Familien in der Bibel

Bibelserie „Best of Bible“

Die bekannteste Familie der Bibel ist momentan – wie alle Jahre wieder – in unzähligen Weihnachtskrippen zu sehen. Neben Maria, Josef und dem Jesuskind erzählt die Bibel aber noch von vielen weiteren Familien.

Maria, Josef und Jesus als Krippenfiguren

Die bekannteste Familie der Bibel: Maria, Josef und Jesus. Aber ganz so harmonisch wie in unseren Weihnachtskrippen dargestellt, war es wohl nicht in Jesu Familie.

Die erste Familie

Harmonie und Familie – dieser Zusammenhang ist nicht zwingend. Schon die allererste Familie der Menschheit litt unter ziemlichen Problemen und Aggressionen. Nachdem Adam und Eva das Paradies hatten verlassen mussten, bekamen sie zwei Söhne. Kain brachte Abel um – ein Brudermord, wie er im Buche steht. Motiv: Neid. Denn Gott hatte vermeintlich mehr auf Abels Opfer geachtet als auf Kains. Der wurde darüber so wütend, dass er seinen Bruder aufs Feld lockte und erschlug. „Soll ich meines Bruders Hüter sein?“ antwortete Kain Gott auf dessen Frage, wo denn Abel sei. Nach dem tragischen Geschehen beschließen Adam und Eva, ein drittes Kind zu zeugen: Set wird geboren.

Zitat: „Die Stimme des Blutes deines Bruders schreit zu mir von der Erde.“ (1. Mose 4,10)

Noahs Familie

Familienzusammenhalt rettet über Katastrophen: Dafür ist die Geschichte des Noah und seiner Familie ein Symbol. Als Gott „sah, dass der Menschen Bosheit groß war auf Erden, da reute es ihn, dass er die Menschen gemacht hatte.“ Er beschloss, alle Menschen und Tiere durch eine große Flut zu vernichten. Nur Noah „fand Gnade vor dem Herrn“. Gott wies ihn an, eine Arche zu bauen, und sagte zu ihm: „Geh in die Arche, du und dein ganzes Haus, denn dich habe ich gerecht erfunden.“ Neben seiner Familie sollte Noah auch von jeder Tierart mindestens ein Pärchen auf der Arche unterbringen. Vierzig Tage lang dauerte die Sintflut. Erst als die Erde wieder trocken war „ging Noah heraus mit seinen Söhnen und mit seiner Frau und den Frauen seiner Söhne, dazu allen wilden Tieren.“ Gott segnete Noah und seine Söhne und forderte auf, viele Familien zu gründen: „Seid fruchtbar und mehret euch und füllet die Erde.“

Zitat:  „Geh in die Arche, du und dein ganzes Haus.“ (1. Mose 6ff)

Abraham, Sara und Hagar

Die heutige hohe Scheidungsrate ist verantwortlich für Patchworkfamilien? Mitnichten. Die gab es schon in biblischen Zeiten. Die Halbbrüder Ismael und Isaak waren lange getrennt und trafen sich schließlich am Grab ihres Vaters Abraham wieder. Der hatte auf Geheiß seiner Ehefrau Sarah ein Kind mit der Magd Hagar gezeugt und nannte den Sohn Ismael. Unerwarteterweise bekam Sarah in hohem Alter dann doch noch ein Kind: Isaak. Offensichtlich konnte Sarah sich mit der schwierigen Familiensituation nicht arrangieren; sie bat Abraham, Hagar und Ismael in die Wüste zu treiben.

