EKD beruft neue Beauftragte für den Kampf gegen Antisemitismus

Marie Hecke übernimmt die Beauftragung des Rates zum 1. Januar

  • Marie Hecke übernimmt die Beauftragung des Rates zum 1. Januar
  • Bischöfin Fehrs: „Wir stehen als evangelische Kirche fest an der Seite jüdischer Menschen.“
  • Kirchliche Arbeit gegen Antisemitismus wird verstetigt
  • EKD würdigt prägende Arbeit des scheidenden Beauftragten Christian Staffa

Hannover (12. Oktober 2026). Der Rat der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) hat Pfarrerin Marie Hecke zur neuen Beauftragten für den Kampf gegen Antisemitismus berufen. Sie tritt die Aufgabe zum 1. Januar 2027 an und folgt auf Christian Staffa, der seit 2019 erster Antisemitismusbeauftragter der EKD war und zum Jahresende in den Ruhestand geht.

„Antisemitismus ist auch ein Seismograf für den Zustand unserer Demokratie,“ sagte die EKD-Ratsvorsitzende, Bischöfin Kirsten Fehrs. „Wo Jüdinnen und Juden nicht sicher leben können, ist die Freiheit aller bedroht. Wir stehen als evangelische Kirche fest an der Seite jüdischer Menschen. Das ist Teil unserer christlichen Verantwortung und eine bleibende Aufgabe unserer Kirche.“ Mit Pfarrerin Hecke übernehme eine ausgewiesene Theologin und langjährige Expertin für den jüdisch-christlichen Dialog die Beauftragung für den Kampf gegen Antisemitismus, so Fehrs. „Marie Hecke setzt sich seit vielen Jahren intensiv mit den christlichen Wurzeln des Antisemitismus auseinander. Zugleich prägt die Vielfalt jüdischer Traditionen und Auslegungen ihre theologische Arbeit. Beides verbindet sie mit einem klaren Engagement gegen Antisemitismus und für den jüdisch-christlichen Dialog.“

Pfarrerin Hecke arbeitet derzeit am Institut Kirche und Judentum an der Humboldt-Universität zu Berlin sowie als Theologische Referentin der Generalsuperintendentin von Berlin. Nach einem Freiwilligendienst mit Aktion Sühnezeichen Friedensdienste in Minsk, Belarus, studierte sie Theologie in Leipzig, Münster und Berlin, sowie Judaistik im Rahmen des Vereins „Studium in Israel“ an der Hebrew University in Jerusalem. Seit 2017 verantwortet sie mit der Projektleitung „jüdisch & christlich“ das Programm des Jüdisch-christlichen Lehrhauses beim Deutschen Evangelischen Kirchentag. Seit 2020 gehört Marie Hecke dem Vorstand von Aktion Sühnezeichen Friedensdienste e.V. an.

Ihre 2024 veröffentlichte Dissertation beschäftigt sich mit jüdischer Bibeldidaktik und deren Rezeption in der christlichen Religionspädagogik.

Bischöfin Fehrs würdigte ausdrücklich die Arbeit des bisherigen Beauftragten: „Christian Staffa hat uns immer wieder vor Augen geführt, wie tief antijüdische Denkmuster auch in der christlichen Tradition verwurzelt sind. Er hat die Auseinandersetzung damit in unserer Kirche entscheidend vorangebracht. Dafür bin ich ihm von Herzen dankbar“, so die EKD-Ratsvorsitzende. Christian Staffas Überzeugung, dass eigentlich alle Christinnen und Christen Antisemitismusbeauftragte sein sollten, bleibe ein wichtiger Auftrag: „Die Verantwortung im Kampf gegen Antisemitismus lässt sich nicht an eine einzelne Person delegieren. Wir müssen sie gemeinsam tragen.“

Mit dem Wechsel stärkt die EKD die Arbeit gegen Antisemitismus auch strukturell. An der Evangelischen Akademie zu Berlin wird der Arbeitsbereich „Antisemitismus- und Rassismuskritik in demokratischer Kultur und Kirche“ dauerhaft abgesichert. Marie Hecke übernimmt dort eine Studienleitungsstelle und bleibt mit 25 Prozent am Institut Kirche und Judentum tätig.

Hintergrund

Der Rat der EKD berief 2019 erstmals einen Beauftragten für den Kampf gegen Antisemitismus. Die EKD-Synode bekräftigte 2023 mit ihrem Beschluss „Christlicher Glaube und Antisemitismus sind unvereinbar“ die Bedeutung dieser Arbeit und sprach sich für ihre dauerhafte strukturelle Absicherung aus. Zu den Aufgaben der Beauftragten gehören insbesondere die Beratung kirchlicher Leitungsorgane, die kritische Auseinandersetzung mit antisemitischen und antijüdischen Denkmustern in Kirche und Gesellschaft sowie die Zusammenarbeit mit jüdischen Organisationen, Wissenschaft und Zivilgesellschaft.


Pressestelle der EKD
Carsten Splitt