Das Risiko kennen - Vertrauen sichern

I. Identifizieren Sie das Risiko

Identifizieren Sie das Risiko möglicher sexualisierter Gewalt, indem Sie zunächst alle Felder der Gemeindearbeit betrachten.

Dabei geht es in unserem Kontext um die Vermeidung sexualisierter Gewalt an Kindern und Jugendlichen. Der Begriff „sexualisiert“ benennt die Instrumentalisierung von Sexualität als Macht- und Gewaltmittel .[2] Wo ist das Risiko eines sexuellen Übergriffs denkbar?

  • Wandern Sie gedanklich durch alle Arbeitsfelder Ihrer Kirchengemeinde. Wo könnten Kinder und Jugendliche betroffen sein?
  • Fragen Sie die in diesen betreffenden Bereichen tätigen Mitarbeitenden, auch die Ehrenamtlichen oder zum Beispiel Küchenmitarbeitende im Zeltlager. Sie können Ihnen vielleicht Hinweise geben, die für Sie nicht offensichtlich sind.
  • Denken Sie langfristig. Betrachten Sie die Felder der Gemeindearbeit nicht personen-, sondern situationsbezogen. Analysieren Sie, welche Situationen Sie vorfinden im Zusammenhang mit zum Beispiel Babysitting, Chorarbeit, Kindergottesdienst, Instrumentalunterricht, Hausaufgabenhilfe, Ferienfreizeiten, Konfirmandencamps, Jugendtreff et cetera. Mögliche Täterinnen und Täter sollen keine Chance haben, Kinder und Jugendliche zu schädigen.
  • Nehmen Sie Hergebrachtes nicht als sicher! Trauen Sie sich, quer zu denken und unbequeme Fragen zu stellen.
  • Gab es in der Vergangenheit Vorfälle, von denen Sie gehört haben? Hat sich Ihre Landeskirche zur Vermeidung weiterer Vorfälle im kirchlichen Kontext bereits Gedanken gemacht? In der Regel finden Sie dazu Hinweise auf der Internetseite Ihrer Landeskirche.

Wir haben ein Schaubild eines Risikokreislaufs (Anlage I) entworfen, der die Bedeutung einer Risikoanalyse für den Schutz von Kindern und Jugendlichen vor sexualisierter Gewalt und bei der Schaffung einer Kultur der Achtsamkeit verdeutlichen soll.


Fußnote:

2  Weitere Ausführungen finden Sie in der Broschüre „Hinschauen-Helfen-Handeln“, Hinweise zum Umgang mit Verletzungen der sexuellen Selbstbestimmung durch beruflich und ehrenwamtlich Mitarbeitende im kirchlichen Dienst, Hrsg. Kirchenamt der EKD. Juli 2012.

Nächstes Kapitel