Konzept für einen Betroffenenbeirat

auf EKD-Ebene zum Thema „Sexualisierter Gewalt“

I. Aufgabenstellung des Betroffenenbeirates

Der Betroffenenbeirat begleitet die Arbeit des Beauftragtenrates aus der Sicht Betroffener bei der Weiterentwicklung des Umgangs mit Fragen sexualisierter Gewalt in der EKD und der Diakonie. Er begleitet weiter den Austausch und die Vernetzung Betroffener im Bereich der EKD.

Er ist Impulsgeber und erarbeitet eigene Positionen und Vorschläge hinsichtlich geplanter Maßnahmen und setzt sich kritisch mit vorhandenen Strukturen und Regelungen zum Umgang mit sexualisierter Gewalt in der EKD und Diakonie auseinander.

Der Betroffenenbeirat vermittelt die Anliegen der Betroffenen an den Beauftragtenrat, er begleitet die Fragestellungen und Maßnahmen der EKD und der Diakonie in den Bereichen Prävention, Intervention und Aufarbeitung durch Stellungnahmen an den Beauftragtenrat.

II. Zusammensetzung

Der Betroffenenbeirat besteht aus zwölf Mitgliedern.

Bei der Zusammensetzung des Betroffenenbeirates sollen die unterschiedlichen evangelischen Kontexte, in denen sexualisierte Gewalt geschah und geschieht, berücksichtigt werden. Dazu zählen u.a. insbesondere

  • Kinder- und Jugendarbeit in Kirchengemeinden durch Hauptamtliche
  • Einrichtungen und Dienste Minderjährige und Volljährige in Macht- und Abhängigkeitsverhältnissen (Hilfen zur Erziehung, Internate, Kindertageseinrichtungen, Einrichtungen der Behindertenhilfe)
  • Kinder- und Jugendarbeit, die von Ehrenamtlichen begleitet wird (z. Bsp. Jugendfreizeiten, etc.)

Die Mitglieder des Betroffenenbeirates sollen:

  • Betroffene von sexualisierter Gewalt in der Kindheit und Jugend bzw. im Erwachsenenalter in Macht- und Abhängigkeitsverhältnissen, unter anderem auch Angehörige und gesetzliche Betreuerinnen und Betreuer, aus dem Bereich einer Gliedkirche der EKD bzw. der Diakonie,
  • unterschiedlichen Alters
  • aus den verschiedenen evangelischen Gefährdungskontexten
  • gender- und diversitätsbewusst

sein. Die Mitgliedschaft in der evangelischen Kirche ist nicht vorausgesetzt.

III. Organisationsrahmen

1. Dauer der Tätigkeit

Die Mitarbeit im Betroffenenbeirat beginnt mit der Berufung durch den Rat der EKD und endet nach Ablauf einer Amtszeit von jeweils vier Jahren. Regelungen zum vorzeitigen Ausscheiden aus dem Betroffenenbeirat regelt eine Geschäftsordnung.

2. Grundsätzliches

Die Sitzungen des Betroffenenbeirates sind vertraulich und nicht-öffentlich. Die Wahrung der Vertraulichkeit wird dadurch gewährleistet, dass die Mitglieder des Betroffenenbeirates eine Verpflichtungserklärung auf das Datengeheimnis unterzeichnen.

Die Mitglieder des Beirats erhalten für ihre Tätigkeit eine Aufwandsentschädigung bis zu 300,- Euro pro Sitzungstag und ihnen werden die Reisekosten erstattet.

Regulärer Tagungsort des Betroffenenbeirates ist Hannover. Art und Weise der Durchführung seiner Sitzungen soll der Betroffenenbeirat selbständig gestalten.

3. Tagungsrhythmus

Der Betroffenenbeirat tagt in der Regel mindestens zweimal jährlich. Aufgrund tagesaktueller Begebenheiten kann der Betroffenenbeirat auch außerplanmäßig zusammenkommen. Dies gilt insbesondere nach der erstmaligen Berufung des Betroffenenbeirates zu Beginn der ersten Amtszeit. Außerdem ist auch einmal jährlich eine Klausurtagung möglich.

Die EKD sorgt für die Geschäftsführung, um die Organisation und die laufende Information des Betroffenenbeirates sicherzustellen.

