Ökumenischer Empfang der Kirchen bei der 76. Berlinale

Filme machen Schicksale erlebbar, die sich hinter Zahlen verbergen

Die katholische und die evangelische Kirche haben heute (15. Februar 2026) den traditionellen Ökumenischen Empfang anlässlich der 76. Internationalen Filmfestspiele Berlin ausgerichtet. In einem Podiumsgespräch sprachen Kardinal Reinhard Marx (München und Freising), Vorsitzender der Publizistischen Kommission der Deutschen Bischofskonferenz, und die Regisseure Maik Lüdemann und Max Ahrens über deren 2025 erschienenen Dokumentarfilm „Kein Land für Niemand“. Der Film setzt sich mit der europäischen Asyl- und Flüchtlingspolitik und der Situation an den europäischen Außengrenzen auseinander. In dem Gespräch wurde deutlich, welchen wirkungsvollen Beitrag Filme leisten können, indem sie Geschichten erzählen und darin Schicksale und Perspektiven erlebbar machen, die sich sonst oft hinter Zahlen und Statistiken verbergen.

„,Kein Land für Niemand‘ ist ein starker Beitrag für Empathie und Menschlichkeit“, betonte Kardinal Marx. Die beiden Dokumentarfilmer begleiteten für ihren Film unter anderem die Hilfsorganisation Sea-Eye bei der Rettung von in Seenot geratenen geflüchteten Menschen im Mittelmeer. „Besonders in Zeiten, in denen Spaltung und Hass den gesellschaftlichen und politischen Diskurs prägen, kann der Film für Verantwortung gegenüber der Schöpfung, für Frieden und für Solidarität sensibilisieren“, sagte Kardinal Marx. Die Förderung und Auszeichnung solcher Filme sei der zentrale Anspruch der kirchlichen Filmarbeit.

Pastor Dr. Johann Hinrich Claussen, der Kulturbeauftragte der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), wies am Beispiel des iranischen Films „Ein einfacher Unfall“ darauf hin, dass gerade das anspruchsvolle, nicht allein kommerziell ausgerichtete Kino Geschichten erzählt, die den Blick weiten und das Urteil schärfen: „Hier sollten die Kirchen Interesse zeigen, neugierig bleiben, sich ansprechen und berühren lassen.“

Beim Ökumenischen Empfang der Kirchen wurde auch die 34. Ökumenische Jury vorgestellt. Sie vergibt den „Preis der Ökumenischen Jury“ im internationalen Wettbewerb der Berlinale sowie die mit jeweils 2.500 Euro dotierten Preise in den Programm-Sektionen „Forum“ und „Panorama“. Zentrale Wertungskriterien der Ökumenischen Juryarbeit sind, neben formalen Qualitätskriterien, insbesondere die Orientierung an Werten aus der Perspektive des Evangeliums.

Die Mitglieder der Ökumenischen Jury werden gemeinsam vom Katholischen Weltverband für Kommunikation SIGNIS und der Internationalen Kirchlichen Filmorganisation INTERFILM nominiert. Jurypräsident ist in diesem Jahr der Präsident von SIGNIS-Europa, Douglas P. Fahleson (Irland). Weitere Jurymitglieder sind Stephen Brown (Schweiz/Frankreich), Jean-Jacques Cunnac (Frankreich), Daria Pezzoli-Olgiati (Schweiz/Deutschland), Ingrid Stapf (Deutschland) und die Publizistin und Kuratorin des Jüdischen Filmfestivals Berlin-Brandenburg, Lea Wohl von Haselberg (Deutschland).

Hannover, 15. Februar 2026

Pressestelle der EKD
Annika Lukas