Wie man in die Kirche eintritt

Der Beitritt zur Evangelischen Kirche ist einfach – und ohne Prüfung

Pastorin und Gottesdienstbesucher unterhalten sich

Ein Kranker, der nicht gehen konnte, bat vier Freunde, ihn auf seiner Trage zu ihm zu bringen. Aber der Zugang zu Jesus war verstellt von Leuten, die ihn umlagerten und das Haus füllten, in dem er predigte. Doch die vier wussten ihrem Freund zu helfen. Sie rissen ein Loch ins flache Dach des Hauses und ließen seine Trage an Seilen herunter. So berichtet es das Markusevangelium (Markus 2, 1-12).

Es soll so einfach wie möglich sein

Es soll so einfach wie möglich sein, zu Jesus zu kommen. Darin liegt auch der Grund, warum evangelische Kirchen, Gemeinden und Verbände seit 2009 immer mehr Kircheneintrittsstellen aufgebaut haben. Mittlerweile sind es mehr als 150. In manchen Eintrittsstellen befinden sich auch Bistros oder Cafés. Man kann aber auch bei jedem Pfarrer, bei jeder Pfarrerin in die Kirche eintreten. Mehr als 44.000 Menschen sind 2014 neu oder wieder in die evangelische Kirche eingetreten.

Man muss heute nicht viel mehr mitbringen als damals: Vor allem die Sehnsucht und die Absicht, zu Gott und zur Kirche zu gehören. Ein Ausweis ist heute nötig und, wenn vorhanden, eine Taufbescheinigung. Wer in früheren Jahren ausgetreten ist, sollte das Datum wissen.

Gottes Ja ist unwiderruflich

Denn eine einmal vollzogene Taufe wird nicht wiederholt oder erneuert. Die Bibel sagt, dass Gott in der Taufe ein unwiderrufliches Ja zu dem Getauften spricht. Diese Zusage nimmt Gott nicht zurück, auch wenn sich der Täufling später von ihm und von der Kirche abwendet. Manche Kirchengemeinden laden die neu und die wieder Eingetretenen zu einem Fest ein, taufen die Neuen und erinnern sich mit den anderen an deren Taufe. Wer möchte, wird in vielen Gemeinden auch zu einem Taufkurs zur Neu- oder Wiedereinführung in den Glauben eingeladen.

Zu den bekannten Personen, die in den letzten Jahren in die evangelische Kirche eintraten, gehören Manuela Schwesig, zum Zeitpunkt ihres Wiedereintrittes Bundesfamilienministerin, und die zum Zeitpunkt ihres Wiedereintrittes nordrhein-westfälische Ministerpräsidentin Hannelore Kraft.  „Uns trägt der gemeinsame Glaube, dass es eine schützende Hand Gottes gibt“, sagt Schwesig über die gemeinsame Überzeugung ihrer Familie. Sie selbst ist in der DDR ohne Verbindung zur Kirche aufgewachsen. Durch die Familie ihres Mannes und durch Freunde kam sie in Berührung mit dem Glauben an Gott. Das berichten viele der Eintretenden: Gespräche mit Freunden haben ihre Hinwendung zur Kirche unterstützt.

„Über die Politik habe ich noch einmal gesehen, was Kirchen Gutes in der Gesellschaft tun. Dann war mir klar: Ich will da auch mitwirken.“

Hannelore Kraft
Hannelore Kraft Zum Zeitpunkt ihres Wiedereintrittes Ministerpräsidentin von Nordrhein-Westfalen

Bei Hannelore Kraft, der zum Zeitpunkt ihres Wiedereintrittes Ministerpräsidentin von Nordrhein-Westfalen, war es der frühe Tod ihres Vaters, der den Gedanken an die Kirche wieder wachgerufen hat. Dann kamen Erfahrungen in der politischen Arbeit dazu: „Ich hab mich immer als Christin gefühlt. Insofern hat mir da schon etwas gefehlt. Über die Politik habe ich noch einmal gesehen, was Kirchen Gutes in der Gesellschaft tun. Dann war mir klar: Ich will da auch mitwirken.“

„Ein Kircheneintritt ist für die Menschen ein sehr bedeutsamer Vorgang“, sagt der Soziologe Detlef Pollack aus Münster. „Sie verlangen von sich selbst, dass es ihnen ernst damit ist, dass sie dabei ein reines Gewissen haben und den Schritt authentisch von sich aus vollziehen.“ Besonders stark ist dieser Gedanke unter den 51- bis 60-Jährigen, haben Untersuchungen der EKD ergeben. Manche empfinden ihren Kirchenaustritt in früheren Jahren als Bruch in ihrer Lebensgeschichte. Sie möchten ihn in Ordnung bringen und wieder zur großen Gemeinschaft der Kirche gehören. Manchen bringen zum Wiedereintritt einen Brief mit, den ihnen die Kirchengemeinde zum Austritt geschickt hat.

Auf die Menschen zugehen, aber niemanden überreden

Jüngere kommen ins Nachdenken, weil sie kirchlich heiraten wollen, ein Kind erwarten oder weil sie gefragt werden, ob sie Paten werden könnten. Deshalb sind evangelische Kirchengemeinden oder Landeskirchen immer häufiger mit Ständen auf Hochzeitsmessen vertreten. Die Kirche möchte hier auf Menschen zugehen und Kontakte pflegen, aber Menschen keinesfalls überreden.

Manche Menschen denken darüber nach, ob sie Mitglied werden wollen, weil sie eine Arbeit bei der Diakonie der evangelischen Kirche antreten. Viele der rund 24.000 diakonischen Einrichtungen mit insgesamt rund 450.000 Beschäftigten laden ihre Arbeitnehmer zu Informationsveranstaltungen über die Verankerung der Diakonie im Glauben und in der Kirche ein. Kommen Gespräche mit Kolleginnen und Kollegen dazu, die in der Kirche zuhause sind, entschließen sich manche zum Eintritt.

Freude über die Liebe Gottes, die allen gilt

Und niemand wird in eine Glaubensprüfung geschickt oder muss sich gar für seinen früheren Austritt rechtfertigen. Denn Jesus hat sich damals über den Kranken und seine Freunde gefreut, ihnen alle Schuld vergeben und den Mann geheilt. Auch die evangelische Kirche will sich vor allem mit den Eintretenden über die Liebe Gottes freuen, die allen Menschen ohne Voraussetzung gilt. Dann will sie dabei helfen, im Glauben an Gott weitere Schritte zu gehen und lädt jeden Neuen zu den Angeboten und den Aufgaben der Kirchengemeinden ein. Wie lange und in welchen Maß jemand Hilfe in Anspruch nimmt und sich engagiert, das bestimmt nur er selbst.

wt


Bundesweit haben Sie die Möglichkeit, nach einem Telefongespräch mit einer Pfarrerin oder einem Pfarrer der EKD-weiten Wiedereintrittsstelle in die Kirche einzutreten. Rufen Sie kostenlos an unter: 0800- 813 813 8. Dort beantworten wir auch gerne alle Ihre Fragen zum Kircheneintritt. Werktags 9-17 Uhr, Mittwoch 9-12 Uhr, oder per Mail eintritt@evangelisch.de.