Mittwoch, 26. August 12:00 Uhr
Anna-Nicole Heinrich
Präses der Synode der EKD
Justus Geilhufe
Pfarrer
Mitten in der Woche, mitten am Tag unterbrechen wir für eine Viertelstunde. Für ein Gespräch über das, was uns zusammenhält. Und für ein Gebet.
Mitten in der Woche unterbrechen wir, was wir tun, und wenden uns an Dich, Gott.
Wir danken dir für das, was uns hier trägt: für den Nachbarn, der einfach da ist. Für das Gespräch, das gut getan hat. Dafür, dass es so viele gibt, die für andere stark sind.
Wir bringen zu dir, was uns umtreibt und uns Sorge macht: Häuser, in denen niemand mehr wohnt. Der Blick auf den Kassenzettel. Abende, an denen die Wohnung sehr still ist, und Bitterkeit und Scham einziehen wollen. Wir müssen dir das nicht schönreden – du siehst es ohnehin.
Gerade sind die Wochen laut. Es wird viel angekündigt, versprochen, gestritten und auch Angst geschürt.
Gib uns Weisheit für die anstehenden Entscheidungen: nicht aus Wut, nicht aus Angst, nicht aus dem, was uns gerade am lautesten anspricht. Hilf uns, immer zu bedenken, wie sehr wir aufeinander angewiesen sind. Auf alle, die hier leben, auch wenn sie anders leben, sprechen oder denken als wir.
Lass uns sehen, wie viele wir sind. Nicht die Lauten – die Vielen. Die morgens den Fußweg fegen, die Stühle stellen, die anpacken, die füreinander da sind. Die nicht den Mut verlieren und sich stützen, wenn sie es doch tun. Hier in diesem Ort und in tausend Orten wie diesem.
Zeig uns den nächsten kleinen Schritt, den wir mit deiner Hilfe gehen können: hinsehen statt wegsehen, zuhören. Hilfe anbieten, wenn kein anderer es tut.
Und egal, was passiert: Halt uns bei dir fest und bei deiner Hoffnung.
Sechs Mittwoche lang, immer um 12 Uhr, wenn in vielen Orten die Glocken läuten, unterbrechen wir für eine Viertelstunde.
Zwei Menschen sprechen miteinander: eine Pfarrerin oder ein Pfarrer und ein Gegenüber. Es geht um das, was Menschen gerade zusammenhält und was sie trennt – um Nachbarschaft, Ehrenamt, Einsamkeit, um den Streit in Familien und Vereinen. Am Ende wird gemeinsam gebetet.
Es geht nicht um Politik. Es geht um das, was bleibt, wenn die Wochen laut werden.
Das Gemeinschaftsgebet ist ein Format der Evangelischen Kirche in Deutschland.
Fragen und Rückmeldungen: info@ekd.de