25 Jahre Flughafenseelsorge in Düsseldorf: Zuhören zwischen Ankunft und Abschied

Festakt und Aktionswoche würdigen ein Vierteljahrhundert seelsorglicher Begleitung am Airport

Seit 25 Jahren ist die ökumenische Flughafenseelsorge am Düsseldorfer Airport für Reisende und Beschäftigte da – in Krisen, bei Abschieden und in Momenten der Hoffnung. Zum Jubiläum blickt das Team auf bewegende Einsätze zurück und lädt zu einer Aktionswoche mit Musik, Begegnungen und besonderen Veranstaltungen ein.

Johannes Westerdick und Ute Clevers

Johannes Westerdick und Ute Clevers sind am Düsseldorfer Airport als Flughafenseelsorger aktiv.

Düsseldorf (epd). Der Düsseldorfer Flughafen ist der größte Airport Nordrhein-Westfalens. Seit 25 Jahren begleiten dort Seelsorgerinnen und Seelsorger der beiden großen christlichen Kirchen Reisende sowie Mitarbeitende des Flughafens und der Airlines in schwierigen Situationen.

Das Jubiläum wird mit einer Aktionswoche vom 8. bis zum 17. Mai gefeiert, wie die evangelische Seelsorgerin Ute Clevers ankündigte. Das Programm soll mit Musik, Begegnungen und Impulsen gefeiert werden, ergänzte der katholische Flughafenseelsorger Johannes Westerdick. Das Jubiläum steht unter dem Motto „25 Jahre Zuhören, Dasein, Begleiten. Zwischen Abkommen und Abschied, zwischen Vorfreude und Sorge, mitten im Flughafenalltag“.

Auf dem Jubiläumsprogramm stehen unter anderem ein Festakt mit geladenen Gästen am 7. Mai vor dem Gedenkraum am Flughafen. Am 8. Mai dann startet die Aktionswoche mit einem Pop-up mit Harfe unter dem Motto „Himmlische Klänge“. Zum Jubiläumsprogramm zählen auch ein Kabarett-Programm mit den Luther-Ratten am 11. Mai.

Flughafenseelsorge unterstützt bei seelischen Krisen 

Das Team aus rund 40 Ehrenamtlichen und zwei hauptamtlichen Seelsorgern unterstützt Menschen in seelischen Krisen. Hilfe bieten sie etwa dann, wenn Angehörige während einer Reise verstorben sind, Orientierung gebraucht wird oder einfach ein offenes Ohr für Sorgen und Ängste gefragt ist. Auch Passagiere mit Flugangst begleiten die Haupt- und Ehrenamtlichen. Zum Angebot gehören zudem Reisesegen für Gruppen und Gottesdienste.

Seit der Gründung gehört auch das Notfallmanagement zu den Aufgaben der Flughafenseelsorge. So unterstützen die Seelsorgerinnen und Seelsorger Fluggesellschaften bei der Betreuung von Angehörigen nach Unglücken, schulen Airline-Mitarbeitende und bereiten gemeinsam mit dem Care-Team des Flughafens auf unterschiedliche Krisensituationen vor.

Flughafenseelsorger nach Absturz der Germanwings-Maschine im Einsatz

In der Vergangenheit war das Team des Flughafens Düsseldorf unter anderem gefragt bei Flugzeugunglücken wie dem Absturz einer Germanwings-Maschine im Jahr 2015 mit 144 ums Leben gekommenen Passagieren und sechs Besatzungsmitgliedern auf der Rückreise von Spanien nach Düsseldorf.

Auch muslimische Reisende oder Beschäftigte des Flughafens Düsseldorf finden am Airport eine Anlaufstelle für ihre Sorgen und Nöte. In der Nähe des Sicherheitsbereiches des Flughafens gibt es einen Gebetsraum, in dem Frauen und Männer getrennt voneinander beten können.

Angefangen hat die seelsorgende Arbeit am Düsseldorfer Flughafen im Jahr 2001. Damals trat Pfarrerin Antje Reichow ihren Dienst an, erzählt sie im Sondernewsletter der Flughafenseelsorge. Als erste Flughafenseelsorgerin vor Ort  begann sie zunächst ohne eigenes Büro und weitgehend allein. Dass es Flughafenseelsorge in Deutschland überhaupt gab, habe sie damals selbst erst neu entdeckt. Motivation für ihre Arbeit sei von Anfang an die Nähe zu den Menschen und ihren Geschichten gewesen. Ihre „Liebe zu den Menschen, ihre schönen und auch traurigen Geschichten“ - das sei immer ihre Motivation für ihre Arbeit gewesen, so Reichow in dem Newsletter.

Seelsorge verstehe sie als ganzheitliche Begleitung, bei der die Würde des Menschen unabhängig von Herkunft, Religion oder Lebenssituation im Mittelpunkt stehe. Orientierung gebe ihr dabei unter anderem die biblische Geschichte vom barmherzigen Samariter. Ziel sei es, Menschen in belastenden Situationen zu stärken und ihnen zu helfen, wieder handlungsfähig zu werden.

Anschläge vom 11. September prägend für die Flughafenseelsorge

Wenige Tage nach ihrem Dienstbeginn erlebte Reichow die Folgen des Terroranschlags vom 11. September in New York. Die Atmosphäre am Flughafen beschreibt sie im Sondernewsletter als von Angst und Fassungslosigkeit geprägt. Gerade in dieser Ausnahmesituation habe sich gezeigt, wie wichtig seelsorgliche Präsenz sei. Sie habe „versucht zu erfassen: Wer braucht jetzt was?“, erinnert sie sich. Sie habe versucht, auszuloten, wem sie Stabilität und Sicherheit geben könnte. 

Aus den Anfängen entwickelte sich nach ihren Worten rasch ein Netzwerk aus Haupt- und Ehrenamtlichen sowie Partnern aus Notfallseelsorge, Flughafenbetrieb und internationalen Kontakten. Ein wichtiger Schritt sei der Aufbau eines Ehrenamtskonzepts gewesen. Die erste Ausbildungsgruppe habe aus 15 Personen bestanden.

Heute sei die Flughafenseelsorge fest etabliert und ökumenisch ausgerichtet, bilanziert Reichow. Zugleich hätten Digitalisierung, gesellschaftliche Krisen und veränderte Reisegewohnheiten die Arbeit in den vergangenen Jahren spürbar verändert.

Besonders prägend seien die Begegnungen mit Menschen geblieben. Oft zeige sich, dass hinter scheinbar alltäglichen Situationen tiefere Geschichten stehen – Geschichten von Verlust, Erinnerung und persönlichen Entscheidungen.

Diese Erfahrungen machen für Reichow den Kern der Seelsorge aus: präsent sein, zuhören und den Menschen in seiner jeweiligen Situation ernst nehmen.

Text: epd / mit Material aus dem Sondernewsletter der Flughafenseelsorge Düsseldorf