Kammernetzwerk

Von „Denkfabriken“ zu „vernetzten Denkprozessen“

In der Grundordnung der EKD von 1948 heißt es, dass aus „sachverständigen kirchlichen Persönlichkeiten“ Kammern zur Beratung der leitenden Organe gebildet werden. Bisher wurden dazu einzelne Kammern gebildet, wobei die Anzahl und auch die inhaltlichen Zuschnitte im Laufe der Jahrzehnte wechselten.

Besonders bekannt wurden die „Kammer für Öffentliche Verantwortung“ und die „Sozialkammer“. In den Kammern wurden zahlreiche Grundlagentexte erarbeitet, darunter einige „Denkschriften“.

Trotz der hohen Wertschätzung, die diese Arbeit genoss, wurden in den letzten Jahren auch Probleme gesehen: Die Kammern waren gut geeignet für langfristige Arbeiten an Grundsatztexten, aber weniger gut für kurzfristige Stellungnahmen mit aktuellem Bezug. Auch wurde immer mehr gesehen, dass die verschiedenen Themen wie z.B. Friedensethik, Nachhaltigkeit und Gerechtigkeit so eng miteinander verwoben sind, dass die getrennte Behandlung in verschiedenen Kammern unbefriedigend ist. Nach fast 75 Jahren erfolgreicher Arbeit erschien es angezeigt, die Arbeitsformen zu verändern.

Deshalb hat der Rat der EKD im September 2022 nicht einzelne Kammern, sondern ein „Kammernetzwerk“ berufen, bestehend aus 70 ständigen Mitgliedern, einigen „special experts“ sowie ständigen Gästen. Der Rat gibt thematische Aufträge und entscheidet über Publikationen. Er kann sich auch selbst an der Arbeit beteiligen. Gesteuert wird das Netzwerk jedoch von einem aus 14 Personen bestehenden Steuerungsboard. Die Arbeit geschieht in verschiedenen Arbeitsformaten, die langfristig, mittelfristig oder kurzfristig arbeiten. Es kann also auch künftig „Denkschriften“ geben. Daneben können aus dem Netzwerk aber auch Analysen oder Stellungnahmen zu aktuellen gesellschaftspolitischen oder ethischen Fragen bearbeitet werden. Hierzu sollen ausdrücklich auch weitere Personen hinzugezogen werden, die bei den jeweiligen Themen für den Basiskontakt oder die Herstellung von Betroffenenbeteiligung wichtig sind. 

Neue Wege sind nie ohne Risiko. Der Rat beschreitet diesen neuen Weg aber bewusst, weil er meint, mit der Arbeit in einem Netzwerk und der damit verbundenen größeren Beweglichkeit und Beteiligung am besten auf die vielfältigen Herausforderungen der Gegenwart reagieren und die christlichen Traditionen und Werte für sie fruchtbar machen zu können.