Schifferseelsorger: Niedrigwasser große Herausforderung für Binnenschiffer
Wegen niedriger Pegelstände können Frachtschiffe auf dem Rhein nur noch mit verringerter Ladung fahren. Für selbstständige Binnenschiffer kann das existenzbedrohend werden.
Vom Niedrigwasser in Flüssen sind vor allem die Binnenschiffer betroffen. Weil sie ihre Schiffe nicht mehr voll beladen können, sei dies für selbstständige Binnenschiffer existenzbedrohend, sagt Schifferseelsorger Maximilian Heßlein.
Mannheim (epd). Der Mannheimer Schifferseelsorger Maximilian Heßlein hat den Klimawandel als „riesige Herausforderung“ für die Binnenschiffer bezeichnet. Wegen des Niedrigwassers auf dem Rhein könnten sie nur noch mit verringerter Ladung fahren, sagte der Mannheimer Wirtschafts- und Sozialpfarrer dem Evangelischen Pressedienst (epd). Dies sei für sie sehr belastend, denn die Binnenschiffer verdienten am meisten Geld, wenn ihre Schiffe voll ausgelastet fahren.
Besonders betroffen seien diejenigen, die nicht bei Reedereien angestellt seien, sondern auf eigene Rechnung fahren. Für sie sei das Niedrigwasser „potenziell eine Existenzbedrohung“. Die Binnenschifffahrt müsse sich wirtschaftlich dem Klimawandel anpassen, dann kämen noch hohe Treibstoffkosten hinzu. Damit würden die Transportwege insgesamt teurer. Das habe auch volkswirtschaftliche Auswirkungen, denn dadurch steigen die Preise der Waren.
Schifferseelsorge kann wegen Niedrigwasser nicht ausfahren
Vom Niedrigwasser in dem zweitgrößten Binnenhafen Deutschlands ist auch die Schifferseelsorge betroffen. Normalerweise fahren Heßlein und Ehrenamtliche mit ihrem Boot zweimal pro Woche von Schiff zu Schiff. Momentan müsse die „Wichern“ jedoch in einer Halle im Hafen bleiben. „Wir können bis zu einem Pegel von 1,40 Meter in Mannheim fahren“, erklärt der evangelische Theologe. Derzeit sei der Pegel etwa 50 Zentimeter niedriger und die Fahrt zu riskant: „Wenn wir einem der großen Binnenschiffe begegnen, dann müssen wir Platz machen und aus der Fahrrinne raus.“
Einsamkeit und Sprachbarrieren
In Mannheim sei der Hafen kaum öffentlich zugänglich. Weil die meisten Schiffe an den Kaimauern von Betrieben liegen, also auf Privatgelände, sei der Kontakt zu den Schiffern vom Land aus viel schwieriger. Leichter sei es, über die Wasserseite von Schiff zu Schiff zu gelangen. „Als Schifferseelsorger gehen wir hin zu den Leuten, versuchen, mit ihnen in Kontakt zu kommen und sie an Bord ihrer Schiffe zu besuchen.“ Manches Mal gebe es Sprachbarrieren. Mitarbeitende auf den Schiffen kämen häufig aus Osteuropa und teilweise sogar aus Südostasien, erläutert der Wirtschafts- und Sozialpfarrer. Sie seien weit weg von zu Hause und litten unter Einsamkeit.
Wann die „Wichern“ wieder ausfahren kann, weiß Heßlein nicht. In den nächsten zwei Wochen sei keine Besserung zu erwarten, sagt er mit Blick auf die Prognosen von Wetter und Pegelständen.