Themenheft zum Sonntag Reminiszere 2023 erschienen

Fürbitte für Bedrängte und Verfolgte in Äthiopien

In vielen Ländern der Welt werden Christinnen und Christen verfolgt, bedrängt und in ihrer Religionsfreiheit eingeschränkt. Aus diesem Grund ruft die Evangelische Kirche in Deutschland (EKD) seit 2010 am Sonntag Reminiszere Kirchen und Gemeinden dazu auf, für bedrängte und verfolgte Glaubensgeschwister zu beten und sich auch auf andere Weise für diese einzusetzen. Dazu erscheint jährlich eine Publikation, die ein bestimmtes Land in den Blick nimmt. Am 5. März 2023 steht Äthiopien im Fokus.

Das Materialheft bietet Hintergrundtexte, Interviews und aktuelle Informationen zu Kirche und Gesellschaft, Politik und Geschichte, sowie liturgisches Material zur Gottesdienstgestaltung. Fotos von Menschen, religiösen Stätten und Ikonen zeigen den spirituellen und kulturellen Reichtum der äthiopischen Christenheit, deren Anfänge bis ins vierte Jahrhundert zurückreichen. Deutlich wird aber auch, wie sehr die Menschen und dieses kulturelle Erbe durch den Krieg in Tigray und die damit verbundene humanitäre Katastrophe bedroht sind.

„Äthiopien ist eines der ältesten christlichen Länder und hat ein ungemein reiches spirituelles und kulturelles Erbe. Gleichzeitig ist Äthiopien heute ein geschundenes und verwundetes Land“, sagt EKD-Auslandsbischöfin Petra Bosse-Huber. Durch Dürre, Hunger und jüngst den Krieg in der nördlichen Region Tigray hätten Hunderttausende ihr Leben verloren. 2,5 Millionen Menschen seien auf der Flucht und bedeutende Kirchen und Klöster durch den Krieg gefährdet. „Die Ursachen für die Konflikte sind hochkomplex und von außen oft nur schwer zu durchschauen. Dass es aber zu einer humanitären Katastrophe gekommen ist, ist ein Skandal!“, sagt Bosse-Huber. Es sei bitter, dass auf allen Seiten der Kämpfe auch Christinnen und Christen beteiligt seien. „Beten wir für sie und bitten wir mit ihnen um Rettung, um Versöhnung, um Frieden. Danke, wenn Sie in Ihren Kirchen und Gemeinden für Äthiopien beten und die Menschen wissen lassen, dass sie nicht vergessen sind“, so die EKD-Auslandsbischöfin.

Die Publikation ist online abrufbar unter https://www.ekd.de/reminiszere2023 und wird ebenfalls als Printausgabe kostenfrei abgegeben. Bitte wenden Sie sich an veronique.mussmann@ekd.de.

Hintergrund Äthiopien
Das Christentum hat eine lange Geschichte in Äthiopien. Wertvolle Handschriften, Ikonen, ein lebendiges klösterliches Leben und die selbstverständliche Integration religiöser Symbole und Feste in den Alltag der Menschen zeugen noch heute davon. Laut der äthiopischen Tradition breitete sich das Christentum in dem Land am Horn von Afrika bereits in der apostolischen Zeit aus, und zwar dank dem „äthiopischen Kämmerer“, der durch den Apostel Philippus getauft wurde (Apg 8,26–40). Vom vierten Jahrhundert bis 1974 blieb das Christentum Staatsreligion. Auch heute bekennt sich die Mehrheit der Bevölkerung Äthiopiens (etwa 60 Prozent) zum christlichen Glauben. Ähnlich wie das Christentum blickt auch der Islam auf eine lange Geschichte in Äthiopien zurück. Noch zu Lebzeiten des Propheten Mohammed soll eine Gruppe von Muslimen im Jahr 615 nach Äthiopien geflohen und dort für mehrere Jahre Zuflucht gefunden haben. Heute ist der Islam die zweitgrößte Religion des Landes. Etwa ein Drittel der gut 80 Millionen Äthiopierinnen und Äthiopier sind muslimischen Glaubens. Das Zusammenleben von Christen und Muslimen funktioniert im Großen und Ganzen.

Konflikte und Kriege entzünden sich in Äthiopien häufig an ethnischen Grenzen. Bis heute spielt die ethnische Abstammung eine wichtige Rolle, wobei sie nicht als alleinige Erklärung für die jüngsten kriegerischen Entwicklungen in mehreren Regionalstaaten herangezogen werden darf. Vielmehr ist die Frage der Ethnizität oft nur ein Brandbeschleuniger bei Machtkämpfen zwischen einem modernistischen Zentralstaat und Regionen, die bis ins 19. Jahrhundert selbstständig waren. So jetzt auch wieder im Krieg in Tigray. Das Heft geht auf diese komplexen Zusammenhänge ein und möchte das Interesse und Verständnis für dieses Land wecken und zum Gebet für die Menschen in Äthiopien aufrufen.

Hannover, 24. November 2022

Pressestelle der EKD
Annika Lukas