Exklusive Momente: Das Ja-Wort in der Kneipe und an der Bahnschranke

Bonn (epd). Sie war nie in der Kirche, er ist aus der katholischen Kirche ausgetreten: Nach 16 Jahren Partnerschaft und zwei Jahren Ehe geben sich Katja (62) und Tom (60) in der Bonner Kultkneipe „Die Wache“ erneut das Ja-Wort und lassen sich evangelisch segnen. „Wir haben über Social Media von der Aktion 'einfach heiraten' erfahren“, sagt die „total glückliche“ Katja nach der sehr persönlichen Zeremonie am Freitagabend in dem prallvollen Lokal. „Wir wohnen um die Ecke und es ist die Stammkneipe meines Mannes. Das ist genau unser Ding. Ich habe volle Liebe gespürt.“

Katjas Partner Tom wusste vorher nicht, worauf er sich einlässt - und ist am Ende begeistert: „Spontan einen Bibelspruch aussuchen und ein Lied wählen. Und dann war ich überrascht, wie einfach das geht. Es war wunderbar.“ Neben Katja und Tom werden drei weitere Paare gesegnet, gefeiert wird in der Kneipe bis tief in die Nacht.

Mit Gott fährt man besser

Gut drei Kilometer entfernt stehen an diesem Tag die seit 32 Jahren verheirateten Eheleute Hella und Arndt Fischer, beide Anfang 60, an einem Bahnübergang. Sie lassen sich direkt vor der geschlossenen Schranke segnen, der Hund darf auch dabei sein. Wartende Passanten verfolgen interessiert die Zeremonie in der belebten Öffentlichkeit: ein Gebet, eine kurze Ansprache der Pfarrerin im Talar, der Segen und ein Lied.

„Leben bewegt sich, wie ein Zug, der fährt“, sagt Arndt Fischer zu dem außergewöhnlichen Ort, den sich das Paar gewählt hat. „Auch das Leben ist ein Zug und man muss unterwegs bleiben, mobil. Und mit Gott fährt man besser.“ Das Paar kennt sich aus Studentenzeiten in der Bonner Südstadt. „Diesen Lebensraum für junge Menschen mit den Kneipen und Parks wollten wir jetzt wieder aufsuchen und uns noch einmal so wie am Anfang fühlen und dabei nach vorne gucken“, verrät Hella Fischer.

Ein unvergesslicher Augenblick

An etwa 370 Orten in Deutschland lassen sich bei der diesjährigen Aktion „einfach heiraten“ Paare rund um den 26.6.26 segnen oder kirchlich trauen - mit Anmeldung oder auch spontan. Veranstalter der Aktion, die 2023 aus der Taufe gehoben wurde, sind die Evangelische Kirche in Deutschland (EKD) und zwölf Landeskirchen. Wegen der Rekordhitze um 40 Grad werden einige Veranstaltungen unter freiem Himmel in Kirchen verlegt, weil es dort kühler ist. In Bonn ist die Schlosskirche besonders beliebt, auch im Botanischen Garten sind die Temperaturen erträglich.

Einen besonderen Ort haben auch die 24-jährige Alivah und ihr 25-jähriger Partner Torben gewählt. Die beiden Lehramts-Studierenden der Uni Bonn wollen in zwei Monaten standesamtlich heiraten und klettern mit einem Pfarrer hoch auf den Turm der Kreuzkirche, die evangelische Stadtkirche in Bonn. „Glaube und Gott sind uns ganz wichtig, aber eine klassische Trauung passt bei uns gerade nicht und die bekommen wir auch nicht organisiert“, sagt Alivah. „Daher ist es ein wunderbares Angebot, uns vorher segnen zu lassen.“ Das sei ihnen sehr wichtig und „viel mehr als nur ein Probelauf fürs Standesamt“. Das Ja-Wort auf dem Turm ist für das junge Paar ein unvergesslicher und berührender Augenblick.

Ergänzung zur klassischen Trauung

„Wir haben viele Menschen erreicht, die aus welchen Gründen auch immer keine klassische kirchliche Trauung feiern wollen und sich doch Segen und Zuspruch wünschen“, bilanziert der Superintendent des Evangelischen Kirchenkreises Bonn, Dietmar Pistorius, die Aktion. Das Format „einfach heiraten“ sei daher eine sinnvolle Ergänzung zur klassischen Trauung.

Angemeldet waren für die Veranstaltungen am Freitag in Bonn 30 Paare. Am Ende seien doppelt so viele gekommen, sagt Pressepfarrer Joachim Gerhardt. „Das starke Feedback ermutigt uns als Kirche, mit unseren Angeboten rauszugehen zu den Menschen und nicht zu warten, dass sie zu uns kommen“, betont er und kündigt an: „Wir werden das Angebot sicher wiederholen.“

 

Lesen Sie dazu gerne die EKD-Pressemitteilung.