Grußwort von OKR'in Katrin Hatzinger, Leiterin des EKD-Büros Brüssel anlässlich der Veranstaltung am 21. April 2026 im Haus der EKD
„Europäische Friedensverantwortung in Zeiten des Krieges“ – Vorstellung und Diskussion der Friedensdenkschrift des Rates der EKD „Welt in Unordnung - Gerechter Friede im Blick“
Begrüßung von Katrin Hatzinger, Leiterin des EKD-Büros Brüssel anlässlich der Veranstaltung am 21. April 2026 im Haus der EKD
„Europäische Friedensverantwortung in Zeiten des Krieges“ – Vorstellung und Diskussion der Friedensdenkschrift des Rates der EKD
Exzellenz, sehr geehrter Herr Botschafter Schaefer,
lieber Herr Gahler,
sehr geehrte Damen und Herren Abgeordnete,
sehr geehrte Damen und Herren,
liebe Gäste,
ich begrüße Sie herzlich zur Vorstellung der EKD-Friedensdenkschrift „Welt in Unordnung - Gerechter Friede im Blick“ hier im Haus der EKD. Sehr herzlich darf ich Prof. Dr. Reiner Anselm in unserem Kreis willkommen heißen, der uns als einer der Autoren und Co-Leiter des Reaktionsteams einen Überblick über diese Neupositionierung der Evangelischen Kirche in Deutschland zur Friedensethik geben wird.
Zudem freut es mich, dass wir mit dem PSK-Botschafter Martin Schaefer und dem sicherheitspolitischen Sprecher der EVP, Michael Gahler, zwei sehr profilierte und versierte außen- und sicherheitspolitische Experten als Gesprächspartner für den heutigen Abend gewinnen konnten, die auf die Thesen der Friedensdenkschrift reagieren werden.
Die EKD hat ihr neues Grundsatzpapier am 10. November letzten Jahres auf der EKD-Synode in Dresden der Öffentlichkeit präsentiert. Dem vorausgegangen war ein mehrstufiger partizipativer und interdisziplinärer Konsultationsprozess unter Einbindung von Stimmen aus Wissenschaft, Forschung, Politik, aus der Friedensarbeit und der Bundeswehr. Unter dem Eindruck des russischen Angriffskriegs gegen die Ukraine galt es die letzte friedensethische Positionierung aus dem Jahr 2007 zu aktualisieren, und im Lichte der der neuen geopolitischen Lage anzupassen.
Die EKD versucht mit ihrer Friedensdenkschrift aus dem evangelischen Glauben eine orientierende Kraft zu entwickeln und dabei die Ambivalenzen politischer Entscheidungen wahr- und ernst zu nehmen. Dabei hält sie am Primat des Gewaltverzichts und am Leitbild des gerechten Friedens mit seinen vier Dimensionen fest, buchstabiert diese aber neu aus, wie wir gleich noch genauer erfahren werden.
Die Denkschrift hat sich zum Ziel gesetzt, grundlegende normative Maßstäbe und konkrete politische Herausforderungen aufeinander zu beziehen. Das zeigt sich etwa in der ethischen Beurteilung von Gegengewalt im Angesicht eines völkerrechtswidrigen Angriffs. Gleichzeitig will dieses Grundsatzpapier das Gewissen nicht nur im Allgemeinen, sondern auch im Konkreten schärfen, etwa wenn es um die ethischen Fragen im Hinblick auf nukleare Abschreckung, um Wehr- und Dienstpflicht oder die Herausforderungen durch hybride Kriegsführung und Terrorismus geht. Unterstrichen wird die bleibende Aufgabe, Frieden, Gerechtigkeit und die Bewahrung der Schöpfung zusammenzudenken.
Seit der Veröffentlichung hat es etliche Diskussionsveranstaltungen, u.a. mit Außenminister Wadephul in Berlin gegeben, viel Zuspruch, aber auch durchaus Kritik. Ich freue mich, dass wir heute die Gelegenheit haben, den Text aus europäischer Perspektive zu betrachten und darüber miteinander ins Gespräch zu kommen.
Nur wenige Monate nach der Vorstellung der Denkschrift in Dresden ist die Welt leider nicht friedlicher und sicherer geworden. Im Gegenteil, die regelbasierte Weltordnung liegt in Trümmern, es gilt das Recht des Stärkeren und das Völkerrecht wird weiter marginalisiert. Der Nahe Osten kommt nicht zur Ruhe. Morgen läuft die vereinbarte Waffenruhe zwischen den USA/Israel und dem Iran aus. Dieser Krieg Irankrieg bringt nicht nur Probleme in der Energieversorgung, steigende Inflation und gestörte Lieferketten sowie etliche zivile Opfer mit sich, sondern er birgt auch die reale Gefahr der Destabilisierung von Wirtschaft und Gesellschaft weit über den Nahen Osten hinaus.
Angesichts dieser großen Verunsicherung, die die weltpolitische Lage auslöst, ist es erbaulich, dass die Denkschrift von einer großen Hoffnung getragen ist: von der Verheißung des Frieden Gottes. Aus dieser Verheißung erwächst aus evangelischem Verständnis auch die Verantwortung, sich für den Frieden zu engagieren, dem Frieden zu dienen.
Wie das in der aktuellen geopolitischen Lage aussehen kann, darüber hören wir nun mehr von Prof. Anselm.
Botschafter Dr. Martin Schaefer, MdEP Michael Gahler (CDU), OKR'in Katrin Hatzinger, Prof. Dr. Reiner Anselm