4. Anbindung des Betroffenenbeirates an die fachliche Arbeit der EKD

Zwischen dem Betroffenenbeirat und Vertreterinnen und Vertretern der Kirche und Diakonie findet mindestens einmal jährlich ein Austausch statt. Dieser dient dem Zweck, die Arbeit des Betroffenenbeirates mit derjenigen auf EKD-Eben, landeskirchlicher und diakonischer Ebene zu verzahnen, als Ansprechpartner zur Verfügung zu stehen und Impulse, die vom Betroffenenbeirat ausgehen, aufzunehmen.

An den gemeinsamen Sitzungen nehmen teil

  • die berufenen Mitglieder des Betroffenenbeirates,
  • die oder der Sprecherin/Sprecher oder ein weiteres Mitglied des Beauftragtenrates,
  • die oder der Vertreterin/Vertreter von Diakonie Deutschland im Beauftragtenrat,
  • höchstens vier Mitglieder der Konferenz für Prävention, Intervention und Hilfe bei Verletzung der sexuellen Selbstbestimmung (PIH-K), die von der Konferenz bestimmt wurden,
  • die Geschäftsführung der PIH-K.

5. Zusammenarbeit mit weiteren Expertinnen und Experten

Je nach Themenschwerpunkt können zu den Sitzungen des Betroffenenbeirates weitere Expertinnen und Experten (z.B. Betroffene aus nicht kirchlichen Bereichen oder Angehörige von Betroffenen) zur Beratung eingeladen werden, wenn dies für den fachlichen Austausch dem Gremium sinnvoll erscheint, die Mitglieder des Beirats es wünschen und das bereitgestellte Budget ausreicht.

6. Anbindung des Budgets

Das für die Arbeit des Betroffenenbeirates notwendige Budget wird bei der Geschäftsführung der (PIH-K) eingerichtet. Angefallene Kosten werden dort geltend gemacht und Quittungen und Belege dort eingereicht.

7. Geschäftsordnung

Der Betroffenenbeirat kann sich eine Geschäftsordnung geben. In dieser wird unter anderem geregelt, wer die Mitglieder des Betroffenenbeirates zu den Sitzungen einlädt, wer die Sitzungen leitet und wer welche Funktion (Vorsitzende, Sitzungsleitung, Sprecherin/Sprecher usw.) innehat.

IV. Besetzungsverfahren

Für die Besetzung des Betroffenenbeirates wird ein Auswahlverfahren durchgeführt. Die Interessenbekundung für die Mitwirkung im Betroffenenbeirat erfolgt über einen Fragebogen sowie über ein Motivationsschreiben.

Die eingegangenen Interessensbekundungen werden von einem Auswahlgremium gesichtet. Als Leitfaden für die Auswahl der Interessierten dient ein vorher erstelltes Anforderungsprofil.

Die Mitglieder des Auswahlgremiums führen mit den ausgewählten Interessentinnen und Interessenten ein persönliches Gespräch und wählen auf dieser Grundlage die Personen des Betroffenenbeirates aus, die dem Rat der EKD zur Berufung vorgeschlagen werden.

1. Zusammensetzung des Auswahlgremiums

Der Rat der EKD beruft sechs Personen, die das Auswahlgremium bilden. Das Auswahlgremium setzt sich aus zwei Mitgliedern des Beauftragtenrates und weiteren vier unabhängigen Personen aus folgenden Organisationen zusammen:

  • zwei Mitglieder des Betroffenenrates des UBSKM, die dieser vorschlägt,
  • zwei Mitarbeitende aus spezialisierten Fachberatungsstellen (Schwerpunkt: sexualisierte Gewalt), die vom Beauftragtenrat vorgeschlagen werden.

Die Geschäftsführung der PIH-K begleitet das Auswahlverfahren geschäftsführend.

2. Aufruf zur Mitwirkung im Betroffenenbeirat

Der Aufruf zur Mitwirkung im Betroffenenbeirat soll möglichst über unterschiedliche Kanäle und Verteiler erfolgen:

  • Über einen Aufruf durch die Sprecherin des Beauftragtenrates,
  • über eine Pressemitteilung der EKD und über Facebook,
  • über einen Aufruf auf den landeskirchlichen Internetseiten,
  • über die Mitglieder des Betroffenenrates des UBSKM und über die Internetseite des UBSKM, sofern dieser zustimmt,
  • über Mund-zu-Mund-Propaganda unter den Betroffenen
  • durch Information an bekannte Betroffenenverbände und durch Information an die BKSF (Bundeskoordinierung Spezialisierter Fachberatung gegen sexualisierte Gewalt in Kindheit und Jugend)

Die Bewerbungsfrist sollte mindestens zehn Wochen betragen.

                                                                                                                                             Stand, 30.10.2019

Konzept für einen Betroffenenbeirat