Ökumenischer Religionsunterricht in der Schule
An öffentlichen Schulen lernen, lehren und leben Menschen unterschiedlichen Glaubens, unterschiedlicher Konfessionen – oder ohne religiöse Bindung - zusammen. Die Erfahrungen in der Schulzeit sind für viele prägend. Im Religionsunterricht, in der Schulseelsorge, in Initiativen am Schulort oder an offenen Ganztagsschulen (OGS) können Kirchen gemeinsam, ökumenisch und mit anderen tätig sein: Konfessionell, im gemeinsamen christlichen Bekenntnis in Seelsorge, Bildung und Lebensbegleitung und zugleich im Dienst für Lernende und Lehrende.
Beispiel Niedersachsen
Ab dem Schuljahr 2025/2026 begann in Niedersachsen mit dem Fach „Christliche Religion nach evangelischen und katholischen Grundsätzen“ (CRU) ein wegweisendes Modell eines gemeinsam verantworteten Religionsunterrichts. Das Unterrichtsfach stellt eine Weiterentwicklung des konfessionell-kooperativen RU dar, wie er seit 1998 auf Antrag der jeweiligen Schule ermöglicht wurde: Evangelische und katholische Schüler werden im Klassenverband unterrichtet, die Lehrkraft ist katholisch oder evangelisch, im Idealfall wechseln sie sich ab und verständigen sich über Stoffverteilungspläne. Das Land und die Kirchen reagierten damit einerseits auf den Rückgang der Kirchenmitgliedszahlen, erzielten aber auch eine bessere Realisierung im Stundenplan, was weniger Kapazitäten bindet. Die Vereinbarung stellt darüber hinaus ein wichtiges Zeichen für Dialog und Kooperation in der Vielfalt der Gesellschaft dar. Pluralität und Heterogenität werden reflektiert, Respekt und Toleranz gegenüber anderen Konfessionen, Religionen und Weltanschauungen wird entwickelt.
Die bislang freiwillige Kooperation wird nun mit CRU verbindlich. Weit davon entfernt, bloß Konfessionskunde zu sein, richtet sich der Unterricht konsequent an den Themen und Fragen der Lernenden aus, insbesondere in den fünf Kompetenzbereichen Identität, Gemeinschaft, Sinn und Glaube, eigenes Handeln sowie Freiheit und Zukunft. Das Bundesland Niedersachsen bleibt damit bei der Bekenntnisorientierung (vgl. Art. 7 Abs. 3 GG) des RU, der nun auch den islamischen umfasst, und stellt nicht auf einen Ethik-Unterricht für alle Schüler um.
Die ökumenische Kooperation im Fach Christliche Religion hat ihre theologische Basis im gemeinsamen Glauben an den dreifaltigen Gott, der gemeinsamen Erklärung zur Rechtfertigungslehre und der gegenseitigen Anerkennung der Taufe. Das Fach steht offen für Schüler anderer Konfessionen (z. B. Orthodoxen), Religionen und denen ohne Bekenntnis. Es ist damit im Rahmen des staatlichen Bildungsauftrags der Schule geeignet, konfessionelle Perspektiven zu erschließen, Achtung vor unterschiedlichen konfessionellen Prägungen zu stärken und so gegenseitige Verständigung in einem ökumenischen Bewusstsein zu ermöglichen. Religiöse Bildung trägt so zur Prävention von Fundamentalismus, Antisemitismus und Rassismus bei. Es ist nicht von ungefähr, dass der RU in Niedersachsen seit langem höhere Zustimmungswerte hat, als die Mitgliedschaftswerte der Lernenden zu den Religionsgemeinschaften erwarten lassen, er ist also ein sehr beliebtes Fach.
Die Lehrkräfte arbeiten neben der Fachdidaktik auf der Grundlage der Missio canonica (kath.) bzw. Vokation (evg.) ihrer Religionsgemeinschaft. Diese und von der Landesschulbehörde beauftragte Fachberater:innen organisieren Fort- und Weiterbildungen für die Religionslehrkräfte; die Mentorate für Lehramts-Studierende arbeiten ökumenisch zusammen.
In den Beirat für das Fach CRU werden auch Vertreterinnen und Vertreter anderer christlicher Konfessionen (Orthodoxie, freikirchliche Vereinigungen) berufen.
Schulfach Christliche Religion (CR)
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Schülerorientierung
Das Fach Christliche Religion (RC) in Niedersachsen geht konsequent von der sehr unterschiedlichen religiösen Sozialisation, den Erfahrungen, Fragen sowie der Lebenswelt der Lernenden aus und versteht sich als Dialograum, um darüber ins Gespräch zu kommen. Es bietet die christliche Perspektive als Möglichkeit der Weltdeutung und Sinnfindung an. Der christliche Religionsunterricht möchte Lernende dazu befähigen, sich mit Glaubensfragen auseinanderzusetzen und dazu eine begründete persönliche Haltung zu entwickeln – sei es in der Annahme oder auch in der Distanzierung von christlichem Glauben, um für sich zu erkennen, ob dieser ihnen auf ihrem Lebensweg Orientierung und Halt geben kann.
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Multiperspektivität
Die Christliche Religion mit ihren Schätzen in all ihrer gedachten, geglaubten und gelebten Vielfalt bildet als sogenannte christliche Ressource das Fundament, auf dem das Fach christliche Religion gegründet ist. Weiterhin werden relevante Erkenntnisse aus den interdisziplinären Wissenschaften einbezogen. Dabei verschließt das Fach Christliche Religion jedoch nicht die Augen vor der Vielfalt und den Herausforderungen der Lebenswelt von Lernenden. Es nimmt die Pluralität von Glaubensrichtungen und Weltanschauungen ebenso auf wie Fragen des Nicht-Glaubens, aktuelle Trends und Einflüsse aus Medien, gesellschaftlichen oder globalen Entwicklungen, die Lernende prägen und auch verunsichern können. So soll gewährleistet werden, dass der Unterricht lebensnah ist und nicht Antworten auf Fragen anbietet, die von Lernenden gar nicht gestellt werden.
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Lehrkräfte und ihre konfessionelle Position
Lehrkräfte machen im Unterricht des Faches Christliche Religion ihre eigene konfessionelle Perspektive transparent, zeigen Unterschiede zwischen evangelischer und katholischer Praxis auf, betonen aber vor allem die zahlreichen Gemeinsamkeiten. Konfessionelle Spezifika werden bewusst hervorgehoben und als Mehrwert betrachtet, sodass Schülerinnen und Schüler insbesondere in der Grundschule sowohl konfessionelle Gemeinsamkeit als auch Vielfalt konstruktiv erfahren.
Damit guter Unterricht im Fach christliche Religion gelingen kann, werden durchdachte, praxistaugliche Materialien und qualitativ hochwertige Aus- und Fortbildung benötigt, um zu verhindern, dass sich Lehrkräfte durch das neue Konzept vor allem im Hinblick auf die neue Multiperspektivität überfordert fühlen
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Links und Ansprechpersonen
Religionsunterricht in Niedersachsen
https://www.religionsunterricht-in-niedersachsen.de/
Exemplarisch evangelisch
Religionspädagogisches Institut Loccum (rpi)
Exemplarisch katholisch