Ja sagen ohne großen Aufwand: So unkompliziert ist #einfachheiraten

Am 26. Juni geht die Aktion #einfachheiraten der Evangelischen Kirche in die dritte Runde. Sie gibt Paaren die Möglichkeit, ihre Verbindung vor Gott segnen zu lassen – unkompliziert, persönlich und ohne große Formalitäten. Wer kirchlich getraut werden möchte, bringt eine standesamtliche Eheurkunde mit; zudem muss einer oder eine Partner*innen evangelisch sein. Für Pfarrer Joachim Baier ist #einfachheiraten „Seelsorge im besten und intensivsten Sinn“ – mit viel Offenheit und Raum für persönliche Wünsche und Lebensgeschichten.

Pfarrer Joachim Baier aus Kassel, Portrait vor Allee und Altstadthäusern

Pfarrer Joachim Baier vom Evangelischen Stadtkirchenkreis Kassel erlebt die Gespräche mit den Paaren auch als persönlichen Gewinn.

„Ein Gewölbe, nur erhellt von 60 Kerzen.“ − Die Szene sieht Pfarrer Joachim Baier noch heute vor sich. „Es gab nicht viel Platz. Nur ich, das Paar und ein Musiker waren da. Als der die ersten Töne anstimmte, traten dem Mann plötzlich Tränen in die Augen, weil er so gepackt war von diesem Moment.“ Der Pfarrer der Kreuzkirche Kassel beteiligt sich auch dieses Jahr wieder an der Aktion #einfachheiraten der Evangelischen Kirche, die es Paaren ermöglicht, ihre Partnerschaft segnen zu lassen. Niedrigschwellig und ohne bürokratischen Vorlauf.

Solche Momente gebe es bei der Aktion immer mal wieder, berichtet Baier. Er sei eigentlich nur seiner Frau wegen hergekommen, habe der Mann vor der Zeremonie noch gesagt. „Doch dann bekommt das Ganze plötzlich doch eine Größe, die die Menschen tief berührt.“ Beim Segen und der live gespielten Wunschmusik, feste Bestandteile von #einfachheiraten, würden tiefe Emotionen frei. „Viele sind dann ganz beseelt und bleiben noch lange, um das nachklingen zu lassen.“

Die klassische kirchliche Trauung hat für Baier keineswegs ausgedient. „Das wird liebevoll vorbereitet, über Monate und hoffentlich dann auch ein tolles Fest.“ Doch für viele Menschen sei es eben nicht mehr das richtige Format − aus den verschiedensten Gründen: weil die familiäre Situation schwierig, es ihnen fremd sei, im Mittelpunkt zu stehen oder sie sich eine große Feier finanziell nicht leisten können. „Die finden bei #einfachheiraten eine ganz große Offenheit“, so Baier. Es gebe kein Richtig oder Falsch. „Alles darf, aber nichts muss sein.“

„Bei den Vorsgesprächen zu #einfachheiraten bin ich so Pfarrer, wie ich mir das immer gewünscht habe“

Joachim Baier Pfarrer an der Kreuzkirche Kassel

Das Angebot ziehe die unterschiedlichsten Leute an. Ein Paar habe sogar eine dreistündige Anfahrt mit dem Auto in Kauf genommen, erinnert sich der Pfarrer. Sie erscheinen zu zweit oder in großer Gesellschaft, schick gekleidet oder in Jeans und Badelatschen. Die Paare, die zu #einfachheiraten kommen „wollen keinen monatelangen Vorlauf“, hätten sich aber dennoch intensiv über ihre Trauung oder Segnung Gedanken gemacht.

„Sie haben ein starkes inneres Anliegen“, sagt Baier. Eine Erfahrung, die er auch Kritikern entgegenhält, die die Aktion nur für ein weiteres Event halten, dem die Ernsthaftigkeit fehle. „Ich erlebe das genaue Gegenteil.“ Hier werde kein Segen verschleudert. Die Verbindung zwischen einer lockeren, offenen Atmosphäre und tiefer innerer Überzeugung und Haltung funktioniere bei #einfachheiraten.

Es gebe die frisch Verliebten, die für ihre Verbindung den Segen Gottes erbitten, aber auf der anderen Seite des Spektrums auch das Paar, das bereits vor 30 Jahren standesamtlich geheiratet hat und die kirchliche Trauung jetzt noch nachholt. Nicht als große Familienfeier – „die hätte jetzt nicht mehr gepasst“ – sondern für sich ganz persönlich. „Die Erfüllung eines uralten Traums.“ Dafür biete #einfachheiraten einen guten Rahmen, so Baier.

Wichtiger Bestandteil ist auch das Gespräch mit dem Pfarrer oder der Pfarrerin, die Segen oder Trauung vornehmen. Das könne 45 oder auch nur drei Minuten dauern, sagt Baier. Die ganze Lebens- und Beziehungsgeschichte könne dort Platz finden, mit allen Höhen und Tiefen. Pfarrer Baier erlebt diese Gespräche auch persönlich als Gewinn. „Ich darf zuhören und Zeuge sein von einer einzigartigen Lebens- und Liebesgeschichte.“ Die Mitwirkung bei #einfachheiraten ist für ihn „Seelsorge im besten und intensivsten Sinn. Hier bin ich so Pfarrer, wie ich mir das immer gewünscht habe.“

Interessierten Paaren, auch denen, die sich noch unsicher sind, ob die Aktion für sie passend ist, empfiehlt Pfarrer Joachim Baier, ab 26.6. in einer der Locations von #einfachheiraten vorbei zu schauen und sich selbst ein Bild zu machen. „Nehmt die Atmosphäre auf, sprecht mit anderen Paaren, Ehrenamtlichen oder Pfarrer*innen.“ Wer dann spontan Lust bekomme, könne die eigene Trauung/Segnung direkt und spontan in die Tat umsetzen: Für eine kirchliche Trauung muss eine standesamtliche Eheurkunde vorgelegt werden, zudem muss eine*r der Partner*innen evangelisch sein. Wer noch Bedenkzeit braucht – „der kommt eben am 27.7.2027 wieder“, so Baier.

Text: Jörg Echtler

Die Aktion #einfachheiraten geht zum dritten Mal an den Start. Am Wochenende vom 26.06.2026 haben Paare die Möglichkeit, sich spontan segnen oder kirchlich trauen zu lassen. Auf der Website der Aktion finden Interessierte den passenden Ort in ihrer Nähe und alle weiteren Informationen.