AKES berät über Demokratie, Prävention und die Zukunft evangelischer Schulen
Mitgliederversammlung und Fachtag des Arbeitskreises Evangelische Schule in Deutschland
Wie bleiben evangelische Schulen in herausfordernden Zeiten Orte, an denen Kinder und Jugendliche Schutz erfahren, Demokratie lernen und Vielfalt als Teil des Schulalltags erleben? Diese Frage zog sich durch die 12. Mitgliederversammlung des Arbeitskreises Evangelische Schule in Deutschland (AKES), die am 20. und 21. Mai 2026 in Hannover stattfand. Rund 30 Verantwortliche aus dem evangelischen Schulwesen kamen zusammen, um aktuelle Entwicklungen zu beraten, gemeinsame Positionen zu beschließen und den Geschäftsführenden Ausschuss des AKES neu zu wählen. Am folgenden Tag schloss sich ein Fachtag zur Demokratiebildung an evangelischen Schulen an.
Ein Forum für das evangelische Schulwesen
Der AKES ist das bundesweite Forum für evangelische Schulen, Schulträger, Schulstiftungen und Verantwortliche im evangelischen Schulwesen. Entsprechend breit waren die Perspektiven, die in Hannover zusammenkamen: Erfahrungen aus der Schulleitung, von Trägern und Schulstiftungen, aus Kirche, Diakonie und übergreifenden Verbünden. Gerade diese Mischung prägte den Austausch. Zur Sprache kamen finanzielle Rahmenbedingungen, Fachkräftefragen, die Weiterentwicklung evangelischer Schulprofile, Digitalisierung, Demokratiebildung sowie Schutz und Prävention sexualisierter Gewalt.
Im Bericht des Geschäftsführenden Ausschusses wurde auf eine Wahlperiode zurückgeblickt, die von erheblichen Veränderungen und einem Strukturprozess geprägt war, der zur Weiterentwicklung des AKES zu einem stärker strategisch auch in die kirchliche Öffentlichkeit arbeitenden Forum und Netzwerk beigetragen hat.
Neuwahl des Geschäftsführenden Ausschusses
Mit der turnusgemäßen Wahl des Geschäftsführenden Ausschusses stellte sich der AKES personell für die kommenden Jahre auf. Kai Gusek, Ursula Kannenberg, Volker Schmidt und Marvin Schmidt wurden in ihrem Amt bestätigt. In den Geschäftsführenden Ausschuss neu gewählt wurde Monika Pesch (EKvW). Zugleich wurde Gerd Brinkmann (Landeskirche Hannovers) aus dem Gremium verabschiedet. Die Mitgliederversammlung dankte ihm für sein Engagement, seine fachliche Klarheit und seinen verlässlichen Einsatz für die bundesweite Vernetzung evangelischer Schulen.
Prävention braucht verbindliche Strukturen
Ein zentraler Beschluss der Mitgliederversammlung war das Impulspapier „Prävention in der Lehrkräfte Aus-, Fort-, und Weiterbildung“. Der AKES fordert darin, Prävention sexualisierter Gewalt verbindlich und systematisch in Studium, Ausbildung, Fortbildung und Weiterbildung von Lehrkräften zu verankern. Es soll unter anderem die Entwicklung entsprechender Fortbildungsangebote anregen.
Eine gemeinsame Stimme für Demokratie und Vielfalt
Im Mittelpunkt der fachlichen Diskussion stand das Engagement evangelischer Schulen für Demokratiebildung. Beschlossen wurde eine gemeinsame Stellungnahme mit AGES, BEST und der ESS EKD „Für Demokratie und Vielfalt“. Die Stellungnahme beschreibt evangelische Schulen als Orte, an denen Demokratie, Rechtsstaatlichkeit und Vielfalt aus christlicher Verantwortung heraus gelebt werden. Grundlage ist die Überzeugung, dass jeder Mensch Geschöpf Gottes und mit unverlierbarer Würde ausgestattet ist.
In der Beratung wurde deutlich, wie wichtig solche gemeinsamen Worte für Schulen und Träger sein können. Ein Teilnehmer brachte es auf den Punkt: „Solche Erklärungen geben Rückenwind – und das tut gut.“
Demokratiebildung im Recht und im Schulalltag
Der Fachtag am folgenden Tag nahm die Frage der Demokratiebildung noch einmal aus zwei unterschiedlichen Perspektiven auf. Thomas Heller sprach unter dem Titel „Wehrhafte Theologie – wehrhafte Pädagogik“ über Orientierungen und Impulse für den Umgang mit rechtsextremistischen und populistischen Aussagen im Schulkontext. Im Mittelpunkt standen rechtliche Klärungen und die Frage, wie Lehrkräfte und Schulleitungen sicher und angemessen reagieren können, wenn demokratische Grundwerte infrage gestellt werden.
Volker Franken, Schulleiter der Gesamtschule Gelsenkirchen-Bismarck, setzte mit seinem Vortrag „Demokratie im Kleinen lernen“ beim Alltag in der Schule an. Demokratiebildung zeigt sich nicht nur in Projekten, Aktionstagen oder besonderen Unterrichtseinheiten. Sie beginnt dort, wo Schüler*innen Beteiligung erleben, Verantwortung übernehmen, Konflikte austragen und erfahren, dass ihre Stimme zählt. Eine intensive Arbeit der SV, die auch schon mal den Schulleiter auf den „heißen Stuhl“ setzt, gehört bei der Schule, die Preisträgerin des Deutschen Schulpreises, dabei auch dazu.
Die nächste Mitgliederversammlung des AKES wird im September 2027 im Vorfeld des 2. Ökumenischen Bundeskongresses in Stuttgart stattfinden.