Grußwort von OKR´in Katrin Hatzinger zu der Veranstaltung „AI will not fix it: Big Tech, digitaler Kolonialismus und die europäische Internetregulierung" im Haus der EKD am 17. März 2026
Sehr geehrte Damen und Herren,
liebe Gäste,
ich begrüße Sie herzlich zu unserer Veranstaltung „AI will not fix it: Big Tech, digitaler Kolonialismus und die europäische Internetregulierung" und danke für Ihr Interesse. Ich freue mich, dass wir mit Ingo Dachwitz und Paul Nemitz zwei sehr profilierte Referenten für diesen Abend gewinnen konnten. Auch an Sie und Dich ein herzliches Willkommen!
Daten sind das neue Erdöl. Doch um die Daten zu extrahieren, braucht es die entsprechende Infrastruktur. Durch neo-koloniales Gebaren beuten die großen Tech-Konzerne günstige Rohstoffe, billige Arbeitskräfte und big data im Globalen Süden aus und erschließen auf Gewinnmaximierung erpicht konstant neue Märkte. Den Preis dafür zahlen Mensch und Umwelt. Gemeinsam mit Sven Hilbig hat Ingo Dachwitz letztes Jahr in dem Buch „Digitaler Kolonialismus- Wie Tech-Konzerne und Großmächte die Welt unter sich aufteilen“ hinter die Versprechungen der digitalen Transformation geschaut und die Schattenseiten des Tech-Booms anhand konkreter Beispiele illustriert. Es wurde als "Wissensbuch des Jahres 2025" von der Zeitschrift "Bild der Wissenschaft“ ausgezeichnet und ist immer noch in der Top 20 Bestsellerliste der meistverkauften Wirtschaftsbücher.
Das Buch belegt anhand von intensiver Recherche in Ländern des Globalen Süden die öffentlich wenig bekannte Kehrseite des gigantischen wirtschaftlichen Aufstiegs der großen Tech-Firmen und schafft ein Bewusstsein für die Folgen des digitalen Kolonialismus für Umwelt, Politik und Gesellschaft. Dabei beleuchten die Autoren durchaus kritisch die Rolle der EU angesichts des libertären Tech-Kapitalismus der USA und des autoritären Tech-Kapitalismus von China und ihren Versuch durch die Digitalregulierung eigene Standards zu setzen, um die Macht der Tech-Konzerne einzudämmen und selbst von der Digitalisierung zu profitieren. Schließlich werden auch Wege aufgezeigt, eine Zukunft ohne Big Tech zu denken.
Heute Abend wollen wir angesichts der geballten Digitalexpertise die Rolle der EU zwischen den Polen USA und China und die Grenzen und Möglichkeiten der EU-Digitalregulierung auf dem Podium vertiefen. Los geht es aber mit einem kurzen Einblick von Ingo Dachwitz in sein Buch zum digitalen Kolonialismus, um den Kontext für unser anschließendes Gespräch zu umreißen.
Bevor er das Wort ergreift. möchte ich ihn kurz vorstellen: Ingo Dachwitz hat in Hannover und Berlin Kommunikationswissenschaften studiert und ist seit 2016 Redakteur bei netzpolitik.org, einem gemeinnützigen Investigativmedium für Technologie und Politik. Daneben ist er u.a. Co-Host des Podcasts Off/On. Seine Themen sind Daten, Macht und die digitale Öffentlichkeit. Seine Veröffentlichungen wurden mehrfach ausgezeichnet, unter anderem mit dem European Press Prize, dem Alternativen Medienpreis, dem Datenschutz-Medienpreis und zwei Grimme-Online-Awards. Ingo Dachwitz ist Mitglied des Vereins Digitale Gesellschaft und des Netzwerks Recherche und er ist evangelisch engagiert, u.a. war er im Bundesvorstand der Evangelischen Jugend und als Jugenddelegierter in der EKD-Synode aktiv.
Lieber Ingo Dachwitz, it´s your turn.