Mitgliedschaftsuntersuchung ausgewertet

Vielfältige Zugänge zur evangelischen Kirche fördern

Eine Kirche, die ihre Angebote, Sprachformen und Frömmigkeitsstile möglichst breit fächert, wird auch in einer pluralisierten Gesellschaft eine hohe Anziehungs- und Bindungskraft ausüben. Zu dieser Prognose kommen die Verfasser des jetzt erschienenen Auswertungsbandes zur fünften Kirchenmitgliedschaftsuntersuchung (V.KMU), unter dem Titel „Vernetzte Vielfalt. Kirche angesichts von Individualisierung und Säkularisierung“ erscheint. „Das Bewusstsein, unterschiedlichen Frömmigkeits- und Beteiligungsformen gerecht werden zu müssen, hat sich seit den 1970er Jahren mehr und mehr gefestigt“, so der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm, in seinem Vorwort. Die daraus entstehende Vielfalt der Profile sei jedoch keinesfalls ein Zeichen von Blässe, sondern folge der Einsicht des Apostel Paulus: Prüfet alles, aber das gute behaltet (1. Thess 5,21).

Das mehr als 500 Seiten umfassende Werk befasst sich mit den Ergebnissen der V.KMU, die im März 2014 in Grundzügen unter dem Titel „Engagement und Indifferenz“ erschienen war und seitdem breite Resonanz hervorgerufen hat. Die von der EKD verantwortete und in Auftrag gegebene Studie hatte unter anderem ergeben, dass die Erwartungen und Ansprüche an die Kirche vor Ort trotz sinkender Mitgliedszahlen wachsen. Finanziert wurde die Untersuchung von der Evangelischen Kirche in Deutschland, der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau und der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Bayern.

Der jetzt erarbeitete Auswertungsband unterstreicht noch einmal, dass die selbst-verständlich ‚ererbten’, familiär und kulturell tradierten religiösen Überzeugungen an Bedeutung verlieren, und demgegenüber eine selbstverantwortete kirchliche Praxis stärker in den Vordergrund rückt. „Für die Kirche ergibt sich daraus die Aufgabe, Räume für eine selbstgewählte Form der religiösen Praxis zu öffnen“, betont Bedford-Strohm. So müsse die Kirche damit umgehen, dass sich Nähe und Distanz zur Kirche in unterschiedlichen Lebenssituationen verändern. Dafür gebe es keine Patentrezepte, die von den Kirchenleitungen nur noch umgesetzt werden müssten. „Unübersehbar ist jedoch, dass wir unterschiedliche Zugänge und Mitgliedschaftspraxen künftig nicht nur zulassen, sondern bewusst fördern müssen.“

Der Auswertungsband erscheint im Gütersloher Verlagshaus und richtet sich in erster Linie an ein interessiertes Fachpublikum und an Kirchenleitungen. Er ist ab dem 7.12.15 im Buchhandel erhältlich (544 Seiten, mit CD-Rom, ISBN 978-3-579-07437-5, 29,99 Euro)

Hannover, 7. Dezember 2015

Pressestelle der EKD
Carsten Splitt