Zitat: „Und es begruben ihn seine Söhne Isaak und Ismael in der Höhle Machpela.“ (1. Mose 25,1-18); weitere Bibelstelle 1.Mose 16,1ff 

Esau und Jakob

Und noch ein Familienzwist: Isaak und Rebekka hatten Zwillingssöhne, die unterschiedlicher nicht sein konnten. Esau, der Liebling des Vaters, ein Jäger, der über die Felder zog, und Jakob, der Liebling der Mutter. ein „gesitteter Mann“, der lieber bei den Zelten blieb. Der Streit zwischen den beiden Zwillingen hatte schon im Mutterleib begonnen: Jakob hielt Esau an der Ferse fest, so als wolle er verhindern, dass Esau zuerst das Licht der Welt erblickt. Den Erstgeburtssegen luchste er ihm später wieder ab – Grund genug für einen standesgemäßen Brüderzwist. Doch statt zum Showdown kommt es nach Jahren zur tränenreichen Aussöhnung.

Zitat: „Esau aber lief ihm entgegen und herzte ihn und fiel ihm um den Hals und küsste ihn und sie weinten.“ (1. Mose 33,4); weitere Bibelstellen 1. Mose 25,19ff1. Mose 27; 1. Mose 36

Familie in den Zehn Geboten

Die „Zehn Gebote“ schützen die Familie gleich auf mehrfache Weise. Die Forderung, Vater und Mutter zu ehren, schützt die Beziehung zur älteren Generation. Das Ehebruchverbot setzt sich für eine verbindliche Beziehung zwischen den Ehepartnern ein. Das Verbot, etwas zur Familie eines anderen Gehöriges zu begehren, schützt die eigene wie die fremde Familie vor Übergriffen. Die Familie als kleinstes soziales Gefüge wurde also auch damals sehr geschätzt.

Zitat: „Du sollst nicht begehren deines Nächsten Frau, Knecht, Magd, Rind, Esel noch alles, was dein Nächster hat.“ (2. Mose 20,17)

Jesus und seine Familie

Ganz so harmonisch wie in unseren Weihnachtskrippen dargestellt, war es wohl nicht in Jesu Familie: „Als Maria, seine Mutter, dem Josef vertraut war, fand es sich, ehe er sie heimholte, dass sie schwanger war von dem heiligen Geist. Josef aber, ihr Mann, war fromm, gedachte aber, sie heimlich zu verlassen“, heißt es zum Beispiel im Matthäusevangelium. Josef verlässt Maria dann allerdings doch nicht. Dafür scheint der erwachsene Jesus nicht immer sonderlich viel von seiner Familie gehalten zu haben und diese nicht von ihm: Als er einmal in seiner Heimatgegend lehrte, munkelten die Leute: „Ist er nicht der Sohn des Zimmermanns? Heißt nicht seine Mutter Maria und seine Brüder Jakobus und Josef und Simon und Judas? Und seine Schwestern, sind sie nicht alle bei uns?“ Die Menschen ärgerten sich über den seltsamen Prediger. Jesus antwortete ihnen: „Ein Prophet gilt nirgends weniger als in seinem Vaterland und in seinem Haus.“

Zitat: „Heißt nicht seine Mutter Maria und seine Brüder Jakobus und Josef und Simon und Judas?“ (Matthäus 13,55ff); weitere Bibelstelle Matthäus 1,18ff

Die wahre Familie

Jesus fühlte sich mit seiner Herkunftsfamilie offensichtlich nicht sonderlich verbunden. Das zeigt auch eine weitere Überlieferung: Als er noch zu dem Volk redete … da sprach einer zu ihm: Siehe, deine Mutter und deine Brüder stehen draußen und wollen mit dir reden. Er antwortete aber und sprach: Wer ist meine Mutter und wer sind meine Brüder?“ Und dann zeigte Jesus mit großer Geste seine wahre Familie, die Menschen, die sich um ihn gesxchart hatten und seiner Botschaft des nahen Gottesreiches vertrauten: „Siehe da, das ist meine Mutter und das sind meine Brüder!“

Zitat: „Wer ist meine Mutter und wer sind meine Brüder?“ (Matthäus 12,46ff)

Uwe Birnstein


Lese-Tipp:

Albert Biesinger: Wie Gott in die Familie kommt. Zwölf Einladungen, München 2008