Bienen bevölkern Kirchenamtsgärten und auf Friedhöfen grünt es naturnah

Wie sich evangelische Landeskirchen für den Artenschutz einsetzen

Eine Biene im Lavendelfeld

Um die Schöpfung zu bewahren, haben Evangelische Landeskirchen verschiedene Aktionen ins Leben gerufen.  Ziel ist es, die Artenvielfalt zu schützen und Verantwortung für die Schöpfung zu übernehmen. (Symbolbild)

„Herr, wie sind deine Werke so groß und viel! Du hast sie alle weise geordnet, und die Erde ist voll deiner Güter. Da ist das Meer, das so groß und weit ist, da wimmelt's ohne Zahl, große und kleine Tiere.“ (Psalm 104, 24-25). Die Unterschiedlichkeit der Lebewesen, die kaum zählbar und dennoch „weise geordnet“ sind, bringen König David zum Staunen. Der 104. Psalm, der ihm als Autor zugeschrieben wird, ist eine Hymne auf die wundervolle Natur. Auch heute kann man in Anbetracht der Natur ins Staunen geraten, obwohl oder gerade weil Wissen über das Tier- und Pflanzenreich dazu gekommen ist. Gleichzeitig ist in den vergangenen Jahren ein neues Umweltbewusstsein entstanden, denn die Artenvielfalt geht zurück – und der Mensch trägt dazu bei. Um die Schöpfung zu bewahren, haben evangelische Landeskirchen verschiedene Aktionen ins Leben gerufen. Ziel ist es, die Artenvielfalt zu schützen und Verantwortung für die Schöpfung zu übernehmen. Zum Internationalen Tag der biologischen Vielfalt eine Auswahl der kirchlichen Projekte.

Blumen säen und Insekten Nahrung bieten

Etwas für’s Auge bietet eine Aktion der Evangelischen Landeskirche in Württemberg, die sie in Zusammenarbeit mit der Stadt Stuttgart ins Leben gerufen hat: Blumensamen-Tütchen bestellen, aussäen und genießen: Man kann 20 bunte einheimische Blumenarten bestaunen, die den ganzen Sommer lang blühen – und gleichzeitig Pollen und Nektar für Insekten spenden. Kirchengemeinden und kirchliche Einrichtungen können größere Mengen bestellen und das Aussäen als gemeinsame Aktion für Konfirmationsgruppen oder im Familiengottesdienst anbieten. Auch Kirchengemeinden, die zur Evangelischen Kirche von Westfalen gehören, können sich Samen für Wildblumenwiesen vom Institut für Kirche und Gesellschaft schenken lassen. 

Artenvielfalt auf dem naturbelassenen Friedhof

Neben Blumenwiesen sind auch Friedhöfe Orte, die zur Artenvielfalt beitragen können. Davon ist die Evangelisch-lutherische Landeskirche Hannovers überzeugt und hat das Projekt „Biodiversität auf kirchlichen Friedhöfen“ gestartet. Seit einigen Jahren unterstützt Umweltreferent Reinhard Benhöfer Gemeinden bei ihrem Umwelt-Management – bis 2013 ging es dabei fast ausschließlich um das Thema Klimaschutz und Energieeinsparung, dann rückte die Artenvielfalt mit in den Fokus. Dabei spielen Friedhöfe eine große Rolle: Ungenutzte Freiflächen lassen sich ökologisch aufgewerten, Herbstlaub unter Hecken und Gebüschen eignet sich zum Beispiel als Überwinterungsorte für kleine Tiere. Wer einen pesönlichen Beitrag leisten möchte: Bei der Grabpflege kann man auf heimische Sträucher und Blumen zurückgreifen statt Steinplatten zu verwenden. 

Kirchen und ihre Bienenvölker 

Manche Landeskirchen geben ganzen Völkern ein Zuhause: Die Evangelische Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz beherbergt zusammen mit einem Imker auf dem Dach ihres Konsistoriums drei Bienenvölker. Die Aktion hilft nicht nur gegen das Bienensterben, es darf auch ein wenig Eigenutz dabei sein. Denn auch der Gaumen profitiert: Der Honig ist im Evangelischen Zentrum zu erwerben.

Auch rund um das Landeskirchenamt der Evangelischen Kirche im Rheinland in Düsseldorf blüht und summt es im Sommer. Bereits 2015 wurden vier Bienenvölker auf dem Gelände angesiedelt. Eine Wildblumenwiese und Obstbäume auf dem Areal bieten den Insekten Futter. Die Bienen liefern dafür reichlich Honig – es handelt sich also um ein Geben und Nehmen.

Imkerin Kirstin Bauer
Imker Uwe Marth bringt zwei Bienenvölker auf das Dach des Berliner Doms
Pfarrer aus Holz vor der Jakobzskirche in Uehlfeld
Schülerdemo gegen Bienensterben

Fledermäuse in Kirchtürmen

In Lemgo im Kreis Lippe sind auch Vögel und Fledermäuse als Kirchgänger willkommen. Die Evangelische Kirchengemeinde St. Nicolai bietet in ihren beiden Kirchtürmen Quartiere für Dohlen, Turmfalken und Fledermäuse an. Insgesamt elf Nistkästen wurden 2012 an den Türmen installiert, die Holzkästen laden Dohlen und Turmfalken zum Brüten ein. Ins Innere der Kirchtürme gelangen die Vögel dabei nicht. 

Inzwischen hat das Projekt Schule gemacht. Mehr als 30 Kirchengemeinden in der Lippischen Landeskirche haben ihre Kirchtürme für bedrohte Vögel und Fledermäuse fit gemacht. Alle sind für ihren Einsatz für den Schutz von Pflanzen- und Tierarten vom NABU mit der Plakette „Lebensraum Kirchturm“ ausgezeichnet worden.

Christine Keller (ekd.de)

Tipps für robuste Grünflächen, die biologische Vielfalt fördern

Wer jetzt ebenfalls Lust bekommen hat, sich für den Artenschutz einzusetzen, hier sind einige Tipps aus der Online-Redaktion der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau:

  • Bäume

    Trockenresistente Bäume stehen lassen, bzw. neu pflanzen: Durch den Kühl- Befeuchtungs- und Schatteneffekt wird dadurch auch der Erholungseffekt für den Menschen gesteigert.

  • Beete

    Beete sollten gemulcht werden, um die Verdunstung zu verringern und um das Bodenleben zu verbessern.

  • Rasen

    Beim Rasen auf extensiven, insektenfreundlichen Rasen mit unterschiedlichen, standortgerechten Grassorten und Blumen achten; Inseln mit hohen Gräsern können beim Mähen belassen werden; auf getrimmten, englischen Rasen eher verzichten.

  • Dächer und Fassaden

    Dächer und Fassaden können auch begrünt werden, zum Beispiel mit Efeu.

  • Vogel- und Tiertränken

    Tiertränken aufstellen und täglich das Wasser wechseln.

  • Vermeiden von Steingärten

    Steingärten sollten vermieden werden, da sie die Umgebung zusätzlich aufheizen und ungünstig für das Bodenleben und die biologische Vielfalt sind; zudem ermöglichen sie kaum Wasserinfiltration in den Boden.

  • Wasserrecycling

    Regenwasser in Zisternen auffangen und nutzen.

  • Parkplätze und Wege

    Auf Versiegelung verzichten: Parkplätze und Wege durchlässig gestalten, zubetonierte Flächen entsiegeln.

  • Außerhalb des eigenen Grundstücks

    Baum- oder Beetpatenschaften übernehmen, dabei die Pflegetipps der Kommunen beachten.