ständiger Arbeitskreis der EKD. Sie hat derzeit 33 Mitglieder und setzt sich aus Landeskirchen, Einrichtungen und Werken zusammen, die durch ihre Arbeit dem Nahen und Mittleren Osten besonders verbunden sind.